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- Suzhou - im Mekka chinesischer Gartenkunst
Nur eine halbe Stunde mit dem Zug von Schanghai entfernt liegt Suzhou, die Stadt der antiken chinesischen Gärten. Suzhou befindet sich südlich vom Unterlauf des Jangtse, die Gegend ist wasserreich und von Kanälen, Flüssen und Seen durchzogen, weshalb es dort sogenannte Wasserdörfer gibt, die Suzhou den Beinamen "Venedig des Ostens" eingebracht haben. Diese Wasserdörfer entsprechen unserem typischen Bild vom alten China, mit kleinen Rundbogenbrücken, die über schmale Kanäle führen, die sich zwischen Häusern entlang schlängeln. Auch der historische Kaiserkanal, jene 2500 Jahre alte, 1800 Kilometer lange Wasserstraße, die zum Weltkulturerbe gehört, zieht sich durch die Stadt. Dieser Kanal, der von Hangzhou nach Peking führt, war vor Jahrtausenden ein wirtschaftlicher und kultureller Impulsgeber für Ostchina und durch ihn gelangte Suzhou zu dem Wohlstand, der die Entstehung der Gärten ermöglichte. Außerdem war die Stadt das Zentrum der Seidenproduktion, wodurch zusätzlicher Reichtum entstand. Seide wurde in Europa mit Gold im Gewichtsverhältnis 1:1 aufgewogen. Heute ist Suzhou eine moderne Stadt mit High-Tech-Industrie und 10 Mio. Einwohnern. Der Gartenbau hat dort eine jahrtausendealte Tradition. Er begann schon im 6. Jahrhhundert vor Chr. Laut Aufzeichnungen der Stadt gab es 6 Gärten während der Zhou-Dynastie, 4 in der Han-Dynastie, 14 während der Phase der Nördlichen und Südlichen Dynastie, 7 in der Tang-Dynastie, 118 in der Song-Dynastie, 48 in der Yuan-Dynastie, 271 in der Ming-Dynastie und 130 in der Qing-Dynastie. Suzhou ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine Gartenstadt. Während die europäische Gartenbaukunst erst ab der Renaissance in Italien Fahrt aufnahm, blicken die Chinesen auf 2500 Jahre Gartenbaugeschichte zurück. Allerdings sind die meisten der 60 Gärten, die heute noch in Suzhou existieren, relativ jung, sie stammen aus der Ming- und Qing-Zeit, also vom 14. Jahrhhundert europäischer Zeitrechnung bis zum Ende des Kaiserreichs 1912. Neun Gärten wurden zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt: Der Garten des Verweilens Der Garten des Meisters der Netze Der Garten des bescheidenen Beamten Der Garten der dunkelgrünen Welle Das Huanxiu Berghaus Der Löwenwäldchen-Garten Der Garten der Kultivierung Der Garten des Paars Der Garten zur tiefen Besinnung Chinesische Gärten imitieren im Kleinen die Natur und ihre Erscheinungsformen, dazu gehören ruhiges Wasser, fallendes Wasser, fließendes Wasser, Inseln, Felsen, Hügel, Schluchten und Grotten. Sie sind Teile einer Komposition künstlich geschaffener Elemente zu einem harmonischen Ganzen und inszenieren die Ordnung der Welt im überschaubaren Mikrokosmos. Das Ziel der Gartengestaltung war die Darstellung der Harmonie der sogenannten Sieben Dinge: Himmel, Erde, Steine, Wasser, Gebäude, Wege und Pflanzen. Als achtes Element kommt der Mensch dazu. Die Gärten sind in Zonen eingeteilt, die alle natürlichen Bereiche und Jahreszeiten umfassen und durch Gewässer, Mauern oder Brücken und kleine Gebäude getrennt sind. Um Geister daran zu hindern, in die Gebäude einzudringen, gibt es besonders hohe Türschwellen, die von den Dämonen nicht überwunden werden können. Ebenfalls aus Gründen der Abwehr haben einige Brücken einen Zickzack-Verlauf. Geister können - und das weiß jedes Kind in China - nur geradeaus laufen und verlieren auf einer Zickzack-Brücke die Orientierung. Manche Mauern sind mit kreisrunden, sogenannten Mondtoren durchbrochen, Aussparungen ermöglichen Durchblicke in andere Gartenbereiche und lassen die dahinter liegende Szenerie eingerahmt wirken wie ein Landschaftsgemälde. Gitterartige, aus Ton gebrannte Ornamente in Maueröffnungen lassen schön, gemusterte Schattenwürfe entstehen. Landschaftsmalereien oder Gedichte zieren die Mauern an überdachten, geschützten Stellen. In Europa sind Gartenbau, Architektur und Mode oft Errungenschaften des Hochadels, der zum Impulsgeber wurde, dessen Stil man kopierte. Die Gärten Chinas sind vielmehr kulturelle Leistungen der Beamten, die in China ein hohes Ansehen genossen. Sie waren elitär gebildet, mussten schwierige Ausbildungen und harte Prüfungen durchlaufen und verfügten über hohe Einkünfte. Nicht wenige Beamte lebten als Dichter, Lehrer oder Gärtner, nachdem sie sich aus der Politik zurückgezogen hatten. Einige von ihnen schufen somit einen Teil des heutigen Kulturerbes Chinas wie z.B. der berühmte Tao Yuanming, der in seinem Garten seine Lyrik verfasste. China wurde nicht von einer Kaste von Feudalherrschern regiert, die ihren Status durch Kriege erworben hatten, sondern von Gelehrten und einem Kaiser, der das Mandat hatte, die Harmonie zwischen Himmel und Erde zu wahren, dessen Aufgabe darin bestand, die Dinge im Gleichgewicht zu halten. Die Gärten spiegeln diese Ordnung des Kosmos wider, den Dreiklang von Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus, die sich allesamt in den Grenzregionen von Philosophie, Theologie, Sozialwesen und Wissenschaft bewegen. Der konfuzianische Kerngedanke ist: Wenn ich mich korrekt verhalte, ist die Familie in Harmonie, ist die Familie in Harmonie, ist es auch das Dorf, ist das Dorf in Harmonie, ist es auch die Provinz, ist die Provinz in Harmonie, ist es auch das Reich. Sind die Reiche in Harmonie, ist es auch der Kosmos. Dieses chinesische Denken spiegelt sich in allen Bereichen des antik-chinesischen Staates, in seiner Gesellschaft sowie in seinen Gärten wider. Was ideal klingt, ist natürlich auch Herausforderung und Anspruch an den einzelnen, der sich in das Wertesystem einfügt und es mitträgt. Bis heute ist davon noch viel in der Gesellschaft spürbar. Aber der wachsende Individualismus wird diesen Gesellschaftskonsens vermutlich irgendwann in die Geschichtsbücher verweisen. Die obigen Abbildungen entstanden im Garten des Meisters der Netze, im Garten des bescheidenen Beamten, im Löwenwäldchen-Garten und auf dem Tigerhügel. Die Gärten sind zu jeder Jahreszeit schön. Ich war im Winter dort, wenn die Natur schläft. Die Bäume haben dann keine Blätter, aber Kiefern und andere Nadelbäume können gerade in dieser Zeit ihre Wirkung entfalten. Im Winter wirkt alles minimalistisch und ist in Weiß- und Grautöne getaucht mit fast graphischer Schönheit. Jede Jahreszeit lohnt sich. Natürlich sind das frische Grün und die rosafarbenen und weißen Blüten der Pflaumen- und Kirschbäume im Frühling ganz besonders beglückend. Die Gärten des Bescheidenen Beamten und der Löwenwäldchen-Garten liegen in fußläufiger Entfernung nebeneinander. Da es dort dort noch ein Museum gibt, ist die Gegend touristisch erschlossen mit Souvenir- und Essgeschäften und es kann ziemlich voll werden. Am besten man besucht die Gärten nicht an Feiertagen, Wochenenden oder Ferien. Die wunderbare Atmosphäre kann sonst durch Menschenmassen erdrückt werden. Die anderen Gärten liegen weiter auseinander, Taxifahrten sind die einfachste Möglichkeit, um zu ihnen zu gelangen. Zum Garten des Meisters der Netze gelangt man mit der U-Bahn-Linie 4, aussteigen an der Station Lindunlu. Von dort läuft man zehn Minuten zum Eingang. Adresse: No.178 Northeast Road, Gusu District, Suzhou 215001 (苏州市姑苏区东北街178号) Eintritt: Sommer: 80 ¥, Winter 70 ¥, also ca. 10 Euro. Öffnungszeiten: 7:30 - 17:00, im Sommer abends eine halbe Stunde länger. Zum Garten des bescheidenen Beamten gelangt man mit der Metro 4, Station Beisita, dann sieben Minuten die Xibei Lu, die im weiteren Verlauf Dongbei Lu heißt, bis zum Eingang. Adresse: 178 Dongbei Street (江苏省苏州市姑苏区阔家头巷11号) Eintritt: Sommer: 80 ¥, Winter: 70 ¥, Öffnungszeiten: 7:30 - 17:00, im Sommer abends eine halbe Stunde länger.
- Tibet - auf dem Dach der Welt
Tibet - Traumreiseziel für viele. Auch auf meiner Liste der China-Destinationen stand Tibet ganz weit oben, vielleicht sogar an der Spitze. Nach Tibet kommt man nicht so leicht, nicht einmal, wenn man schon in China wohnt. Entsprechend erleichtert war ich, als ich nach einiger Wartezeit die Genehmigung vom Innenministerium erhielt. Auf Papier gedruckt wurde sie mir per Post zugeschickt. Erstaunlich für ein voll digitalisiertes Land. Am Flughafen dann der angeschlagene Abflug nach Lhasa - Direktverbindung in ein ziemlich mythenumwobenes Land. Der Flug dauerte lange, irgendwann ging es über den Himalaya. Berge soweit das Auge reicht, ein Gebirge wie ein Ozean. Heftige Turbulenzen schüttelten das Flugzeug. So stark hatte ich es selten erlebt. Angstvolles Wimmern von Passagieren, erschrockene Aufschreie. Trotzdem wunderschöner Ausblick. Zimmer mit Aussicht, direkter Blick auf den Potala-Palast Angekommen - der Blick aus dem Hotelzimmer ist grandios - der Potala-Palast. Am ersten Nachmittag und Abend war Akklimatisierung an die Höhe angesagt. Man weiß nie, wie der Körper reagiert. Tibet liegt durchschnittlich auf 4500 Meter Höhe, Lha sa auf 3600 Meter. Packt man es oder muss man die Reise abbrechen? In uns erer Gruppe hatte ein Ehepaar am zweiten Tag aufgegeben. Ich reiste mit einer Gruppe, da man derzeit allein gar nicht nach Tibet kommt. In Tibet dreht sich alles um die Religion und die Berge. Am Buddhismus führt kein Weg vorbei. Es ist die kulturelle Leistung, die die Reise inhaltlich ausmacht. Daher lohnt ein kurzer Blick darauf. Buddhismus aus Indien mischt sich mit tibetisch-indigener Kultur Tibets Kultur wird maßgeblich von buddhistischer Religion und Spiritualität bestimmt, die relativ spät, erst im 7. Jahrhhundert von Indien nach Tibet kamen. China hatte den Buddhismus schon seit dem 1. Jh. n. Chr. übernommen und Japan und Korea führten ihn zwischen dem 3. und 6. Jh. ein. Der indische Einfluss mischte sich in Tibet mit der indigenen, bereits vorhandenen Geister- und Götterwelt, der "Bön"-Kultur, woraus die Richtung des tibetischen Buddhismus entstand. Die für Tibet typischen Gebetsfahnen sind ein Relikt der vor-buddhistischen Religionen. Gebetsfahnen - typisches Merkmal des tibetischen Buddhismus, entstanden aus indigenen, tibetischen Religionen, die sich mit dem später eingeführten Buddhismus mischten. Offizielle Einführung des Buddhismus in Tibet Offiziell wurde der Buddhismus unter König Songtsen Gampo im 7. Jahrhhundert eingeführt. Songtsen Gampo war ein bedeutender Herrscher des tibetischen Reichs und wird oft als einer der großen Könige Tibets betrachtet. Seine Herrschaft erstreckte sich ungefähr von 617 bis 649 n. Chr. Songtsen Gampo heiratete Prinzessin Bhrikuti Devi aus Nepal und Prinzessin Wencheng aus China, die beide Buddhistinnen waren. Diese politischen Ehen trugen wesentlich dazu bei, den Buddhismus in Tibet zu verbreiten und zu etablieren. Songtsen Gampo wird auch mit der Gründung der Stadt Lhasa und dem Bau des Jokhang-Tempels im Zentrum Lhasas in Verbindung gebracht, einer der wichtigsten heiligen Stätten des tibetischen Buddhismus. Songtsen Gampo wird als Emanation des Bodhisattvas Avalokitesvara verehrt, einem der prominentesten Bodhisattvas in Tibet. Songtsen Gampo (Mitte), Prinzessin Wencheng aus China (rechts) and Prinzessin Bhrikuti Devi aus Nepal (links) © gemeinfrei, Ernst Stavro Blofeld - http://en.wikipedia.org/wiki/Image:SongstenGampoandwives.jpg Seine chinesische Ehefrau Wancheng brachte die Buddhastatue Jowo aus China mit nach Tibet, ein Abbild des Buddhas Siddharta Gautama als zwölfjähriger Prinz. Die Statue wird als heiligstes Abbild Buddhas in Tibet im Jokhang Tempel in Lhasa aufbewahrt und verehrt. Man glaubt, dass diese Statue von Siddharta Gautama selber gesegnet wurde und das Antlitz ein Portrait nach seinem Gesicht darstellt. LBM1948 - Own work Image of the Buddha in The Jokhang [Jowo] . Lhasa, Tibet, China CC BY-SA 4.0, Der nachfolgende König Trisong Detsen bestieg im 8. Jh. den Thron und festigte den Bhuddismus als Staatsreligion. Weil er vor allem am indischen Buddhismus interessiert war, holte er Gelehrte und spirutuelle Lehrer von Indien nach Tibet. Die Errichtung eines ersten Klosters gestaltete sich äußerst schwierig, da wie durch eine magische Kraft alle Arbeit eines ganzen Tages in des jeweils folgenden Nacht wieder zerstört wurde. Die Tibeter glaubten, dass die ursprünglichen, einheimischen Geister die Einführung der neuen Religion in Tibet verhindern wollten. Daraufhin lud der König den Tantra-Meister Padmasambhava nach Tibet ein, der durch das Land reiste, die einheimischen Geister unterwarf und sie zu Beschützern des Buddhismus machte. Danach konnte die Errichtung des Klosters vollendet werden. Padmasambhava soll übernatürliche Kräfte gehabt haben und gilt als Emanation des Amitabha Buddha, dem prominentesten Buddha im Reinen Land Sukhavati. Das erste Kloster des tibetischen Buddhismus Das erste Kloster des tibetischen Buddhismus war das Samye-Kloster (auch Samye Gompa genannt). Es liegt in der Region Ü-Tsang im zentralen Tibet, nahe dem Fluss Yarlung Tsangpo (der Oberlauf des Brahmaputra). Es befindet sich im Dranang-Tal, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Tsetang, der drittgrößten Stadt Tibets und etwa 150 Kilometer südöstlich von Lhasa, der Hauptstadt Tibets. Das Kloster liegt auf einer Höhe von etwa 3.500 Metern in einer abgelegenen Gegend, umgeben von Bergen und dem fruchtbaren Yarlung-Tsangpo-Tal, das als eine der Wiegen der tibetischen Zivilisation gilt. Die Gegend rund um Samye ist historisch und kulturell sehr bedeutend, da sie die Heimat früher tibetischer Könige und ein Zentrum der buddhistischen Einführung in Tibet war. Die vier wichtigsten Schulen des tibetischen Buddhismus Padmasambhava, der die ursprünglichen tibetischen Götter unterwarf, ist auch der Gründer der Nyingma-Schule, einer der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus. Die anderen drei Schulen sind Kagyu, Sakya und Gelug. Jede dieser vier Schulen hat ihre eigene Linie von Lehrern, Texten und Klosterzentren, die ihren spezifischen Lehren und Praktiken folgen. Die wichtigste ist die Gelug-Schule, die im 15. Jahrhundert entstand. Ihre Mönche tragen gelbe Mützen, was ihr den Beinamen Gelbmützen-Schule einbrachte. Die meisten Menschen verbinden mit eben diesen markanten gelben Mützen das tibetische Mönchtum. Der Dalai Lama Der Dalai Lama ist das spirituelle Oberhaupt der Gelug-Schule. Das Wort "Dalai" ist mongolisch und bedeutet Ozean, während "Lama" das tibetische Äquivalent für das Sanskrit-Wort "Guru" ist, ein spiritueller Führer oder Lehrer für den Einzelnen. Dalai Lama bedeutet also Ozeanischer Guru, wobei der Ozean gleichgesetzt wird mit Weisheit. Zwei Kulturen mischen sich in der Bezeichnung Dalai Lama: Sanskrit kam mit dem Bhuddismus aus Indien . Aber wie kam der mongolische Einfluss dorthin? Tibet und die Mongolenherrscher Im 13. Jahrhundert kam es unter der Führung von Dschingis Khan zum ersten Kontakt der Mongolen mit Tibet. Die Reiter aus dem Norden eroberten in dieser Zeit weite Teile Zentralasiens. 1240 fielen mongolische Truppen unter dem General Dorda Darkhan zielgerichtet in Tibet ein und verwüsteten einige Regionen. Dieser Angriff führte zu einem verstärkten Interesse der Mongolen an Tibet, was später zu einer engeren politischen Beziehung wurde. 1253 wurde der tibetische Abt des Sakya-Klosters, Sakya Pandita, von den Mongolen eingeladen, um Verhandlungen zu führen. Dies führte zur formellen Anerkennung der Oberhoheit der Mongolen über Tibet, und Sakya Pandita wurde zum offiziellen Vertreter der Mongolen in Tibet ernannt. Ab 1254 pflegte der Neffe von Sakya Pandita, Phagpa, eine enge Beziehung zu Kublai Khan, seit 1260 Großkhan der Mongolen und Enkel von Dschingis Khan. Phagpa wurde als religiöser Berater Kublais anerkannt und half bei der Integration des tibetischen Buddhismus in das mongolische Reich. Kublai Khan verlieh Tibet in den 1270er Jahren eine gewisse Autonomie, indem er die Verwaltung Tibets weitgehend dem Sakya-Kloster überließ. Damit begann eine lange Phase, in der Tibet unter mongolischem Schutz stand, aber intern eine relative Autonomie genoss. Die mongolische Präsenz in Tibet markierte den Beginn eines komplexen politischen und religiösen Systems, bei dem Tibet als eine Art Vasallenstaat unter den Schutz der Mongolen gestellt wurde, während die Mongolen im Gegenzug den tibetischen Buddhismus als eine wichtige spirituelle Kraft anerkannten. Dies legte den Grundstein für die späteren engen Beziehungen zwischen Tibet und mongolischen Herrschern. Aber nichts ist ewig und so wurde auch die Herrschaft der Mongolen Anfang des 14. Jahrhunderts gebrochen von einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte, dem Bauernjungen Zhu Yuanzhang, der sich im Kampf gegen die Mongolenherrschaft Soldaten anschloss, erfolgreich wurde, aufstieg und die Mongolen Anfang des 14. Jahrhhunderts vertrieb. Er gründete daraufhin die Ming-Dynastie und proklamierte sich als Kaiser Hongwu (1368–1398), erster Kaiser der Ming, dessen Grabmal heute in Nanjing besucht werden kann. Wie etablierte sich die geistliche und weltliche Macht der Lamas in Tibet? Der mongolische Herrscher Altan Khan (1507-1582) ließ die alten Kontakte zu Tibet wieder aufleben, um den tibetischen Bhuddismus in der Mongolei zu festigen. Er lud Sonam Gyatso, Oberhaupt des 1416 gegründeten Drepung Klosters in die Mongolei ein. Sonam Gyatso reiste 1543-1588 in die Mongolei und bekam von Altan Khan den Titel Dalai Lama verliehen. Damit trat erstmalig der Dalai Lama auf die Bühne der Geschichte. Der Dalai Lama, Angehöriger der Gelug-Schule, gilt wie der König Songtsen Gampo als Reinkarnation des Bodhisattvas Avalokitesvara. Im Laufe der Zeit wurde die Gelug-Schule die dominierende und politisch einflussreichste Sekte in Tibet. Der ersten drei Dalai Lamas Sonam Gyatso ist im Nachhinein nicht der erste Dalai Lama, sondern posthum wurde auch seinen zwei Vorgängern der Titel verliehen. Der offizielle erste Dalai Lama war denzufolge Gendün Drub (1391-1275). Auf ihn geht die Gründung des Klosters Tashilhunpo in Shigatse zurück, ein wichtiges Kloster der Gelug-Schule und später Sitz des Panchen Lamas, das wir später auch bei unserer Reise besuchten. Sonam Gyatso ist demnach der 3. Dalai Lama. Mit ihm begann das sogenannte Tulku-System, bei dem ein Kind als Wiedergeburt, als Reinkarnation eines Lamas angesehen wird. Wenn ein Lama stirbt, wird dessen kindliche Reinkarnation in der tibetischen Bevölkerung gesucht. Sobald es gefunden ist und Sicherheit besteht, dass dieses Kind die Reinkarnation ist, erhält es eine entsprechende Ausbildung, um den Titel und die Funktion des Vorgängers zu übernehmen. Diese Ausbildung fand anfangs im Drepung-Kloster statt. Es gibt unzählige Tulku-Linien, aber die prominenteste und wichtigste ist die des Dalai Lama. Darüberhinaus gibt es noch zwei weitere für Tibet wichtige, die Linie des Panchen Lama und des Karmapa Lama. Der 5. Dalai Lama wird geistlicher und weltlicher Herrscher Die Mongolen hatten im 17. Jahrhhundert noch einmal Einfluss auf Tibet, als die Herrschaft der Gelug-Schule ausgebaut wurde. Ein wichtiger Moment war die Allianz zwischen dem 5. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatso (1617-1682) und Güshi Khan, dem Anführer der Khoshuud-Mongolen, um Tibet von rivalisierenden lokalen Herrschern zu befreien und die Gelug-Herrschaft zu festigen. Güshi Khan und seine Truppen unterstützten den 5. Dalai Lama militärisch und halfen ihm, seine Autorität in Tibet zu stärken. Diese Allianz war keine "mongolische Herrschaft" über Tibet, sondern eher eine Zeit der Allianz zwischen den Gelugpas und den mongolischen Truppen unter Güshi Khan zur Festigung der Macht des Dalai Lama in Tibet. Der 5. Dalai Lama gelangte so an weltliche Macht und seitdem ist der Dalai Lama sowohl geistliches als auch weltliches Oberhaupt Tibets. Die Mongolen wurden von den Tibetern kulturell so weit beeinflusst, dass der tibetische Buddhismus heute auch in der Mongolei verbreitet ist. Die doppelte Funktion des Dalai Lama als geistliches und weltliches Oberhaupt der Tibeter rief bzw. ruft den Konflikt mit der chinesischen Regierung hervor, da der Anspruch Tibets, ein eigener Staat mit eigenem Oberhaupt zu sein, gegen chinesische Interessen steht. Das Drepung-Kloster bei Lhasa Am nächsten Tag nach unserer Ankunft und erfolgreicher Akklimatisierung an die Höhe ging unser erster Ausflug zum Drepung Kloster . Der Komplex liegt nur wenige Kilometer oberhalb von Lhasa auf einem Berg am westlichen Rand der Stadt. Das Kloster bei Lhasa war anfangs auch Amtssitz des Dalai Lamas und damit nicht nur spirituelles, sondern auch politisches und kulturelles Zentrum für Tibet. Im Jahr 1645 verlegte der 5. Dalai Lama seinen Amtssitz in den neu errichteten Potala Palast im Zentrum Lhasas. Während seiner Blütezeit im 18. Jahrhundert erreichte das Kloster eine enorme Größe und Bedeutung mit Tausenden von Mönchen, die dort lebten und studierten. Das Kloster wurde während der Kulturrevolution nicht zerstört, so dass man heute noch den ehemaligen Regierungspalast des Dalai Lama darin sehen kann. Als wir das Kloster besuchten ertönte ein Gong in regelmäßigen Abständen über der Klosterstadt und rief die Mönche zur Zusammenkunft. Aus allen Richtungen strömten sie herbei, sammelten sich vor der Haupthalle, zogen ihre Schuhe aus und gingen zum Gebet. Im Inneren des Klosters gibt es nicht nur Mönche, sondern jede Menge Pilger, die sich vor Bildern oder Statuen von Buddhas, Bodhisattvas und anderen heiligen Figuren betend verbeugen, Opfergaben machen, Butterkerzen entzünden oder mitgebrachte Yak-Butter in die Gefäße füllen, in denen Kerzendochte brennen. Überall liegen massenweise gespendete Geldscheine herum, die von den Mönchen wie Laub zusammengekehrt und in Säcken gesammelt werden. Mittendrin stehen wir Touristen und bekommen die Grundlagen des tibetischen Buddhismus erläutert, Kinder rennen herum, Leute reden in normaler Lautstärke, andere werden gesegnet und über alles legt sich der tiefe monotone Klang der gemeinsamen Mönchgebete. Die Fülle an Eindrücken im Kloster überwältigt. Ornamente, Figuren, Bodhisattvas, Buddhas oder Abbildungen von Reinkarnationen, Wandmalereien, Schreine, Vitrinen mit Gottheiten und Schriften, immer wieder Yak-Butterkerzen, die von Mönchen am Brennen gehalten werden, die bei ihrer Arbeit meditativ und gleichmäßig monoton vor sich hin beten. Vom Inneren des Klosters konnte ich keine Fotos machen - Fotografieren ist dort nicht erwünscht. Nur in der Hauptversammlungshalle war es erlaubt. Erstaunlich, dass wir die Mönche ausgerechnet beim Beten anschauen, fotografieren und filmen durften. Sie nahmen es gelassen, einige lächelten mir sogar zu, wie der Mönch zentral im nächsten Bild. Was alles so friedlich und harmlos aussieht, war auch mit weltlicher Macht verbunden. Ein Kloster brauchte eine wirtschaftliche Grundlage und wie im europäischen Mittelalter hatten auch tibetische Klöster jede Menge Grundbesitz zur Bewirtschaftung, aber noch mehr, nämlich auch Leibeigene, Hirten usw. Es wurden auch Steuern eingetrieben, teilweise durch bewaffnete Mönche. Überall gelebte Spiritualität Man bekommt in Tibet das Gefühl, an einem der spirituellsten Orte der Welt zu sein. Zwar gibt es bei weitem nicht mehr so viele Mönche wie einst, als es üblich war, dass der älteste Sohn einer jeden Familie Mönch wurde, aber im Drepung-Kloster leben wieder circa 800 Mönche. „Wieder", weil es nach der Kulturrevolution kein Mönchtum mehr gab. Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts zählte man wieder 20 Mönche, Tendenz seitdem zunehmend. Das Kloster bietet Platz für bis zu 10.000 Mönche . Mönche prägen das Straßenbild in Orten, die ein Kloster haben, man sieht sie in Restaurants, auf dem Markt, überall. Wenn man abends an einem Kloster entlang spazieren geht, schallen die Klänge der Dungchen, tibetische Blechblasinstrumente mit ziemlich archaischen Tönen, aus den Mauern heraus. Auch die Menge an Pilgern ist groß. In Lhasa um den Jokhang-Tempel wird gebetet, was das Zeug hält. Auf einem Rundgang um den ganzen Tempelbezirk bewegen sich die Pilger in immer fortwährender Manier. Sie legen sich flach auf den Boden, die Arme in voller Länge ausgestreckt, die Stirn auf den Boden gerichtet, um Demut und Hingabe gegenüber dem angebeteten Objekt zu symbolisieren, sei es Buddha, ein Bodhisattva oder ein anderer spiritueller Bezugspunkt. Danach stehen sie auf, führen die zusammengelegten Hände an die Stirn, den Mund und die Brust, gehen zwei Schritte und legen sich wieder flach, komplett ausgestreckt auf den Boden. Diese immer wiederkehrenden Bewegungen stellen die körperliche Manifestation der spirituellen Hingabe und des Fortschritts auf dem spirituellen Weg dar. Obwohl die Pilger sich nur langsam vorwärts bewegen, symbolisiert jede Bewegung einen Schritt auf dem Weg der spirituellen Entwicklung. Manche Pilger legen auf diese Weise hunderte von Kilometern zurück und brauchen für die Strecke Monate. Eine junge Tibetern beim Gebets-Rundgang um den Jokhang-Tempel, dem alten Tempel aus dem 7. Jh. im Zentrum von Lhasa. Was hier voyeuristisch aussieht - fotografieren einer Pilgerin - war eine sympathische Begegnung. Die junge Frau war langsam, weil sie sich ständig auf den Boden legte, aufstand, zwei Schritte machte, um sich wieder hinzulegen. Wir waren auch langsam, weil Tibeter unentwegt fragten, ob sie ein Foto mit uns machen können. Vor allem mein belgischer Mitreisender Sander war mit seinem roten Vollbart, den 1,90 Metern und seinem belgischen Bierbauch der Star. Die junge Tibeterin lachte, sprach uns an und weil wir wegen der ständigen Fotografiererei ungefähr gleich schnell waren wie sie, liefen wir eine Zeit lang fast auf gleicher Höhe nebeneinander her. Es war amüsant. Überhaupt sind Tibeter extrem freundlich, offen und lächeln viel. Der Jokhang-Tempel im Zentrum von Lhasa, einer der wichtigsten Tempel der Tibeter. Dort wird die Buddha-Statue Jowo aufbewahrt, die die chinesische Prinzessin Wencheng mitbrachte, die heiligste Buddha-Statue Tibets. Um den Tempel wimmelt es von Pilgern, die überall herumlaufen oder sich betenderweise unentwegt auf den Boden legen. Man liest manchmal, dass Beten in Tibet verboten sei. Aber Religionsausübung ist in China in jeder Form erlaubt. Auch Moscheen und Kirchen werden besucht und genutzt. Heilige Berge sind gesetzlich geschützt wie der Berg Kailash, einer der heiligsten Berge des tibetischen Buddhismus, des Hinduismus, des Jainismus und des Bön, der vorbuddhistischen Religion Tibets. Er gilt als Wohnsitz verschiedener Gottheiten und hat eine tiefe spirituelle Bedeutung für Gläubige dieser Traditionen. Es wird geglaubt, dass die Besteigung des Kailash eine Beleidigung der Gottheiten darstellen würde und den spirituellen Segen stören könnte, der mit dem Berg verbunden ist. Im Tempelinneren haben wir nicht fotografiert. Die Würde des Ortes gebietet das. Die Frömmigkeit und tiefe Ernsthaftigkeit der Tibeter ergriff mich mehr als einmal. Die Schriften des tibetischen Buddhismus - Von Pecha und Sanskrit Pecha ist das tibetische Wort für “Buch“. Unter einem Buch verstehen Europäer etwas anderes als Tibeter. Hier sind es lose Blätter, die zu einem Stapel zusammengelegt werden. Einzelne Seiten eines Pechas. Sie werden lose übereinander gelegt. Die Ursprünge dieser ungewöhnlichen Seitenform gehen zurück auf die sogenannten Palmblätter-Handschriften, die in Indien bis ins 5. Jh. v. Chr. nachweisbar sind, bei denen man getrocknete und mit Rauch behandelte Palmblätter als Schreibuntergrund verwendete. Von Indien verbreitete sich diese Technik über Südasien und gelangte im 7. Jh. nach Tibet. Eine der ältesten Handschriften stammt aus dem 9. Jh. v. Chr. aus Nepal. Sie liegt heute in der Universitätsbibliothek in Cambridge, England - wie sie dorthin gekommen ist, fragt man lieber nicht. Die Bündel mit den bedruckten Blättern werden in Stoff eingewickelt, um sie zu schützen. Danach werden sie oben und unten mit einem schützenden Holzbrett versehen. Pechas, eingewickelt in Stoffe und geschützt durch Holzbretter. Sie werden aufbewahrt in Vitrinen, in die Pilger Geldscheine durch Schlitze stecken. In einem tibetischen Klöster findet man überall gespendetes Geld. Die Schriften des tibetischen Buddhismus werden traditionell auf handgefertigtem Papier aus lokalen Grundstoffen gedruckt, Palmblätter gibt es in Tibet nicht. Der Druckprozess selbst erfolgt durch Holzblockdruck. Dazu werden die Texte in Holzblöcke graviert. Beim Drucken arbeiten zwei Mönche zusammen. Einer rollt die Farbe auf die Druckplatte, der andere legt das Papier darauf und der erste Mönch presst dann das Papier auf den Druckblock. Dieser Prozess wird von erfahrenen Mönchen durchgeführt, die die Holzblöcke sorgfältig schnitzen und die Qualität des Drucks überwachen, um sicherzustellen, dass die Schriften klar und deutlich lesbar sind. Die Holzblöcke werden in Regalen gelagert. Heutzutage gibt es Software, mit der die Pechas geschrieben werden. Die Softwareprogramme behalten bis heute die längliche Form der Seiten bei und setzen damit die jahrtausendealte Form der Palmblätter fort. In Klöstern wird aber weiterhin von Hand gedruckt. Ein Screenshot der Software Pechamaker, trotzdem wird in den Klöstern auch von Hand gedruckt. Die Pechas werden in unterschiedlichen Schriften jeweils auf einer Seite verfasst. Die oberen beiden Reihen sind in Sanskrit verfasst, die untere in Tibetisch. Sanskrit kam zusammen mit dem Buddhismus von Indien nach Tibet. Es wird oft als "Sprache der Götter" bezeichnet und ist die älteste bekannte indoeuropäische Sprache. Es gilt in der indischen Kultur als heilige Sprache. Seine Grammatik und Struktur sind äußerst präzise und detailliert, was es zu einer idealen Sprache für die Überlieferung komplexer Ideen macht. Sanskrit wird heute nicht mehr als Alltagssprache gesprochen, wird aber immer noch in verschiedenen Kontexten verwendet wie z.B. bei den Schriften. Die Rolle dieser Sprache ist vergleichbar mit Latein in der europäischen Kultur, es wird nicht mehr gesprochen, aber weiterhin in verschiedenen Kontexten verwendet. In der Linguistik sieht man Sanskrit als Grundlage für die Erforschung der Entwicklung und Ursprünge indoeuropäischer Sprachen. Deutsch sowie fast alle anderen europäischen Sprachen haben als indoeuropäische Sprachen eine enge sprachliche Verwandtschaft mit Sanskrit und damit auch mit manchen südasiatischen Sprachen. Der Potala-Palast Der Potala-Palast, beeindruckendes architektonisches Meisterwerk und kulturelles Wahrzeichen Tibets thront hoch über Lhasa. Er steht symbolisch für den tibetischen Buddhismus und die tibetische Kultur. Erbaut im 17. Jahrhundert unter der Herrschaft des damaligen 5. Dalai Lama, diente er zunächst als Winterresidenz für das religiöse und weltliche Oberhaupt Tibets. Später wurde der Palast zu einem politischen und religiösen Zentrum und beherbergte nicht nur die Wohnräume der Dalai Lamas, sondern auch zahlreiche Tempel, Schreine, Meditationshallen, Schatzkammern und Bibliotheken. Der Potala-Palast besteht aus zwei Hauptteilen: dem Roten Palast, der für politische Angelegenheiten genutzt wurde, und dem Weißen Palast, der als Wohnbereich für die Dalai Lamas und ihre Mönchsgemeinschaft diente. Der Palast wurde ebenfalls während der Kulturrevoution nicht zerstört. Alle Räumlichkeiten sind seit dem Weggang des Dalai Lamas unverändert. Das Innere ist von beeindruckender kultureller Dichte, Farbenpracht und Ornamentreichtum. Residenzräume, der Audienzsaal mit dem Thron, Versammlungsräume, Tempel, Schreine und heilige Hallen, mausoleale Stätten mit gigantischen Stupas, in denen die bisherigen 13 Dalai Lamas bestattet sind, die meterhoch in das Dunkel der Halle ragen. Im Palast darf nicht fotografiert werden, man muss sich auf Außenaufnahmen beschränken. Aber Tibeter lieben es, Fotos mit Ausländern zu machen. Wenn man freundlich fragt, ob man auch sie fotografieren darf, bekommt man ein 100%iges JA. Tibeter sind offen. Ich habe selten so offene, freundliche, häufig lächelnde Menschen erlebt wie hier in Tibet. Gesichter Tibets Um den Potala Palast führt ein Pilgerweg herum, dem ich ein Stück gefolgt bin, Auf zum Mount Everest Am nächsten Morgen ging unsere Fahrt in aller Frühe weiter. Halbwüste, Trockenheit. In Tibet gibt es wenig Grün. Immer wieder teilt man sich die Straße mit Tierherden. Hinauf geht's zum Gampala Pass. Tibetische Mastiffs, die tibetischen Hirtenhunde, die von Nomaden als Wach- und Schutzhunde eingesetzt werden. Sie sind für ihre Größe, Loyalität und ihren Schutzinstinkt bekannt. Ziegen fehlen in den Bergen natürlich nicht - die Klettermeister, die auf unebenster Fläche immer noch gut und sicher stehen, obwohl man es ihnen gar nicht zutraut. Auf dem Gampala Pass, unten der Yamdrok See, im Hintergrund der heilige Berg Nyenchen Khangsar (7191 m), er wird auch als Noijinkangsang bezeichnet. Oben auf dem Gampala Pass sind wir in einer Höhe von immerhin 4790 Metern angelangt. Im Hintergrund ragt majestätisch der heilige Berg Nyenchen Khangsar (7191 m) ( Noijinkangsang) heraus, der höchste Berg in der Nähe von Lhasa. Die Pässe in den Alpen kommen mit diesen Höhen nicht mit. Das Stilfser Joch ist mit seinen 2757 Metern Höhe geradezu niedrig, aber es ist im Winter für circa sechs Monate geschlossen. Der Montblanc ist mit seinen 4808 Metern Höhe als höchster Berg Europas gerade 18 Meter höher als der Gampala Pass. Bei unserer Reise ist es Winter und es gibt keinen Schnee trotz der extremen Höhe. Eine völlig neue Erfahrung. Tibet ist ein sehr trockenes Land. Es liegt im Regenschatten des Himalaya, der Monsun kommt nicht über die Berge. Außerdem ist die Luft durch die Höhe extrem trocken und kann daher weniger Feuchtigkeit halten. Selbst wenn es Niederschlag gibt, verdunstet er, bevor er den Boden erreicht. Die Hochebene ist steppenartig und ähnelt Halbwüsten. Viel Vegetation gibt es nicht, übrigens ein Umstand, der dazu beiträgt, dass tibetisch buddhistische Mönche nicht vegetarisch leben. Ohne das Yak als Nutztier wäre eine Besiedlung Tibets nicht möglich gewesen. Der Yamdrok See auf 4441 Meter Höhe Der Karola Gletscher fließt am Noijinkangsang herunter. Dieser heilige Berg ist stark vergletschert. Wir sehen von dem Parkplatz an der Straße nur einen kleinen Teil des gesamten Gletschermassivs, das an dieser Stelle immerhin bis 5200 Meter hinunterfließt. Allerdings hat sich das Gletscherende in den letzten Jahren stark zurückgezogen. Mauern aus getrocknetem Yak-Mist, der zum Heizen verwendet wird - daher die portionierten Mengen. Man nimmt einfach ein paar getrocknete Scheite und macht es sich im Haus schön warm. Tibetisches Essen. Nicht alles, was man hier sieht, ist wirklich authentisch. Kartoffeln und Brokkoli gehören weniger zu den traditionellen Speisen in Tibet. Dafür aber getrockneter Yak-Käse (die weißen Stangen oben links). Der ist so hart, dass man sich fast die Zähne daran ausbeißt. Die Hauptzutaten für Tsampa Das traditionelle tibetische Grundnahrungsmittel, das aus geröstetem Gerstenmehl und Yakbutter-Tee geknetet wird, heißt "Tsampa". Es ist ein wichtiger Bestandteil der tibetischen Küche und wird oft als Hauptnahrungsmittel konsumiert. Tsampa ist reich an Nährstoffen und Energie und eignet sich gut für das raue Klima in den hochgelegenen Regionen Tibets. Es wird oft zu kleinen Bällchen geformt und zusammen mit Buttertee oder anderen Getränken gegessen. Tsampa wird auch manchmal mit Yakbutter, Zucker oder Salz gemischt und kann vielseitig in der Küche verwendet werden. Es ist ein symbolisches und kulturell bedeutendes Nahrungsmittel in Tibet. Zu Gast bei einer tibetischen Familie Ungewöhnliche Kindheit - aufwachsen in den Bergen in extremer Höhe in einem entlegenen Dorf mit wenigen Häusern, in einem Land ohne Bäume und Büsche, aber mit enorm viel Spiritualität. Yaks auf der Straße Der Gawula Pass mit Blick auf den Mount Everest Das Besondere am Gawula Pass: Von hier sieht man das erste Mal den Mount Everest in voller Pracht. Aber nicht nur ihn, insgesamt hat man von hier fünf Achttausender im Blick und schaut auf eine Hauptkette des Himalaya. Am Gyatsola Pass Weiter geht die Fahrt. Unser Ziel: Das Everest Base Camp. Der Gyatsola Pass hat gleich mehrere Namen und weil's so üblich ist, weiß auch keiner seine genaue Höhe, die variiert nämlich auch, je nach Angabe. Seine Namen: Gyatsola, Jia Tsuo La oder auch Lhakpa La. Seine Höhe: 5248, nach anderen Angaben 5220. Jedenfalls höher als das Everest Base Camp. Ich bin hier am höchsten Punkt der Reise und damit auch am höchsten Punkt, auf dem ich jemals auf der Erde gestanden habe. Über diesen Pass führt die Verbindungsstraße von Kathmandu in Nepal nach Lhasa in Tibet. Wir befinden uns in einer Grenzregion und daher werden häufiger unsere Papiere kontrolliert. Angekommen am Everest Base Camp Das Basislager auf der chinesischen Seite ist weniger frequentiert als das auf der nepalesischen Seite. Der Mount Everest erstreckt sich auf Nepal und China, die Grenze verläuft über den Gipfel. Die meisten Bergsteiger gehen allerdings von Nepal hoch, weil es dort weniger Reglementierungen gibt. Am nächsten Morgen ging es zurück. Ein letzter Blick auf den Everest im Sonnenaufgang bei minus 20 Grad. Nicht einmal im Bus wurde es warm. Es war schon echt kalt. Wieder eine Stadt, diesmal Shigatse, die zweitgrößte Stadt Tibets. Hier liegt das Tashilhunpo-Kloster, der traditionelle Sitz des Panchen Lama. Das Kloster wurde 1447 gegründet und ist eines der wichtigsten im tibetischen Buddhismus. Um den gesamten Klosterbezirk führt ein Weg, der komplett mit Gebetstrommeln gesäumt ist. Vor dem Kloster wird Yakbutter an Pilger verkauft. Diese Butter wird dann in die Gefäße gefüllt, in denen Dochte brennen, also eine Art Opferkerze. Ein Mönch beim Saubermachen - auch ganz profane Dinge gehören zum Mönchsleben. Tibetisches Restaurant mit ziemlich bunter Gästeschar. Einheimische Tänze und Musik. Was hier aussieht wie eine Touristenfalle ist in Wirklichkeit für die Tibeter selber. Es gab außer unserer Reisegruppe keine ausländischen Touristen weit und breit. Es war Winter und die meisten Touristen kommen im Sommer, obwohl das Wetter gerade im Winter besser ist, weil es so gut wie keinen Niederschlag gibt. Bei unserer Reise war der Himmel immer strahlend blau.
- Essen in China
Das Essen in China ist auf jeden Fall einen Beitrag wert, denn die chinesische Küche zählt zu den besten der Welt. Wer mit Chinesen Harmonie erleben will, geht mit ihnen am besten essen. Essen verbindet, Essen versöhnt, Essen beeinflusst die Lebensenergie, Essen ist Philosophie. Nach einem Streit ist die Einladung zum Essen die direkte Aufforderung zur Versöhnung. Alle weiteren Worte wären in diesem Fall überflüssig - sogar eher kontraproduktiv. Beim Essen trifft man Freunde, Familie, Kollegen, man macht Geschäfte, man macht dabei alles. Um Freunden die Wertschätzung entgegenzubringen, muss man nicht unbedingt nach Hause einladen und für die Freunde kochen, man kann auch essen gehen - es ist preiswert, daher tun es die Chinesen oft. Garküchen, Hot-Pot-Restaurants, aber auch gehobene Restaurants, die man für Festessen aufsucht, bieten etwas für alle Gelegenheiten und jeden Geldbeutel. Sauber ist anders, aber so geht es in den Garküchen zu. Hot Pot-Restaurant Was ist Hot Pot? Das Gericht stammt ursprünglich aus Sichuan, einer nassen und kalten Provinz, weshalb man man dort SEHR scharf isst. Es ist übrigens die einzige Provinz, in der es wild lebende Pandas gibt. Man sagt, die Schärfe verursache Hitze im Körper, die gegen die Kälte und Feuchtigkeit der Region helfe. Der Hot Pot ist aber mittlerweile ein landesweit verbreitetes, sehr populäres Gericht und daher bekommt man ihn überall, begehrt ist er vor allem in den Wintermonaten. Er ist vergleichbar mit einem Fondue. Man kocht allerlei leckere Dinge in einem Sud, fischt sie heraus und isst sie mit Sesamsoße oder Soja mit Essig, eingelegtem, zerstampften Knoblauch und Koriander usw. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Den Schärfegrad des Suds kann man wählen oder man bestellt gleich einen Hot Pot mit zwei Schärfegraden in einem Gefäß mit Trennwand für beide Suds. Hot Pots, die auf ihren Einsatz warten Auch ich erlebte direkt am Anfang meiner schulischen Tätigkeit die chinesische Gastfreundschaft. Am ersten Tag ging es in der Mittagspause in ein gutes Restaurants, eingeladen von der Schulleitung, begleitet von einigen Kollegen, die wichige Positionen innehaben oder täglich mit mir arbeiten. Wir bekamen einen separaten Raum zugeteilt, saßen an einem großem runden Tisch mit drehbarer Platte und dann wurde aufgetischt. Die Gerichte stehen wie bei einem Buffet auf der Platte und man dreht die gewünschte Speise herbei. Davon nimmt man kleine Portionen mit Stäbchen, legt sie in sein Schälchen, aus dem man isst. Zum Nachlegen wie zum Essen werden dieselben Stäbchen benutzt. Wer darauf empfindlich reagiert, weil er sich vorstellt, wie sich der Speichel aller Gäste in den Gerichten mischt, hat schlechte Karten. So ist das hier nun mal. Beim ersten Bissen, den man von einer Speise probiert, nickt man wohlwollend und anerkennend, wenn es gut schmeckt. Während des Essens sind die Speisen ein Gesprächsthema, man wird gefragt, welche besonders gut schmeckt, man redet über die regionalen Küchen Chinas und ihre Eigenarten, von der wohltuenden heilsamen Wirkung einer heißen Entensuppe im Herbst usw. Eine solche Entensuppe wurde bei meinem WiIllkommensessen auch serviert. In einer großen Terrine, die auf offenem Feuer am Tisch kochte und dampfte, schwamm eine komplette Ente mit Kopf, Schnabel und allem, nur gerupft und ausgenommen war sie. Wenn man sich darauf einlässt und die Chinesen spüren, dass man echte Freude an ihrer Esskultur hat, ist viel gewonnen. Mein spanischer Kollege mag chinesische Küche nicht und weicht auf Burger King und Kentucky Fried Chicken aus. Das kommt in China nicht gut an. Auch als ich mit Schülern im Unterricht über interkulturelle Kompetenzen im Berufsleben diskutierte, waren sich alle einig, dass bei Begegnungen mit Geschäftspartnern ein gemeinsames Essen dazugehört, um wichtige Vereinbarungen zu treffen oder Verträge abzuschließen. Diesen Teil der chinesischen Kultur sollte man keinesfalls übergehen. Man könnte ein Geschäft vermasseln. Interessant auch, wenn man in den ersten Stunden als neuer Lehrer die Schüler in einer Kennenlernrunde nach den Hobbiesder Schüler fragt. Nicht selten wird erwähnt: Kochen. Interessanterweise vor allem von den Jungen. In jeder Klasse einige. Und ich wurde oft von den jungen chinesischen Hobbyköchen gefragt, was man in der Region isst, aus der ich komme. "Hmm, Pumpernickel, Westfälischer Schinken, Steinhäger, Apfelkraut, Reibekuchen, Panhas ..." Wie erklärt man das Chinesen? Auch ein Klassiker der chinesischen Küche: Hühnerfleisch, Erdnüsse und extra scharf Chilli-Schoten. Ich konnte die Chilli-Schoten nicht essen. Es war unerträglich scharf. Während ich hier so vor mich hin tippe, sitze ich im stillen Lehrerzimmer. Es gab vor einer halben Stunde Mittagessen und ich bin umgeben von Kollegen, die alle - man glaubt es nicht - ihre Sitze in Liegeposition zurückgelegt haben und kollektiv Mittagsschlaf halten. Dieser Mittagsschlaf ist ein chinesisches Ritual nach jedem Essen. ___________________ Aber zurück zum Essen: Wann immer man die Straße betritt, auf der es in China grundsätzlich geschäftig wuselt, sieht man hauptsächlich Menschen, die entweder Essen transportieren oder verkaufen oder zubereiten oder zu sich nehmen. Man hat den Eindruck, dass zwei Drittel der Geschäfte aufs Essen ausgerichtet sind. Man betritt einen Family Mart, eine Art Trinkhalle, Späti oder Kiosk nach chinesischer Art, und riecht den Duft von Tee-Eiern, jene gekochten Eier, deren Schale rundherum angeknackst wird, damit das Aroma des Suds aus Teeblättern und Sojasoße, Ingwer, Sake, Zucker, Salz, Szechuan-Pfeffer, Lorbeer in sie eindringen kann. In diesem heißen Sud liegen sie den ganzen Tag, sehen abenteuerlich aus und man fragt sich, wie lange sie da schon vor sich hin simmern, aber wenn man sie probiert, entfaltet sich ein wunderbarer Wohlgeschmack im Mund. Alles wird in den Garküchen grundsätzlich frisch zubereitet. Morgens sieht man, wie Hefeteig geknetet und portioniert wird, Fleisch auf Spieße gesteckt wird. Nichts davon kommt aus der Fabrik, nichts wird fertig angeliefert. Hier würde man die Einrichtung einer Bäckerei am Stadtrand und das Anlieferverfahren vermutlich für zu aufwendig halten. Da macht man lieber alles gleich selber. Es ist ja auch geselliger, weil nebenan die anderen Geschäfte geöffnet sind. Man sich kennt und stellt jeden Morgen aufs Neue fest, dass der Nachbar da ist und es ihm gut geht. Die Garküchen schließen erst dann, wenn alles verkauft ist. Altes Essen wird man in China nicht bekommen. Oft weiß man nicht, was in den Garküchen verkauft wird, aber man wird neugierig, probiert es, mag es, kauft es am nächsten Tag wieder, so dass der Besitzer der Garküche einem nach einigen Tagen schon das Richtige heraussucht, wenn man sich nähert . Man stellt fest, dass man genau das kauft, was auch Chinesen gern frühstücken. Irgendwann nimmt man sich morgens beim Frühstück in der Schule eine Ölstange - eine längliches Stück Hefeteig, das in Öl ausgebacken wurde, tunkt es in seine Sojamilch und merkt, dass man damit die chinesischen Kollegen verblüfft, weil es so typisch chinesisch ist, eine Ölstange in Sojamilch zu tunken.. Noch etwas zu den Manieren :) Eines Abends saß ich in einem einfachen, aber richtig guten Fischrestaurant, hatte mich wie immer durch die Speisekarte gequält und mit viel Aufwand dem Kellner klar gemacht, dass ich etwas ähnliches haben will wie die Leute am Nebentisch. Da saßen zwei Männer und eine Frau und schlemmten Dinge, die bei uns eher in die Gourmetkategorie gehören würden. Schalentiere, Tintenfisch - alles, was das Meer an Exotik hergibt. Es waren vermutlich einfache Leute, sie tranken Bier aus Flaschen, rauchten und warfen die Kippen und die Asche auf dem Boden, während die Frau, deren Schuhe kreuz und quer unter dem Tisch lagen, ununterbrochen und lautstark auf die beiden Männer einredete. Süditalien ist nichts dagegen. Der Platz, an dem die drei saßen, sah nach ihrem Weggehen abenteuerlich aus. Der Tisch wurde abgeräumt, abgerückt, ein Putzkommando rückte an und machte alles sauber für die nächsten Gäste. Übrigens ist das keine Ausnahme, Chinesen kennen keine Aschenbecher, es ist hier Usus, die Asche und die Zigaretten im Restaurant auf den Boden zu werfen. Als sie gingen, war ziemlich viel auf den Tellern übrig, denn Chinesen essen den Teller nicht immer leer. Auch wenn man eingeladen ist, sollte man immer einen Rest übrig lassen, damit der Gastgeber weiß, dass er genug aufgetischt hat. Wird der Teller leer gegessen, signalisiert man, dass man noch Hunger hat, so dass mehr aufgefahren wird. Außerdem zeigt es dem Gastgeber, dass er nicht großzügig genug war. Zu Hause wird alles aufgegessen, denn der Wert des Essens wird geschätzt, eben weil noch relativ junge Generationen Hunger kennengelernt haben. Man kann in Schanghai zweifelsohne die gesamte Palette westlicher Küchen bekommen, vor allem im Jing'an-Bezirk. Das macht auch manchmal Spaß, aber das authentische China erlebt man außerhalb des Zentrums. Ich gehe gern in diese Restaurants in typisch chinesischen Vierteln. Es ist laut, die Gäste trinken viel und werden dadurch noch lauter, aber man ist mittendrin. Nicht selten falle ich auf, weil sich wohl kaum ein Westler dort blicken lässt. Und dann kommt es vor, dass man auf Schnaps und Bier eingeladen wird. Wenn man gut Chinesisch könnte, würde man sicher Abende erleben, die man nicht mehr vergisst. Chinesen lachen viel, interessieren sich wenig für die Probleme dieser Welt, sondern leben und genießen lieber. Stolz präsentiert mir der Tischnachbar diesen 58prozentigen Schnaps, bevor ich davon auch ein Glas bekomme. Ich glaube, man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, dass man einen Chinesen mit einem reich gedeckten Tisch und einem Essen im Kreise seiner Familie am glücklichsten machen kann. Zu guter Letzt kommt bei mir wieder der Cineast durch mit seiner Liebe fürs chinesische Kino. Im Film "Eat Drink Man Women" spielt das Essen eine zentrale Rolle. Zwar geht es in dieser feinsinnigen Komödie um etwas ganz anderes, nämlich einen Vater, dessen drei Töchter völlig unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben, am Ende des Film jedoch in völlig gegensätzlichen und unerwarteten Lebenskonzepten landen, aber das Essen ist immer dabei, nicht zuletzt, weil der Vater von den Dreien ein berühmter Chefkoch in China ist. Hier ein Link zu den beeindruckenden Kochszenen aus " Eat Drink Man Woman ":
- Shanghai Riverside Promenade
Am Huangpu-Fluss, der durch Schanghais Zentrum fließt, zieht sich auf beiden Flussseiten die sogenannte Riverside Promenade entlangmit einer Gesamtlänge von beachtlichen 45 Kilometern. Insgesamt ist die Promenade in fünf Abschnitte eingeteilt, für jeden Stadtteil, durch den sie führt, einen. Yangpu Riverside 2,8 km Hongkou Riverside 2,5 km Huangpu Riverside 8,3 km Xuhui Riverside 8,4 km Pudong Riverside. 23,0 km Früher war der Fluss gesäumt von Fähren-Terminals, Werften, Fabriken und alten Wohnvierteln. Leute, die das damalige Schanghai kannten, berichten, dass der Fluss kein Ort war, an dem man sich gern aufhielt. Das änderte sich mit der Anlage der Promenade. Wohnquartiere und Fabriken wurden umgesiedelt, statt dessen entstand ein multifunktionaler Park mit Radwegen, Joggingstrecken, Yachthäfen, Cafés usw. Mich zieht mich immer wieder dorthin. Ja, die Promenade ist sogar einer meiner Lieblingsorte in der Stadt geworden. Die Pudong Riverside liegt nachmittags voll in der Sonne und besonders an Wintertagen tut es gut, dort lange Spaziergänge zu machen, Sonne zu tanken oder sich in eines der schönen Cafés zu setzen, ein windgeschütztes Plätzchen zu suchen und die unentwegt vorbeifahrenden Schiffe anzuschauen. Pudong Riverside Promenade Die Pudong Riverside Promenade liegt auf der Seite des Finanzdistrikts mit dem Oriental Pearl Tower und der Skyline. Man erreicht die Promenade mit der Metrolinie 2, Station: Lujiazui. Der Fluss liegt hinter dem Oriental Pearl Tower oder dem Museum of Art Pudong (MAP) liegt. Man kann statt mit der Metro auch mit einer Fähre von der Westseite des Flusses übersetzen. Die Fähren legen ab in der Nähe des historischen Gutzlaff Signal Towers. Weiß-gelbe Fähren bringen einen über den Fluss. Sie sind ein preisgünstiges Verkehrsmittel. Sogar an trüben Wintertagen ist es ein schöner Ort. Hongkou Riverside Auf der gegenüberliegenden Seite von Pudong befindet sich der Abschnitt der Hongkou Riverside. Der Stadtteil Hongkou beginnt bzw. endet an der Waibaibu Brücke. Waibaidu Bridge Von dort aus läuft man stadtauswärts, also weg vom Bund mit den historischen Kolonialbauten. In diesem Promenadeabschnitt gibt es weniger Cafés, dafür aber den Kletterpark "Magic Jungle" und nebenan einen schönen Park direkt an der Promenade.
- Shanghai Tower - Top of Shanghai
Die drei höchsten und auffälligsten Wolkenkratzer Schanghais, der Shanghai Tower, das Jin Mao Gebäude und das World Financial Center, bilden zusammen mit dem Oriental Pearl Tower die charakteristische Skyline im Bezirk Pudong, direkt am Huangpu Fluss. Das mit Abstand höchste Gebäude ist mit 632 Metern der Shanghai Tower, längere Zeit war er das zweihöchste Gebäude der Welt, 2021 rutschte er auf den dritten Platz. Beim Run um Höhenrekorde hat sich China ausgeklinkt. Eine Verordnung regelt mittlerweile, dass eine Höhe von 300 Metern nicht überschritten werden soll. Auf Rekorde abzielende Bauvorhaben würden nur Ressourcen vergeuden und keinen Nutzten bringen. Der Bau des Shanghai Towers verschlang zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden. Der Turm hat eine charakteristische Form und wirkt mit seiner gedrehten Fassade wie in Bewegung. Das ist nicht bloß gestalterische Spielerei, sondern es den Windkräften und Taifunen besser trotzen. Außerdem soll die Fassade Wasser sammeln und energiesparend sein. Vor allem abends bieten die Wolkenkratzer in Pudong einen spektakulären Anblick, wenn sie farbenprächtig beleuchtet sind. Das World Financial Center strahlt in Blau und um sein oberes Drittel funkeln hunderte Lichter. Um den Shanghai Tower läuft ganz oben ein weithin sichtbarer Leucht-Schriftzug, der die Gäste aus der ganzen Welt mit " 欢迎来到上海 Welcome to Shanghai " begrüßt. Der Jin Mao Tower strahlt in Platin-Weiß und der ganze Eindruck dieses Skyline-Ensembles wird abgerundet durch das ständig wechselnde Farbspiel des Oriental Pearl Towers, der bei Nacht besonders schön aussieht. Die kleineren Wolkenkratzer davor haben leuchtende Fassaden, auf denen ganze Bilder aus Licht entstehen: Schmetterlinge, Orchideen usw. Das Ticket zum Observation Deck im Shanghai Tower kostet 30 Euro. Der schnellste Fahrstuhl der Welt bringt einen in 55 Sekunden auf 546 Meter Höhe und damit auf die höchste Aussichtsplattform der Welt. Insgesamt 106 Aufzüge gibt es in dem Turm. Ein Display in der Kabine informiert genau über die Geschwindigkeit und die Position des Fahrstuhls. Das beruhigt und selbst mit Fahrstuhlphobie kann man es sehr gut aushalten. Der Fahrstuhl beschleunigt sanft, die Fahrt ist kurz und eh man sich versieht, ist man oben angekommen. Die Aussicht auf Schanghai ist spektakulär. Idealerweise fährt man vor Sonnenuntergang hoch. Dann erlebt man den Tag, die Dämmerung und das nächtliche Lichtermeer. So leer ist es selten. Ich habe die Zeit von Corona genutzt. Der Besuch ist nicht in 15 Minuten beendet, man bleibt einige Zeit oben, schaut sich die Stadt im verändernden Licht an, holt sich zwischendurch einen Kaffe oder Wein, setzt sich ans Fenster und wartet auf die Nacht. An manchen Stellen sieht man das Ende der Bebauung der Stadt. Aber wo ist das Meer? Es ist so weit weg, dass es im Dunst verschwindet. Immerhin erkennt man den Yangtze in der Ferne. Das alte Schanghai lag nicht am Meer, auch nicht am Yangtze, sondern am Huangpu Fluss. Blick nach Osten - ganz im Hintergrund bei den Kraftwerkschornsteinen fließt der Yangtze, vorne in der Mitte das World Financial Center - immer wieder erstaunlich, auf sehr hohe Wolkenkratzer hinunterzuschauen und sich wie im Flugzeug zu fühlen. Blick nach Westen - über den Huangpu Fluss spannt sich die Nanpu-Brücke. Blick nach Puxi mit den historischen Gebäuden am Bund, die sich von hier oben ausmachen wie Spielzeug Noch einmal Blick nach Westen - links die beleuchtete Nanpu-Brücke, weiter hinten rechts die blaue Lupu Brücke
- French Consession und Opiumkrieg
Der Erste Opiumkrieg Der Niederlassung vieler Franzosen in Schanghai waren die Opiumkriege vorausgegangen, die aus wirtschaftspolitischen Interessen geführt wurde. China war seit dem Zeitalter des europäischen Barock durch seine Luxusgüter Seide, Porzellan oder Tee zu einer wirtschaftlichen Supermacht geworden und hatte enormen Silberreichtum angehäuft. In die umgekehrte Richtung wurde nichts gehandelt. China gab sich selbstgenügsam und sichtlich unbeeindruckt von europäischen Produkten. Der chinesische Handelsüberschuss weckte Begehrlichkeiten bei den Engländern. Hinzu kam, dass den Briten das Silber ausging, seitdem die USA, eine der wichtigsten Silberquellen von den Engländern unabhängig geworden waren. Um an den chinesischen Reichtum zu kommen, schmuggelten die Briten schließlich Opium, das in Bengalen produziert wurde, durch die British East India Company illegal nach China, obwohl die chinesische Regierung den Opiumhandel verboten hatte. Die Opiumabhängigkeit in der Bevölkerung stieg enorm an, die Produktivität Chinas erlahmte und der Handelsüberschuss kehrte sich um, da das Opium bezahlt werden musste. China wurde durch den Opiumschmuggel derart geschwächt, dass der Staatsapparat beunruhigt eingriff. In einem offenen Brief an Queen Victoria appellierte der Kaiser an deren moralische Verantwortung, den Opiumhandel einzustellen, worauf Victoria nicht reagierte. Der Handel zwischen China und anderen Nationen verlief ausschließlich über die Hafenstadt Kanton im Süden des Landes, an der Perlflussmündung gelegen. Durch diesen einzigen Hafen konnte man den Handel wie durch ein Nadelöhr bündeln und gut kontrollieren. Dort gelangte auch das Opium nach China. Schließlich ließ China den Hafen von Kanton sperren, beschlagnahmte sämtliche Schiffsladungen und ließ eine große Menge Opium vernichten. Großbritannien hatte damit einen Kriegsgrund und entsandte eine Kriegsflotte nach China, die dem Reich eine verheerende Niederlage beibrachte, so dass man in China gezwungen war, den Vertrag von Nanking (den ersten der "Ungleichen Verträge") zu unterzeichnen. Die ungleichen Verträge Mit diesem Vertrag entzogen die Briten den Chinesen die Souveränität über den eigenen Außenhandel und öffneten die Märkte für sich und andere Europäer. Fünf Häfen wurden für ausländische Schiffe freigegeben, unter anderem Schanghai. Exterritorialität für Ausländer, die Meistbegünstigung im Handel und eine Konsulargerichtsbarkeit, Reparationszahlungen, Öffnung für christliche Mission sowie die Abtretung von Hongkong „auf ewige Zeiten“ kamen als weitere Eingriffe in die chinesische Souveränität hinzu. Mit HongKong, der Insel vor dem Perlflussdelta, hatten die Briten die perfekte Möglichkeit, das ehemalige Nadelöhr für den chinesischen Außenhandel zu kontrollieren. Der Opiumhandel, der bisher illegal verlief, wurde nun auch freigegeben, was die Gesundheit der chinesischen Bevölkerung nachhaltig erschütterte. Der Erste Opiumkrieg leitete den Niedergang Chinas ein von der einstigen Hegemonialmacht Asiens zur informellen Kolonie europäischer Mächte, die China bis zur Wende im 20. Jahrhundert bleiben sollte. Aus chinesischer Perspektive ist die Zeit vom Ersten Opiumkrieg 1842 bis zur Ausrufung der Volksrepublik 1949 das "Jahrhundert der Demütigung". Insgesamt hatten viele westliche Großmächte ihre Konzessionen in China: Großbritannien besaß 12, Japan hatte 9, Frankreich hatte 6, Russland 4, Deutschland 3, die USA 2 und jeweils eine Konzession hatten Portugal, Belgien, Italien und Österreich-Ungarn. Wo lagen die Konzessionen in Schanghai? Ein Blick auf einen historischen Stadtplan von 1935 verdeutlicht die Sache: Die Konzessionen in Schanghai. Quelle der Abbildungen: Klick auf die Bilder. Beide Karten zeigen ungefähr denselben Ausschnitt Schanghais. Man sieht deutlich die Windung des Huangpu-Flusses. Auf der westlichen Seite des Flusses erstreckt sich rot eingezeichnet die französische Konzession, darüber liegt in Ocker die britische Konzession, die bis zu dem kleinen geschlängelten Fluss, dem Suzhou Creek, reicht. Der ockerfarbene Teile der sich dann nördlich vom Suzhou Creek und Huangpu Fluss nach Osten ausdehnt, war die amerikanische, später internationale Konzession. Die alte chinesische Stadt ist der kleine ovale Bezirk östlich der French Concession, die auf der Nordseite von der französischen Konzession wie von einem Kragen umgeben ist.. Die Konzessionen waren Territorien auf chinesischem Boden, die der Souveränität Chinas entzogen waren und alles aufwiesen, was ein Staatsgebilde ausmacht: eigene Gerichtsbarkeit, eigene Polizei, eigenes Militär usw. Natürlich war das ein Stachel im Fleisch Chinas, ebenso wie das Zustandekommen der Ungleichen Verträge. Im Übrigen setzte der Westen seine Machtausweitung fort mit dem Zweiten Opiumkrieg und weiteren ungleichen Verträgen. Aus der heutigen chinesischen Perspektive ist die Gründung der Volksrepublik, eine Überwindung der westlichen Dominanz. Die French Concession heute Heute ist die French Concession vor allem bei jungen Leuten ein sehr beliebter Stadtteil wegen der vielen schönen Häuser, Cafés, Bars, Restaurants, Boutiquen, Buchläden usw. Platanenallee in der Former French Concession Das Gebiet der Französischen Konzession ist geprägt von Platanenalleen, die angepflanzt wurden, um Schatten zu spenden und Kühlung zu bringen. Vor allem aber verschönern sie das Straßenbild. Viele freistehende Häuser wurden im europäischen Stil gebaut und sind von großen Gärten umgeben. Man sieht die Gebäude selten im Ganzen, da die Grundstücke oft ummauert sind. Allenfalls ragt ein landhausartiger Fachwerkgiebel oder ein Dach über die Umgrenzungen hinaus. Häuser mit kleineren Grundstücken reichen oft bis an die Bürgersteige und sind heutzutage schöne historische Stadthäuser in gediegener, ruhiger und grüner Umgebung, in der man von Vogelgezwitscher geweckt wird inmitten der 25 Millionen-Metropole. An fast allen Häusern verweist ein Schild der Distriktverwaltung Xuhui auf den kulturhistorischen Wert der Gebäude als "Cultural Relief Preservation Site", als Denkmalschutzobjekt.
- Reise nach Yunnan
Yunnan liegt im Südwesten Chinas, ist so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen und kann wegen seiner kulturellen und biologischen Vielfalt als eine der ungewöhnlichsten Provinzen Chinas bezeichnet werden. Im Norden grenzt es an Tibet und Sichuan, im Süden bildet es Chinas Außengrenze zu Laos, Myanmar und Vietnam. Entsprechend unterschiedlich sind die Klimazonen vom Hochgebirge im Norden, in dem Tibeter leben, bis zu tropischem Dschungel im Süden mit Regenwald, in dem Elefanten zu Hause sind. Von den insgesamt 55 anerkannten ethnischen Minderheiten Chinas leben allein 36 in Yunnan, deren Bräuche und Traditionen nicht selten zum Weltkulturerbe zählen. 3,5 Stunden Flug von Shanghai nach Yunnan, die Provinz liegt auf halber Strecke bis zur Westgrenze Chinas in Zentralasien. Chinas Größe erstaunt immer wieder. Unter mir tauchen die ersten Ausläufer des Himalayas auf. Die Reise ging in den Norden Yunnans, also in die Berge, zuerst nach Kunming, der Provinzhauptstadt, von dort weiter nach Dali, der Stadt der ethnischen Minderheit Bai und Zentrum des ehemaligen Königreichs Dali, danach ganz in den Norden nach Shangri-La, ins Gebiet der Tibeter und von dort wieder Richtung Süden nach Lijiiang, der Hauptstadt des ehemaligen Königreichs der Naxi. Alle Orte lagen während der gesamten Zeit über 2000 Meter, den Rekord stellte Shangri La mit 3200 Metern auf. Kunming, Provinzhauptstadt Yunnans In Kunming kam ich abends an. Mich erwartete das traditionelle Chinesische Neujahrsfest mit Böllern und Feuerwerk, das in China nicht nur um Mitternacht entzündet wird, sondern bereits den ganzen Abend zuvor. Der Höhepunkt ist zweifelsohne nachts um zwölf, setzt sich aber bis in den Morgen und auch in den folgenden Tagen fort. Es gibt überall Verkaufsstände, die massenweise Knallkörper und Feuerwerk anbieten. Vor einigen Jahren war das Knallen noch von der Regierung verboten worden, aber niemand hielt sich daran. Inzwischen hat man diese Einschränkungen wieder aufgehoben, denn die Chinesen lieben ihr Feuerwerk. Es ist so etwas wie ein nationales Kulturerbe. Das Schwarzpulver wurden vor circa 1000 Jahren in China erfunden. Der erste Tag des neuen Jahres begann mit Sonnenschein und auch wenn in Europa der Neujahrstag schon einige Wochen zurück lag, stellte sich bei mir ein Gefühl echter Neujahrsstimmung ein, vor allem bei einem Spaziergang mit herrlichstem Sonnenschein an diesem ganz frischen Neujahrsmorgen im Smaragd-See-Garten (Green Lake Garden). Kunming gilt als Stadt der Blumen und wegen ihres milden Klimas als Stadt des ewigen Frühlings. Weil Kunming nur der Ausgangspunkt meiner Reise war, wollte ich mich nicht lange aufhalten. Schon bald ging es weiter nach Shilin, den Steinwald, circa 120 Kilometer südlich von Kunming, eine Karstlandschaft, die mit ihren besonderen Gesteinsformationen zum UNESCO-Welterbe zählt. Die seltsamen Felsen kann man auf Spaziergängen durch Schluchten und beim Erklimmen von Gipfeln durchwandern. Beeindruckender fand ich jedoch, dass an diesem Neujahrstag viele Besucher in traditionellen Trachten kamen. Vor dem Eingangsgebäude des Naturparks sitzt eine Reisegruppe von Uiguren. Noch am gleichen Abend ging es von Kunming im Zug weiter nach Dali. Fahrt aus Kunming mit dem Zug, diesen Anblick könnte man auch in einer deutschen Großstadt haben, z.B. Frankfurt. Dali Dali war im 8. und 10. Jahrhundert die Hauptstadt zweier großer Königreiche, während der Tang-Dynastie von 738 - 902 n. Chr. war es das Zentrum des Königreichs Nanzhao, in der darauffolgenden Song-Dynastie um 938 wurde daraus das Königreich Dali, das 500 Jahre währte, bis es von den Mongolen unter Kublai Khan, einem Enkel des legendären Dschingis Khan erobert wurde. Während der Eroberung wurden die Altstadt und der Palast zerstört und das politische Gewicht verlagerte sich von Dali nach Kunming. Die heutige Altstadt Dalis wurde Anfang des 14. Jahrhunderts während der Ming-Dynastie wieder aufgebaut. Die Stadt liegt zwischen dem Fuß des Cangshan-Gebirges und dem Ufer des Erhai-Sees auf 2000 Metern Höhe. Die Berge des Cangshan-Gebirges haben immerhin beachtliche 4000 Meter. Von unten aus der Stadt Dali wirken die Berge nicht sehr hoch, da man selbst schon auf 2000 Metern ist und die Berge bis weit nach oben bewaldet sind. Eine Straße in Dalis Altstadt. Im Hintergrund sind die die Berge des Cangshan-Gebirges zu sehen. Sie erheben sich unmittelbar am Westrand der Altstadt und sind 4000 Meter hoch. Der Erhai-See an dessen Ufer Dalis Altstadt liegt. Das historische Zentrum Dalis sieht aus, wie man sich eine alte Stadt Chinas klischeemäßig vorstellt, keine Hochglanzskyline, stattdessen zweigeschossige Häuser und prachtvolle Stadttore, größtenteils aus Holz errichtet und mit aufwendigen Schnitzereien versehen. Das Südtor Dalis - Dali hat vier große Stadttore, die Stadt ist rechteckig angelegt, zwei Hauptstraßen, die sich orthogonal in der Mitte kreuzen und jeweils an einem der vier Tore enden. Das Nordtor, davor Händler, die Feuerwerke verkaufen. Als ich abends ankam, war auch diese Stadt in Neujahrsstimmung getaucht, ohrenbetäubender Lärm von Chinakracher-Kaskaden füllte die Luft, immer wieder gingen irgendwo festliche Feuerwerke in den Himmel, viele Menschen ließen sich durch die Abendstimmung treiben, die Luft war vom Rauch und Dampf der Garküchen und Grills, vom Schwarzpulver und dem Duft von frisch Gegrilltem getränkt und die bunten Lichter der Restaurants, beleuchteten Gebäude und Garküchen versanken in der Unschärfe der rauchigen Luft. Das Westtor, auch hier Feuerwerksverkäufer. Xi-Zhou, ein Stadtteil Dalis Größere Städte wie Dali entstanden durch Eingemeindungen von kleineren Städten, die oft alte Stadtzentren haben. Daher gibt es nicht nur eine Altstadt in Dali, sondern gleich mehrere. Diese kleineren eingemeindeten Städte wirken aber oft autark, da sie mitunter einige Kilometer entfernt von der Zentralstadt liegen. Xi-Zhou ist eine dieser alten, kleinen Städte, die heute zu Dali gehören. Als typisches Street-Food sollte man unbedingt Xi-Zhou-Ba-Ba probieren, die beste Spezialität Dalis. Teigstücke werden mit ordentlich Schmalz bestrichen, Speck und Frühlingszwiebeln darüber gestreut und anschließend alles gebacken. Das Ganze ist ziemlich fettig, hat Kalorien für einen Winter, aber es schmeckt. Za Ran - Batiktechnik der Bai In Dali und seiner Umgebung ist die ethnische Minderheit der Bai beheimatet. Die Frauen tragen ihre Trachten nicht nur an Feiertagen, sondern täglich, verrichten darin ihre Arbeit, waschen darin Gemüse auf dem Markt, schuppen Fische auf der Straße oder stellen Batiktücher her Hauptsächlich tragen ältere Frauen Trachten. Die Volksgruppe der Bai zählt etwa 1,9 Millionen Menschen, die hauptsächlich in Yunnan leben, aber auch in Guizhou und Hunan. Ihre Bai-Sprache gehört zur chinesisch-tibetischen Sprachgruppe. Die Geschichte der Batikproduktion reicht in China bis ins 6. Jahrhundert zurück. In dieser Familienwerkstatt, die ich besuchte, wird die Knotentechnik angewandt, bei der Ornamente durch Fäden in das Tuch genäht werden, die bei der Färbung hell bleiben, so dass diese Muster entstehen. Viele Knoten lassen komplexe Muster entstehen. Wie ein Knäuel aus Knoten und Tuch wirkt diese Arbeit, die zum Färben bereit ist. Nach dem Färbebad werden die Fäden wieder entfernt und das Tuch entfaltet. Bai-Frauen auf dem Markt Fahrt nach Shangri-La mit Zwischenstopp an der Tigersprungschlucht Von Dali ging meine Fahrt weiter in die Berge nach Shangri-La. Für die Fahrt dahin kann man zwischen zwei Routen wählen, entweder die ältere, die sich durch das Gebirge langsam immer höher windet oder den nagelneuen Xili Expressway, eine hypermoderne Autobahn, die Lijiang und Shangri-La mit deutlich kürzerer Fahrzeit verbindet, weil sie fast gradlinig nur über Brücken und durch Tunnel verläuft. Für die Hinfahrt wählte ich die längere Route, die fantastische Aussichten bietet. Zunächst ging es von Dali nordwärts auf der G214. Die Straße führt irgendwann direkt am Jangtsekiang entlang, der hier die Grenze zwischen der Region der Bai, dem Verwaltungsbezirk Dali, und der Region der Tibeter, dem Verwaltungsbezirk Shangri-La, bildet. In Yunnan macht der Strom seine erste große Windung und fließt danach ein Stück nach Norden. Als ich in das Tal des Jangtses kam, war erst mal eine Pause fällig, um den größten Fluss Asiens und Chinas zu sehen, der hier noch ganz klein ist, aber in seinem Verlauf mit 6380 Kilometern Länge zum drittgrößten Fluss der Erde wird. Bisher kenne ich den Strom nur von seiner Mündung in Schanghai, wo er so breit ist wie der Bodensee. Der Jangtsekiang im Oberlauf, auf der anderen Seite liegt der Verwaltungsbezirk Shangri La, das Land der Tibeter. An der Songyuan Brücke führt die Straße G214 über den Fluss. Auf der Shangri-La-Seite begrüßen mich eine tibetiche Pagode und einige Yak-Skulpturen. Ich bin im Land der Tibeter. Bald darauf komme ich in das Dorf Changsheng, in dessen Nähe die Tigersprungschlucht liegt, eine Gegbirgsenge, durch die sich der Jangtsekiang zwängt. Der Weg dahin führt unter der 2020 eröffneten Jinshajiang-Brücke-Hutiaoxia hindurch. Darüber führt der schnelle Xili Expressway, die gradlinige Verbindung von Shangri La nach Lijiang, die ich später auf meiner Rückfahrt nutzen werde. Die Brücke führt in einer Höhe von 260 Metern über den Fluss und gehört damit zu den höchsten Brücken der Welt. Die Jinshajiang-Brücke-Hutiaoxia mit roten Seilen, 700 Meter dahinter überquert eine Eisenbahnbrücke den Fluss. Im Hintergrund die beeeindruckenden Jade-Drachen-Schneeberge, die oberhalb der Tigersprungschlucht liegen. Der Jangtsekiang in der Tigersprungschlucht Am Oberlauf zwängt sich sich der Jangtsekiang als wilder Gebirgsfluss auf 15 Kilometer Länge durch die Tigersprungschlucht. Der Höhenunterschied vom Gipfel der Jade-Drachen-Schneeberge bis zum Wasser beträgt 3900 Meter, womit diese Schlucht die tiefste der Welt ist. Den Namen "Tigersprungschlucht" erhielt sie von einem Felsen, der mitten im Fluss liegt. Es soll dort früher Tiger gegeben haben, die den Fluss an dieser Stelle mit zwei beherzten Sprüngen über den Felsen überqueren konnten. Ist es Legende oder Wahrheit? Manche Quellen behaupten, es sei eine Legende, aber es soll noch alte Menschen geben, die unabhängig voneinander berichten, wie sie einen Tiger beim Sprung über den Fluss beobachtet haben. In Südchina gab es noch bis in die 1940er Jahre eine Tigerpopulation mit ca. 4000 Tieren. In den 50er und 60er Jahren wurden sie als Schädlinge zum Abschuss frei gegeben. Die Populuation reduzierte sich auf 1000 Tiere und konnte sich nicht mehr erholen. Umfangreiche Untersuchungen um die Jahrtausendwende haben keine direkten Beweise für die Existenz des Tigers in dieser Region ergeben. In China leben noch Tiger, aber nicht mehr hier. Die drei Parallelflüsse Chinas Nicht nur der Jangtse fließt durch Yunnan, sondern gleich zwei weitere große Ströme, der Mekong, mit 4909 Kilometern auch einer der längsten Flüsse der Erde, der ins Südchinesische Meer mündet und der Saluen, der nach 2980 Metern den Indischen Ozean erreicht. Alle drei Flüsse zählen zu den größten Flüssen Asiens, fließen fast parallel, von bis zu 6000 Meter hohen Bergketten getrennt, durch den Drei-Parallelflüsse-Nationalpark. Die drei Flüsse und ihre Umgebung zählen zum UNESCO-Welterbe unter anderem wegen ihrer ausgeprägten Biodiversität, der evolutionsgeschichtlichen und ökologischen Bedeutung und der landschaftlichen Schönheit. Auf kurzer Strecke gibt es etliche Klimazonen, bedingt durch die Höhe der Berge. Die Jade-Drachen-Schneeberge von Lijiang aus gesehen. Hinter ihnen liegt die Tigersprungschlucht mit dem Jangste. Diese Berge, auf Chinesisch 玉龙雪山 (Pinyin: Yùlóng Xuěshān), kennt jeder Chinese, sie gelten als besonders schön. Die Jade-Drachen-Schneeberge in der Morgensonne Für meine Weiterfahrt nach Shangri-La fuhr ich zurück zum Dorf Changsheng, zur G214. Von dort führte mich die Straße in die Berge in den östlichen Teil des Himalayas und mit jedem Kilometer windet sie sich höher. Eine Markierung am Straßenrand zeigte irgendwann an, dass ich die Höhe von 3000 Metern überschritten hatte. Die Aussichten waren atemberaubend. In der Ferne begleitete mich immer wieder der majestätische Anblick der Jade-Drachen-Schneeberge und bei manchem Bergdorf, das ich passierte oder das an einem der gegenüberliegenden Hänge klebte, fragte ich mich, wie die Menschen dort leben, wie sie dort das Neujahrsfest feiern. Gibt es auch hier die ausgiebigen Familien-Festessen oder Feuerwerke auf den Dorfstraßen oder geht man einfach schlafen und wacht am nächsten Morgen im neuen Jahr auf? Die Umgangssprache der Dorfbewohner ist Tibetisch, Gebetsfahnen flattern in den Winden, Pagoden mit davor knienden, betenden Menschen prägten meine Eindrücke, Tibet ist ein sehr spirituelles Land. Das unterbewusste Gefühl der gewaltigen Größe und Höhe des Himalayas, der sich von hier 2500 Kilometer bis nach Afghanistan und Tadschikistan zieht, ist immer unterbewusst vorhanden. Wie leben die Menschen hier oben in den kleinen Dörfern in den Bergen? Wie sieht ihr Alltag aus? Shangri-La Shangri-La liegt auf 3200 Meter Höhe. Bei meiner Ankunft war das Wetter grandios und sollte es auch in den kommenden Tagen bleiben. Die Nächte können dort oben empfindlich kalt werden. In den Betten gibt es beheizbare Matratzen. Ich suchte mir bei der Ankunft im Hotel ein warmes Plätzchen am Ofen, dennoch war die Tür sperrangelweit geöffnet. Das ist nichts Ungewöhnliches in China, denn Chinesen haben einen Frischluft-Fetisch, egal wie viel Energie es kostet. In der Nacht sanken die Temperaturen auf minus 7 Grad. Manchmal wachte ich auf, rang nach Luft, so als hätte ich im Schlaf vergessen zu atmen. Die Höhe und der Sauerstoffmangel machten sich bemerkbar. Auch das Treppensteigen strengte an und gab einen Vorgeschmack auf das Alter. Shangri-La hieß früher Zhongdian County Town. 2001 wurde es umbenannt und bekam seinen heutigen tibetischen Namen, der so viel wie "Sonne und Mond im Herzen " bedeutet. Man hat den Ort umbenannt, um ihn für den Tourismus besser vermarkten zu können. Der fiktive Name stammt aus dem 1933 geschriebenen Roman "Lost Horizon" des britischen Autors James Hilton. Der Ort im Roman gilt als Rückzugsmöglichkeit aus dem Weltgeschehen und als das irdische Paradies auf Erden. Da der Roman ein Bestseller wurde und es auch noch eine erfolgreiche Verfilmung davon gab, entstand ein Shangri-La-Hype, der dazu führte, dass der Name heute in vielen Sprachen ein gewisses Eigenleben führt. Der Ort ist über 1300 Jahre alt und war eine wichtige Station der alten Tee-Pferde-Straße über die Ziegeltee nach Tibet gebracht wurde. Er ist aber auch eine wichtige Verbindung zwischen chinesischer und tibetischer Sprache, Kultur, Menschen und Religion. Mitten im Ort erhebt sich der sogenannte Schildkrötenhügel, auf dem ein Kloster thront. Eine Treppe führt hinauf und wieder spürte ich die dünne Luft, die mich manchmal zu einer kurzen Atempause zwang. Die Abendstimmung mit dem dämmerigen Himmel und der dünnen Mondsichel tauchten den Klosterberg in mystisches Licht. Die Tempelanlage in Shangri-Las Altstadt beherbergt die größte Gebetsmühle der Welt. Sie ist über 21 Meter hoch und wiegt über 60 Tonnen. Ununterbrochen wird sie von Gläubigen bewegt, die im Uhrzeigersinn, um sie herumlaufen und sie dabei in Bewegung halten, so dass sie sich immerfort in gemächlicher Bewegung dreht. Dreimal um die Säule herumzulaufen und sie dabei zum Drehen zu bringen, führt zu gutem Karma. 1674 wurde es auf Geheiß des fünften Dalai Lama das Kloster Ganden Sumtseling erbaut und seinem Regierungssitz, dem Potala- Palast in Lhasa, nachempfunden. Es liegt auf 3400 Metern Höhe, 1959 wurde es während der Kulturrevolution zerstört und in den 80er Jahren wiederaufgebaut. Heute ist Ganden Sumtseling das spirituelle Zentrum von 700 tibetischen Mönchen und Lamas. Es ist die größte tibetisch-buddhistische Anlage Yunnans und zugleich eines der wichtigsten Klöster des tibetischen Buddhismus. Beim Besuch kündigte sich schon aus der Ferne die spirituelle Aura durch vereinzelte, tiefe, dumpfe Trommelschläge an, die von weitem herüber klangen. Das Eingangstor zum Kloster befindet sich am Fuße des Foping-Hügels. Nach 146 Stufen erreicht man den Vorplatz vor den beiden Haupthallen, die Zhacang Halle und die Jikang Halle , die das Zentrum bilden. Die beiden Haupthallen sind umgeben von acht Khamstsen, den Studier- und Wohnbereichen der Mönche. Zugang zur Haupthalle des Ganden Sumtseling -Klosters In den Hallen darf nicht fotografiert werden, schade, denn die Eindrücke sind überwältigend. Die Haupthalle wird von 108 imposanten Säulen getragen, die wie ein Wald den Raum ausfüllen und durch ihre Höhe im oberen Teil des Gebäudes wie in einem Himmel verschwinden. Die Höhe, in der sich die Säulen im Dunkeln verlieren, erinnerte mich ein bisschen an einen Schnürboden in einem Theater. Die Wände der Halle sind mit Fresken bemalt, die buddhistische Geschichten und Legenden zeigen. Auf dem Boden zwischen den Säulen liegen Kissen, Plätze für mehr als 1600 Mönche, die hier singen und meditieren können. Die Hallen werden mit Weihrauch- und Yakbutteröl-Lampen beleuchtet, die Altäre sind dauerhaft mit Yakbutter-Blumenskulpturen geschmückt und die Kreuzgänge sind mit Skulpturen und Fresken geschmückt. Vereinzelt sitzen Mönche auf den Kissen, verdeckt durch den Wald aus Säulen, die man erst bemerkt, wenn man sich am Rand der Halle entlang bewegt und immer neue Einblicke in den Saal bekommt. Ein stehender, an eine Säule gelehnter Mönch hat unter dem Arm seine typische, gelbe Kopfbedeckung, die die Mönche der tibetischen Gelug-Schule tragen. Ein traditionelles, tibetisches Frühstück. Hauptbestandteil ist die Yak-Milch, aus der auch Quark und Butter hergestellt werden. Man trinkt Buttertee, ein Tee, dem Yakbutter und Salz zugefügt werden. Der Tee wird weiterverwendet, um ihn mit Tsampa, einem Mehl aus gerösteten Gerstenkörnern zu einem Brei zu verkneten, der zu Kugeln geformt wird, die man zum Buttertee isst. Tampa ist auf dem Foto oben links zu sehen, Quark und Butter in den beiden mittleren Schälchen. Die Butter schwimmt in Fett. Yakmilchprodukte haben einen ungewöhnlichen Geschmack und sind sehr nahrhaft. Ohne Yaks wäre das Leben in den Höhen des Himalayas schwer oder sogar unmöglich. Sie sind ein wesentlicher Nährstoffgeber. Gemüse gibt es in diesen Höhen nicht. Ein Umstand, der übrigens dazu führt, dass tibetisch-buddhistische Mönchen nicht vegetarisch leben. Ein Yak Tibetische Häuser haben eine ungewöhnliche Architektur. Die Wände laufen leicht schräg nach oben zu, ebensolches gilt für die Fensterlaibungen. Die flachen Satteldächer kragen über die Hauswände hervor und wirken dadurch wie Dächer in den Alpenregionen. Eine Hausseite ist loggenartig geöffnet und wird in der Regel von zwei großen Baumstämmen, also Säulen getragen. Ungewöhnlich und weniger ästhetisch sind die Wintergärten, die vor die Häuser gebaut werden. Aber sie halten scharfe Winde und Kälte ab. Von Shangri-La geht die Reise wieder zurück Richtung Süden. Diesmal über den Express-Highway, der mich auch über die Brücke über der Tigersprungschlucht bringen wird. Ich bin beeindruckt von der Straße. Sie besteht fast ausschließlich aus Tunneln und Brücken. Eine beeindruckende Ingenieurleistung. Naxi - eine weitere ethnische Minderheit Chinas Schließlich kam ich nach Baisha, wo die Naxi, eine weitere ethnische Minderheit Chinas, leben. Erforscht wurde die Naxi-Kultur von dem österreichisch-amerikanischen Botaniker Joseph Francis Rock, der eigentlich die Fauna in Yunnan erforschen wollte, aber ein Universalgelehrter, Geograph, Sprachwissenschaftler und Völkerkundler war. Er schrieb das zweibändige Werk The Ancient Nakhi Kingdom of Southwest China. Rock lebte und forschte fast 30 Jahre in Yunnan, Sichuan, Gansu, im östlichen Tibet und auf Hawaii und gilt als einer der renommiertesten Forscher der chinesischen und hawaiianischen Flora. Er lebte in einem Dorf bei Lijiang in einem Haus, das heute ein Museum über ihn beherbergt. Seine Erlebnisse, die er im National Geographic Magazine veröffentlichte, inspirierten den Schriftsteller James Hilton zu seinem Roman Der verlorene Horizont , in dessen Mittelpunkt Shangri-La steht, eben jener fiktive, mythische Ort in Tibet, nach dem das heutige Shagri-La umbenannt wurde. Die Naxi haben eine starke Beziehung zur Natur und respektieren sie entsprechend, besonders ihre Wälder. In ihrer gesamten Geschichte war das Fällen von Bäumen verboten, was mich eher verblüfft, denn die Schnitzkunst wird von den Naxi perfekt beherrscht und ihre Häuser sind ebenfalls aus Holz bebaut. Wer gegen diese Grundsätze verstieß, musste in die Natur gehen und dort um Vergebung bitten. Die Naxi-Gesellschaft ist ein Matriarchat, Frauen sind die Oberhäupter der Familie, Erbschaften gehen an die Töchter, nicht an die Söhne. Monogame Ehen gibt es bei den Naxi nicht, entsprechend gibt es auch keine Heiratsrituale und jeder Naxi, egal ob Mann oder Frau, kann mehrere Partner haben. Die Naxi-Religion ist stark von Tibet beeinflusst, weshalb die meisten Naxi dem tibetischen Buddhismus anhängen. Ihre Lebensweise verschwindet allerdings allmählich in einer immer globalisierteren Welt, genauso wie ihre Schrift Dongba, die einzige noch im Gebrauch befindliche Hieroglyphen-Schrift auf der Erde, die mit dieser Besonderheit zum Weltkulturerbe zählt. Die Tee-Pferde-Straße und Seidenstickerei in Baisha Die alte Stadt Bashi am Fuße der Jade-Drachen-Schneeberge ist eine wichtige Stadt für Seidenstickerei und zugleich ein wichtiges Zentrum auf der alten Tee-Pferde-Straße, die auch als Südliche Seidenstraße bezeichnet wird. Diese Südliche Seidenstraße diente hauptsächlich dem Handel mit zwei Gütern: Ziegeltee und Pferde. Der Tee wurde von Yunnan nach Tibet gebracht und von Tibet kamen als Bezahlung Pferde nach Yunnan. Die Tee-Pferde-Straße umfasst nicht nur eine einzelne Straße, sondern ein ganzes Netz von Handelswegen. Der Weg nach Tibet war beschwerlich, ging bis über 4000 Meter Höhe und die Entfernung Dali - Lhasa betrug 2000 Kilometer. Von dort ging ein Teil des Tees weiter bis Kalkutta, was noch zusätzliche 1000 Kilometer Wegstrecke waren. Bis 1830 gab es in Indien keinen Tee. Der wurde dort erst von den Briten eingeführt, um die Abhängigkeit von China zu umgehen. Der größte Teil des Tees, der auf der alten Tee-Pferde-Straße transportiert wurde, blieb jedoch in Tibet. Der Handel auf der Südlichen Seidenstraße wurde im 7./8. Jahrhhundert begonnen. Als Transporttiere wurden Maultiere eingesetzt oder Träger, die bis zu 300 Pfund Tee auf dem Rücken transportierten. Natürlich legten weder Maultiere noch Träger die gesamte Strecke zurück, sondern immer nur Teile davon. Dann wurde die Ware umgeladen auf andere Tiere und Träger für die nächste Etappe. Ziegeltee - eine südwestchinesische Spezialität Ziegeltee ist gepresster Tee, der auf diese Weise platzsparend transportiert werden konnte. Man nennt ihn wegen der Transportwege auf dem Land auch Karawanentee. Hauptsächlich wurde er in Russland getrunken, woher er auch den bei uns geläufigen Namen Russischer Tee bekam. Er ist dunkel, rotbraun und hat einen würzigen, erdigen Geschmack . Man sagt, dass sich während des Karawanentransports durch das Aufbewahren neben dem Lagerfeuer ein Raucharoma auf die Teeblätter übertragen habe, das ein Charakteristikum des Karawanentees ist. Außerdem soll die Wärme auf dem Rücken der Maultiere während des Transports zur aromatischen Reifung beigetragen haben. Dass der Rauchgeschmack durch die Lagerfeuer in den Tee zog, gehört wohl in den Bereich der romantischen Märchen, die beim Tee trinken gelegentlich erzählt werden. Heutzutage steht kein Tee mehr neben Lagerfeuern von Karawanen, aber noch immer ist der leicht rauchige Geschmack ein Charakterstikum, das mittlerweile durch Räuchern erreicht wird. Die Seidenstickerei ist ein weiteres Kulturerbe der Naxi und gilt als eine der besten und einflussreichsten in ganz China. Seit 1200 Jahren wird diese Kultur gepflegt. Man stickt Bilder aus Seide mit Landschaftsmotiven aus der Umgebung von Lijiang oder Applikationen mit Ornamenten für die Kleidung. In Baisha gibt es ein staatliches, renommiertes Institut, in dem Schüler die Seidenstickkunst erlernen können. Die Altstadt Baishas liegt am Fuße der Jade-Drachen-Schnee-Berge, die man auf den Fotos unten im Hintergrund erkennt. Dieses Bergmassiv kannte ich schon von der Tigersprungschlucht. Die Schlucht liegt jetzt, von Baisha und Lijiang gesehen, hinter den Bergen. In den Gassen von Lijiang, im Hintergrund leuchten wieder die Jade-Drachen-Schneeberge im Abendrot. Lijiang Von Baisha ging es weiter ins ca. 15 Kilometer entfernte Lijiang, eine Stadt mit der riesigen, labyrithartigen Altstadt, Dayan, in der man sich beim Wandeln durch die malerischen Gassen entlang der Kanäle und Wasserläufe schnell verlaufen kann. Es ist eine der best erhaltenen Altstädte ganz Chinas. Sie zählt seit 1997 zum Weltkulturerbe. Der Black-Dragon-Pool Lijiang war die Residenzstadt der Mu-Herrscher. Vor den Toren der Stadt legten sie 1737 die Umgebung um den Black Dragon Pool an. Die bekannteste Ansicht davon ist die fünfbogige Marmorbrücke, die zum "Pavillon, der den Mond umarmt", führt. Der Garten um den Black Dragon Pool war ein Erholungsort für die Naxi-Fürsten, sozusagen ihre Residenz für die Sommerfrische. Im Hintergrund sind wieder die schneebedeckten Jade-Drachen-Schnee-Berge zu sehen. Eine alte Legende gab dem Black Dragon Pool seinen Namen: Vor langer Zeit gab es zehn böse Drachen, die viel Zerstörung anrichteten und den Menschen großen Schaden zufügten. Eines Tages unterwarf einer der acht Unsterblichen der chinesischen Legende Lu Dungbin neun der Drachen und sperrte sie in einen Turm. Nur der jüngste schwarze Drachen war übrig, der als Preis für seine Freiheit anbot, den Menschen zu nützen und ihnen Schutz zu geben. Man sagt, er lebe seitdem in diesem Gewässer. Angelegt wurde dieser schöne Garten von Tusi Mu, einem der Stammeshäuptlinge oder Fürsten der Naxi. Das Herrschersystem der Tusi war von den Mongolen eingeführt worden, die 1253 das Königreich Dali erobert hatten und als Yuan-Dynastie das Reich der Mitte bis zur Ming-Dynastie regierten. In diesem Tusi-System wurden Stammeshäuptlinge ehemaliger Fürstenreiche bzw. Stammeshäuptlinge von den Yuan-Herrschern in Peking als Beamte eingesetzt, lebten aber weiterhin wie Fürsten und konnten ihren Titel vererben. Das System diente einerseits der Eingliederung der eroberten Gebiete ins Reich, andererseits konnten die nationalen Minderheiten auf diese Weise ihre Gewohnheiten und ihre Lebensart beibehalten. Das Tusi-System wurde erstmalig in der Provinz Yunnan eingeführt und später in zahlreichen, vor allem westchinesischen Provinzen übernommen. Es wurde während aller folgenden Kaiserdynastien beibehalten, also auch den auf die Yuan folgenden Ming und Qing-Dynastien. Es existierte sogar über das 1912 beendete Kaiserreich hinaus und wurde erst in der Volksrepublik aufgelöst. Während der Kulturrevolution litten viele Kulturen und Religionen, mittlerweile sind alle Minderheiten geschützt und in der Volksrepublik herrscht Glaubensfreiheit. Dongba - die älteste, noch verwendete Piktogrammschrift der Menschheit In einem Zentrum am See wird die Dongba-Schrift gelehrt und bewahrt. Auch das spezielle Papier für die Bilderschrift wird hier hergestellt. Der Grundstoff für das Papier sind die Blätter einer Pflanze, dir nur in über 2000 Meter hohen Schuchten des Goldsandflusses im Schneegebirge wächst. Bis heute noch existiert diese aus Piktogrammen bestehende Schrift, die älteste noch existierende Bildsprache der Welt, die von Schamanen gelehrt wird und Hieroglyphen ähnelt. Dass die Schrift auch während der Kulturrevolution erhalten blieb, ist den Schamanen zu verdanken, die auch in den Zeiten der Unterdrückung des Volkes während der Kulturrevolution die Schrift weiterhin gelehrt hatten. Sie zählt zum immateriellen Weltkulturerbe. Die Dongba Schriften umfassen mehr als 20.000 Bücher. Sie gelten als Enzyklopädie der Geschichte der Naxi. Der Mu-Palast im Altstadtgewirr Lijiangs Es gibt auch innerhalb der Stadt Lijiang, mitten im Gassengewirr einen Palast, eine der größten Residenzanlagen ganz Chinas, den Mu-Palast. Begonnen wurde er während der Ming-Dynastie und während seiner Blütezeit umfasste das Palastgelände über 100 Gebäude. Es gibt die Redewendung „Im Norden ist die Verbotene Stadt, im Süden die Residenz der Mu“. Man nennt sie auch die Verbotene Stadt im Miniaturformat, zumal sich die Mu-Herrscher an dem Vorbild in Peking orientiert hatten. Hinter dem Palastgelände erhebt sich ein Berg, an dessen Hang sich ein Garten in die Höhe zieht. Es lohnt sich unbedingt, dort hinauf zu gehen, da man von oben eine großartige Aussicht auf die Altstadt hat. Diesen Gartenhang erreicht man ausschließlich bei einer Besichtigung der Palastanlagen. Der Blick auf die Anlage des Mu-Palastes vom Gartenhang aus Mit Lijiang endete meine Fahrt in die Provinz Yunnan. Die Fahrt zurück nach Schanghai war wie die Rückkehr in eine völlig andere Welt. Gerade noch war ich im uralten China, in exotischen Kulturen von Minderheiten, in landschaftlicher Schönheit und plötzlich wieder umgeben von Taxis, Werbetafeln, Sinneseindrücke wie Lautsprecherdurchsagen, Martinshörner, riesige Werbetafeln, Verkehr, Rolltreppen. Größer könnte der Unterschied nicht sein. China ist vielfältig.
- Nanjing
Nanjing ist ein wichtiger Ort der jüngeren chinesischen Geschichte, vor allem des 20. Jahrhunderts. Aber auch davor war die Stadt immer wieder bedeutend und erlebte vor allem unter der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) ihre erste Blüte. In nur zwei Stunden erreicht man die Stadt von Schanghai mit dem Hochgeschwindigkeitszug. Ein ideales Kurzreiseziel für ein Wochenende. Allerdings reichen zwei Tage nicht aus, um sich die vielen Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Entweder man setzt Prioritäten oder besser noch: Man bleibt gleich ein paar Tage. Folgendes sollte man auf keinen Fall verpassen: - das Mausoleum des ersten chinesischen Präsidenten Dr. Sun Yat-Sen - das Ming-Mausoleum Xiaoling, - das Memorial zum Massaker von Nanjing. Darüberhinaus hat Nanjing die mit 21 Kilometern längste erhaltene Stadtmauer der Welt, etliche interessante Tempelanlagen wie den Konfuziustempel Fuzi Mia oder den buddhistischen Jiming-Tempel. Außerdem ist das Nanjing Museum sehenswert und im Park der Schatzschiffe gibt es den Nachbau eines Schatzschiffes in Originalgröße, mit denen der legendäre Admiral Zheng He in See stach, um die Weltmeere zu erkunden. Nicht auslassen sollte man den Präsidentenpalast, das heutige China Modern History Museum, ein Brennpunkt der Geschehnisse der politischen Wirren von der späten Qing-Dynastie bis zum Sieg der Kommunisten. Interessant ist außerdem das Haus von Song Meiling, der Gattin von Chiang Kai-shek, und das Haus von John Rabe, einem Deutschen, der während des Massakers von Nanjing ca. 250.000 Chinesen rettete. Das Nanjing der Ming Bevor die Ming an die Macht kamen, stand China unter der Regentschaft der Mongolen (Yuan-Dynastie 1279 bis 1368), deren Anführer Kublai Khan, ein Enkel des legendären Dschingis Khans, China 1271 erobert hatte und im Norden, nahe der Mongolei die Stadt Khanbaliq, die "Stadt des Khan", gegründet hatte, das heutige Peking. Der erste Ming-Kaiser Hong Wu China litt unter der mongolischen Herrschaft, bis ein Bauernjunge aus ärmlichen Verhältnissen namens Zhu Yuanzhang das Schicksal Chinas maßgeblich verändern sollte. Dieser Junge hatte sich einer rebellischen Gruppe von Bauern angeschlossen, den sogenannten "Roten Turbanen", mit denen er gegen die Herrschaft der Mongolen kämpfte. Die Rebellen, die "Roten Turbane", hatten rote Tücher um den Kopf gewickelt. Im Jahr 1356 wurde er zum Anführer der Rebellion, er baute eine starke Armee auf und konnte mit ihr schließlich 1368 die Hauptstadt der Yuan-Dynastie, die "Stadt des Kahn", das heutige Peking, erobern und damit die Herrschaft der Mongolen beenden. Dieser ehemalige arme Bauernjunge Zhu Yuanzhang wurde zum Kaiser Chinas, dem ersten Kaiser der Ming-Dynastie. Später wurde er Hong Wu genannt und wird heute oft als eine der prägendsten und einflussreichsten Figuren der chinesischen Geschichte betrachtet. Während des Krieges gegen die Mongolen eroberte Zhu Yuanzhang einige Gebiete in Anhui südlich des Jangtsekiangs. Schließlich gelang es ihm im Jahr 1356 die Stadt Jiqing Lu (das heutige Nanjing) nach einer dreimonatigen Schlacht einzunehmen. Die Stadt war von strategischer Wichtigkeit auf der Südseite des Jangtsekiangs und wurde zur Ausgangsbasis seiner Herrschaft. Kaiser Hong Wu baute Nanjing zur Residenz und zum Zentrum politischer Macht aus. Bekannt war er für seine harte Hand gegenüber politischen Gegnern und für sein strenges Regierungssystem. Er ließ mehrere Säuberungswellen über Beamte, Gelehrte, Offiziere, Landbesitzer ergehen und ging dabei alles andere als zimperlich vor. Ca. 100.000 Menschen fielen diesen Säuberungswellen zum Opfer. Er war bestrebt, eine zentralisierte Kontrolle über das Land auszuüben und den Einfluss der Adelsfamilien einzuschränken, er setzte den Konfuzianismus durch, allerdings durch ein scharfes Kontrollsystem, in dem benachbarte Familien in Gruppen zu 10 und 100 aufgeteilt wurden, in denen das Prinzip der gegenseitigen Verantwortlichkeit galt. Der verordnete Konfuzianismus diente zur Herausbildung eines bürokratischen Absolutismus. Soziale Hierarchien, eingeteilt in die "Vier Stände" Gelehrte, Bauern, Handwerker und Händler wurden gefestigt, im Geistesleben fand ebenfalls eine Vereinheitlichung statt, damit sich keine Intellektuellen entwickeln konnten, sondern Denkbürokraten. Viele Aspekte von Hong Wus Politik wurden auf seine niedere Herkunft zurückgeführt. Gleichzeitig legte er in den dreißig Jahren seiner Regentschaft die Grundlage für den Erfolg und die Blütezeit der Ming-Dynastie. Die Landwirtschaft wurde gefördert, wodurch sich die Ernährungslage verbesserte und sich die Bevölkerung in zweihundert Jahren verdoppelte. Die Ming-Dynastie markierte eine neue Ära in China und hatte weitreichende Auswirkungen auf die politische, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Der Zhongshan Mountain Park Hong Wus Grabmal, das Xiaoling-Mausoleum, befindet sich in Nanjing am Zhongshan Mountain. Eine Erklärtafel zeigt das gesamte Gelände. Das Grabmal von Kaiser Hong Wu ist links zu sehen. Zentral in der Mitte liegt das Mausoleum von Sun-Yat-Sen Der Zhongshan Mountain vereint mehrere Sehenswürdigkeiten Nanjings. Die wichtigsten sind das Mausoleum des ersten Ming-Kaisers und das Mausoleum Dr. Sun-Yat-Sens, des ersten Präsidenten der Republik China. Sie liegen in fußläufiger Entfernung am Hang dieses Berges nebeneinander. Angenehm ist zudem, dass alles in eine schöne Landschaft eingebettet ist, so dass man ausgiebig unter Schatten spendenden Bäumen spazieren gehen kann. Vor allem im Frühjahr zur Pflaumenbäume sollte man diese Gegend besuchen. Die Farbe der Pflaumenblüten brachte dem Berg den Beinamen "Purpurner Berg" ein. Ming Xiaoling - das größte Mausoleum für den ersten Ming-Kaiser Das Mausoleum des ersten Ming-Kaisers Hong Wu, das Ming Xiaoling ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes "Kaiserliche Grabstätten der Ming- und Qing-Dynastien", von denen die meisten allerdings in Peking liegen. Dafür ist aber das Ming Xiaoling die größte kaiserliche Grabstätte Chinas und zugleich auch die erste Ming-Grablege, ihr Bau dauerte von 1381-1431. Bevor man sich den Hauptgebäuden nähert, gibt es den Shen Dao, den Seelenweg. Dieser 1800 Meter lange Weg ist gepflastert, verläuft nicht gradlinig, sondern in eine ost-westliche Richtung, die Shi Xiang Road und in eine nord-südliche Richtung, die Weng Zhong Road. Das Ungewöhnliche an diesem Weg ist sein 90 Grad-Knick. Einen solchen Seelenweg gib es auch in Peking, wo er aber schnurgerade verläuft, was der ästhetischen Auffassung der Ming eher entspricht, denn sie hatten ein gewisses Faible für Achsen und Symmetrie wie z.B. bei der Verbotenen Stadt in Peking. Die dahinter stehende Auffassung vom Zentrum der Welt, ja sogar des Kosmos hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem europäischen Barock: Zentralismus, Symmetrie und autokratische Herrschaft. Zurück zur Anlage in Nanjing: Die ost-westliche Straße führt unter Bäumen entlang und wird von tierischen Steinskulpturen flankiert. Die nord-südliche Straße führt zum Komplex des Mausoleums. An dieser Straße stehen steinernen Generäle und Minister. Am Ende der Nord-Süd-Achse angelangt, führt eine Brücke zum Komplex des Mausoleums, die Hauptachse läuft geradewegs auf das Hauptgebäude an ihrem Ende zu. Dabei spaziert man durch verschiedene Bereiche der Anlage, passiert Tore, Pavillons und Hallen und nähert sich langsam, bergan steigend dem größten Pavillon, Bao Shang, in dem der Kaiser beigesetzt ist. Bao Shang, das Grab des Kaisers, ist mit gelben Dächern gedeckt, der edelsten und hochrangigsten Farbe, die dem Kaiser, dem Sohn des Himmels, vorbehalten war. Gelb wurde mit den fünf Elementen der chinesischen Philosophie, insbesondere mit der Erde in Verbindung gebracht. Die Erde wurde als stabilisierendes und nährendes Element angesehen, das ähnlich wie der Kaiser für Stabilität und Harmonie im Reich sorgte. Gelb symbolisierte auch Fruchtbarkeit, Glück und Wohlstand. Das eigentliche Grab des Kaisers wurde nie geöffnet. Es ist davon auszugehen, dass er dort liegt. Es gehört zu den Eigenarten der chinesischen Archäologie, dass man die Gräber der chinesischen Kaiser bisher nicht geöffnet hat. Ist es die Befürchtung, dass durch Sauerstoff wertvolle Artefakte zerfallen könnten? Ist es eine Form des Respekts vor den toten Kaisern? Dr. Sun-Yat-Sen-Mausoleum Nach einem 20-minütigen Fußweg durch einen schönen Wald erreicht man diesen deutlich größeren Komplex, der sich durch Touristenmassen ankündigt. Das Grab des ersten Präsidenten der Republik China ist deutlich populärer als die Beisetzungsstätte des ersten Ming-Kaisers. Das Mausoleum von Dr. Sun Yat-Sen orientiert sich am Ming-Vorbild. Wieder führt eine gerade Achse bergan, man passiert diverse Pavillons und Tore bis man oben an der Heiligen Halle angelangt ist, in der der Präsident beigesetzt ist. Wer war Dr. Sun Yat-Sen? Dr. Sun Yat-Sen (auch bekannt als Sun Zhongshan) wurde 1866 in der Provinz Guangdong geboren, starb 1925 in Peking und war ein bedeutender chinesischer Politiker, Arzt und Revolutionär. Er spielte eine herausragende Rolle in der chinesischen Geschichte und wird oft als "Vater der chinesischen Nation" bezeichnet. Er führte die Xinhai-Revolution von 1911 an, die zum Sturz des letzten Kaisers und zur Gründung der Republik China führte. Es handelt sich dabei nicht um die Volksrepublik, die kam erst 1949. Zwischen dem Kaiserreich und der Volksrepublik war China eine Republik. Sun Yat-Sen war der erste provisorische Präsident dieser Republik und gründete die Kuomintang, eine politische Partei, die später als "Nationalisten" gegen die "Kommunisten" im Chinesischen Bürgerkrieg kämpfen sollte. Sun Yat-Sen hatte eine starke Vision für ein modernes China, das von der imperialen Vergangenheit befreit war und sich zu einer wohlhabenden und demokratischen Nation entwickeln sollte. Die Spaltung Chinas in die Volksrepublik und die Republik Es kam anders, als es sich Sun Yat-Sen gewünscht hatte. Der Konflikt begann mit der Spaltung der Politiker in die Kuomintang, angeführt von Chiang Kai-shek, und die Kommunistische Partei Chinas, angeführt von Mao Tse-tung. Zunächst waren die beiden Parteien während der Nordexpedition (1926-1928) vereint und kämpften gemeinsam gegen die Kriegsherren (War Lords) und gegen die ausländische Kontrolle in China. Nach der Einigung Chinas unter der Kuomintang-Führung brachen jedoch zunehmend Spannungen zwischen den beiden Parteien aus. Die Kommunisten strebten eine sozialistische Revolution an und genossen Unterstützung unter den Landarbeitern und den ärmeren Schichten der Gesellschaft, während die Kuomintang eine nationalistische und gemäßigt kapitalistische Vision für China verfolgten. Im Zweiten Weltkriegs vereinten Kuomintang und Kommunisten nochmals ihre Kräfte gegen die japanische Besatzungsmacht, allerdings setzte sich der Bürgerkrieg nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fort, als die Kuomintang und die Kommunisten ihre jeweiligen Einflussgebiete ausweiteten und um die Kontrolle über China kämpften. Schließlich erlangten die Kommunisten unter der Führung von Mao Tse-tung im Jahr 1949 die Oberhand und gründeten die Volksrepublik China auf dem chinesischen Festland, während die Kuomintang sich auf die Insel Taiwan zurückzogen. Taiwan war zu diesem Zeitpunkt ein Teil Chinas und ist es völkerrechtlich bis heute. Die Kuomintang sahen sich als die rechtmäßigen Nachfolger der Republik China und Chiang Kai-shek hoffte bis zu seinem Tod, Festland-China von Taiwan aus zurückerobern zu können, damit ganz China wieder eine vereinte Republik werde. Dazu ist es nicht gekommen. In den ersten Jahren erkannten die meisten Staaten der Welt die Kuomintang in Taiwan als Vertreter des rechtmäßigen Chinas an, ignorierten die kommunistische Volksrepublik und pflegten diplomatische Beziehungen mit Taipeh. Im Laufe der Jahre wandten sich aber mehr und mehr Staaten der Volksrepublik zu, respektierten deren One-China-Politik, brachen diplomatische Beziehungen mit Taiwan ab und orientierten sich an Peking. Kaum ein Land dieser Erde unterhält heutzutage noch diplomatische Beziehungen mit Taiwan, in Europa nur der Vatikan, was nicht verwundert, da die Kirche den Kommunismus bekanntlich scheut wie der Teufel das Weihwasser. Das Mausoleum von Yun Sat-Sen ist für Chinesen der Volksrepublik und Chinesen aus Taiwan ein gemeinsamer Identifikationsort. Beide Gruppen sehen in der Gründung der Republik und der damit einhergehenden Abschaffung des Kaiserreichs einen Fortschritt. Für die Taiwaner ist der Ort noch wichtiger, denn sie sehen sich als Fortsetzung des republikanischen Chinas. Die offizielle Bezeichnung Taiwans lautet übrigens bis heute - und daran rüttelt im Moment auch niemand - Republik China. Meinling Gong - Das Haus von Song Meiling Ebenfalls auf dem Zhong Shan Berg befindet sich Meiling Gong, das Haus von Song Meiling, der Frau von Chiang Kai-shek. Song Meiling, Madame Chiang Kai-shek, war eine der prominentesten Figuren auf der politischen Bühne Chinas. Sie war eine der einflussreichsten Frauen des 20. Jahrhunderts und verkörperte Schönheit, Intelligenz, Vermögen, Macht, Einfluss und Ehre. Durch ihr Studium in den USA, das ihr reicher Vater ihr ermöglicht hatte, lernte sie die westliche Kultur kennen. Sie sprach perfekt Englisch und handelte und redete wie eine Frau aus dem Westen. Sie sagte einst über sich: "Das einzig Asiatische an mir ist mein Gesicht." Nach der Heirat mit Chiang Kai-shek im Jahr 1927 war sie aktiv in die Politik und die auswärtigen Angelegenheiten eingebunden. Ihre Ausstrahlung und Sozialkompetenz hatten großen Einfluss auf die sino-amerikanischen Beziehungen. Sie erschien auf Titelseiten von Time, Life und Newsweek und ging im Weißen Haus bei Eleanor und Franklin Roosevelt ein und aus. Am 18. Februar 1943 trat sie als erste Chinesin und als zweite Frau vor den US-Senat und das Repräsentantenhaus mit einer flammenden Rede, die sie weltberühmt machte. Diese Rede brachte die USA an die Seite Chinas im Kampf gegen Japan. Interessanterweise hatte Meiling zwei Schwestern, die alle ebenso mit mächtigen Männern verheiratet waren. Die älteste Schwester Song Ailing hatte den Finanzmagnaten und späteren Finanzminister unter Chiang Kai-shek H.H. Kung geheiratet. Die andere Schwester Song Qingling war die Frau von niemand geringerem als Sun Yat-sen. Trotzdem stand sie nach dem Tod von Sun Yat-sen den Kommunisten nahe, was die Schwestern zu Feinden werden ließ. Sie sahen sich nie wieder. Eine Familiensaga, die ihresgleichen allenfalls noch beim Kennedy-Clan zu finden ist. Nach dem Sieg der Kommunisten floh Meiling mit Chiang Kai-shek nach Taiwan und regierte mit ihm dort autokratisch, wie sie es früher in Nanjing getan hatten. Chiang Kai-shek glaubte bis zu seinem Tod daran, dass er die Volksrepublik von Taiwan aus zurückerobern und die Kommunisten besiegen könne. Als er 1975 starb, ging Song Meiling nach New York, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2003 im Alter von 106 Jahren lebte. Sie lebte zurückgezogen, gab nie ein Interview und schrieb keine Memoiren. In den letzten Jahren ihres Lebens wurde sie gleichermaßen zur Ikone von Chinesen aus Taiwan wie aus der Volksrepublik. Seit ihrem 100. Geburtstag 1997 darf sie auch in der Volksrepublik bewundert werden. Song Meiling mit Chiang Kai-shek - ein Jahr vor der Niederlage der Nationalisten gegen die Kommunisten Hochzeitsfotos von Song Meiling mit Chiang Kai-shek Song Meiling und Chiang Kai-shek im Exil in Taipeh Song Meiling an ihrem 100. Geburtstag in New York. Meiling Gong, gebaut von 1931-1934, diente ursprünglich als Residenz für höhere Beamte der Nationalregierung, wenn sie das Mausoleum von Yun Sat-Sen besuchen wollten. Das riesige Haus ist in einem Mix aus chinesischem und westlichem Stil eingerichtet. Der Ming-Palast Vom Purpurnen Berg mit seinen Sehenswürdigkeiten geht es hinunter in die Stadt, in den Bezirk Xuanwu. Dort lag auch der Palast der Ming als Nanjing deren Hauptstadt war. Der ehemalige Ming Palast, die Verbotene Stadt Nanjings, war ebenfalls konsequent mit gelben Dächern, der Farbe des Kaisers, eingedeckt. 1367, als Nanjing noch Jiankang hieß, wurde der Bau des Palastes von Zhu Yuanzhang, dem ehemaligen Bauernjungen und ersten Kaiser der Ming-Dynastie begonnen. Nanjing war nicht lange Hauptstadt. 1402 machte der dritte Kaiser der Ming-Dynastie, Zhu Di, Peking wieder zur Residenz und begann unmittelbar danach mit dem Bau der dortigen Verbotenen Stadt. Nanjing war seitdem 300 Jahre Nebenhauptstadt. Verschiedene Brände verheerten Teile des Palastes, die nicht wieder aufgebaut wurden. Heute ist außer ein paar Grundmauern und einem Park nicht mehr viel übrig geblieben. Der Präsidentenpalast Ein paar Meter weiter westlich liegt der Präsidentenpalast, der seit der Qing-Dynastie als Verwaltungssitz des obersten Regierungsbeamten genutzt wurde. Der Palast spielte allerdings auch wieder eine gewichtige Rolle in der Geschichte des 19. und 20 Jahrhunderts. Bevor es aber wieder um Chiang Kai-shek geht, geht es noch in die kurze Phase der Taiping. Plan des Präsidentenpalastes 1853 wurde das Gebäude von Anhängern des Taiping-Aufstands besetzt und als Residenz für den Anführer der Rebellen deutlich erweitert und umbenannt in 'Himmlischer Palast'. Die Taiping waren eine religiöse, zunehmend politisch werdendere Sekte, die in der langsam niedergehenden Qing-Dynastie versuchte, die Macht an sich zu reißen und China zum Taiping-Königreich zu machen. Die Taiping: Der König des Himmels Hong Xiuquan hatte die Macht, sich der Qing-Dynastie entgegenzustellen. 1864 eroberten kaiserliche Truppen Nanjing von den Taiping zurück. Dabei wurde der Palast weitgehend zerstört, aber 1870 wieder errichtet in einer Stilmischung aus europäischen und chinesischen Elementen. Er wurde wieder als Sitz des Generalgouverneurs genutzt. 1911 wurde der Palast nach der Xinhai-Revolution und dem damit einhergehenden Ende des Kaisertums, zum Sitz des ersten Präsidenten Dr. Yun-Sat-Sen, bis die Hauptstadt nach . der Gründung der Volksrepublik wieder nach Peking verlegt wurde. Das Büro des Präsidenten von 1911 bis 1949 Am 23. April 1949 wurde Nanjing von den Kommunisten erobert. Auf diesem Gemälde betreten sie den Präsidentenpalast. Deng Xiaoping, der Nachfolger von Mao Tse-tung, der China von 1979-1997 regierte, ist hier der zweite von rechts. Er ist der Architekt des heutigen modernen Chinas, der Reformer, der das berühmte Zitat prägte: "Es spielt keine Rolle, ob eine Katze schwarz oder weiß ist, wenn sie eine Maus fängt, ist sie eine gute Katze". Mit dieser Formel plädierte er dafür, effiziente wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen, ohne die marxistische Ideologie zu berücksichtigen. Manche Gelehrte bezeichnen Deng Xiaoping als wichtigsten Mann Chinas im 20. Jahrhhundert. Ihm ist der kometenhafte Aufstieg Chinas zu verdanken, der vor circa 35 Jahren begann. Der Präsidentenpalast steht für die gesamte Phase des Niedergangs der Qing-Dynastie, das Endes des Kaisertums, den Taiping-Aufstands, die Republik China und die Eroberung durch die Kommunisten und ist damit einer der wichtigsten Orte der jüngeren chinesischen Geschichte. Die Stadtmauer von Nanjing Nach dem historischen Exkurs ins 20. Jahrhundert geht es wieder zurück in die Ming-Zeit, ins 14. Jahrhhundert. Eine der bemerkenswertesten Errungenschaften der Ming-Kaiser in Nanjing war der Bau der mächtigen Stadtmauer. Dieses beeindruckende Bauwerk erstreckte sich über eine Länge von etwa 35 Kilometern und umgab die Stadt, um sie vor Eindringlingen zu schützen. Heute sind davon noch 21 Kilometer erhalten, in einem guten Zustand und damit eine wichtige historische Sehenswürdigkeit in Nanjing. Gebaut wurde sie von 1360-1386 ebenfalls von dem ersten Ming-Kaiser Zhu Yuanzhang. Sie ist 14-20 Meter hoch und mit ihrer Länge steckt sie alle mittelalterlichen Stadtmauern Europas locker in die Tasche. Die Höhe von Nanjings Stadtmauer misst zwischen 14-20 Meter. Auf vielen Ziegeln aus der Ming-Zeit findet man Schriftzeichen mit Namen der Handwerker. Von der nördlichen Stadtmauer in der Nähe des Jiming Tempels hat man eine gute Aussicht auf den Xuanwu See. Im Hintergrund sind die Purpurnen Berge zu sehen. Am beeindruckendsten ist das Zhonghua Men, das China-Tor, das auf der südlichen, entgegengesetzten Seite der Altstadt liegt, also 6,5 Kilometer entfernt. Es ist das größte der 13 Stadttore, eine Verteidigungsanlage mit mehreren Höfen, die man in Europa als Zwinger bezeichnen würde. Ich bleibe im Norden und sehe mir den Jiming Tempel an, der direkt an der Stadtmauer liegt und eine pittoreske Landmarke bildet. Jiming Tempel Direkt an der Mauer liegt der Jiming-Tempel mit eigenem Zugang. Er wurde 527 errichtet, mehrfach zerstört und immer wieder aufgebaut. Der heutige Tempel wurde im 14. Jahrhhundert während der Ming-Herrschaft auch von Kaiser Zhu Yuanzhang errichtet, während des Taiping-Aufstandes zerstört und danach wieder aufgebaut. Besonderer Blickfang ist die siebenstöckige Pagode. Vor allem junge Leute kommen auf der Suche nach Spiritualität. Es ist auffällig, wie viele es sind. Im Gegensatz zu Europa, wo nur noch wenige junge Menschen den Weg in die Kirchen finden, nimmt die Gläubigkeit in China zu. Viele junge Menschen beten für eine gute Zukunft, dass die Ausbildung gut abgeschlossen werden kann und dass sie einen guten Job finden. Derzeit ist es für junge Leute schwierig zu finden, was sie sich wünschen, die Jugendarbeitslosigkeit ist im Moment hoch. Die Luft ist vom Duft der Räucherstäbchen erfüllt. Die Schatzschiffe des Ming-Kaisers Die Ming-Zeit lässt einen in Nanjing nicht los. In der Zeit zwischen 1405 und 1433 schickte sich China an, eine Seefahrernation zu werden. Im Auftrag des dritten Kaisers der Ming-Dynastie, Yong Le, befuhren chinesische Schiffe den Indischen Ozean und den Pazifik. Dazu wurden die größten jemals aus Holz gebauten Schiffe in einer für damalige Verhältnisse unglaublichen Größenordnung fertig gestellt. Ca. 80 Meter lang sollen sie gewesen sein, mit neun Masten. Aber nicht allein die Größe der Schiffe beeindruckt, auch die Größe der Flotte. Bei den Expeditionen fuhr eine Armada von hunderten von Schiffen gemeinsam los, in der Mitte die Schatzschiffe, beladen mit kostbaren Produkten wie Porzellan und Seide, begleitet von Kriegsschiffen, Versorgungsschiffen, Getreide- und Vorratsdschunken, Wassertankschiffen usw. Der Leiter dieser Flotte war Admiral Zhang He, ein Mann aus der Stadt Kunming in Yunnan, der weit im Südwesten gelegenen Provinz, vermutlich ein Nachfahre mongolischer Eltern, sicher ein Moslem. Wenig ist über ihn bekannt. Es ist ein seltsamer Umstand, dass alle Aufzeichnungen, Logbücher und Informationen über diese Schatzschiffflotte vernichtet wurden. Nur eine schriftliche Quelle informiert über die damals stattgefundenen Expeditionen. Der junge muslimische Dolmetscher Ma Huhn, der Zheng He bei den Expeditionen begleitete, veröffentlichte 1433 eine Chronik seiner Jahre auf See. Darin erwähnt er alle Länder, die bereist wurden, die Fauna, die Religionen und die kunsthandwerklichen Fertigkeiten der Völker, die er kennen lernte. Über die Größe der Schiffe verliert er aber kein Wort, wodurch die Spekulationen ins Kraut schossen. Eine andere, spätere Quelle könnte Auskunft geben. Im Roman "Der dreifach geschmückte Eunuch Zheng He bereist den westlichen Ozean" wird die Größe der Schatzschiffe mit stolzen 140 Metern Länge angegeben, aber diese Quelle ist unbrauchbar, sie ist ein fiktiver Abenteuerroman über die Expeditionen, der erst 160 Jahre nach Zheng Hes Tod veröffentlicht wurde. Hinweise zu der möglichen Größe der Schiffe lieferten archäologische Funde, als 1957 die Trockendocks der Werft in Nanjing freigelegt wurden. Zwar fand man keine Überreste eines Schiffsrumpfs, aber dafür ein Ruder, von dessen Größe man die Ausmaße der Schatzschiffe ableitete. Andere Wissenschaftler gehen von der Manövrierbarkeit der Schiffe aus, beziehen die Belastungsgrenzen des Materials Holz mit ein und versuchen, daran eine mögliche Größe festzumachen. Bis heute gibt es Vermutungen, die von 60 bis 138 Meter variieren. Warum wurden die Aufzeichnungen über diese beeindruckende Hochseefahrer-Ära vernichtet? Eine mögliche Antwort ist die Kostspieligkeit dieses Unternehmens, die nach und nach Kritik in den Kreisen der Beamtenschaft am Kaiserhof laut werden ließ. Nach dem Tod von Kaiser Yong Le und der Thronbesteigung durch seinen Sohn wurde das Projekt Hochseeschifffahrt eingestampft. Das Kapitel wurde kurzerhand zugeklappt und nie mehr geöffnet. 65 Jahre nach der letzten Rückkehr Zheng Hes von einer Expedition kamen Schiffe aus einer ganz anderen Region der Erde in den Indischen Ozean - aus Portugal. Vasko da Gama erreichte 1497 als erster Europäer den Indischen Ozean und läutete damit das Zeitalter der europäischen Seeherrschaft ein, das die Welt für die nächsten 500 Jahre nachhaltig verändern sollte. Insgesamt wurden unter der Leitung von Admiral Zhang He sieben Expeditionen unternommen: 1405–1407 Erste Reise: Vietnam – Java – Sri Lanka – Süden von Indien 1407–1409 Zweite Reise: Indien. Allerdings ohne Zheng He. 1409–1411 Dritte Reise: Indien und Sri Lanka 1413–1415 Vierte Reise: Hormuz am Persischen Golf und die afrikanische Ostküste 1417–1419 Fünfte Reise: Ostafrika bis Mogadishu 1421–1422 Sechste Reise: Südostasien – Indien – Persischer Golf 1431–1433 Siebte Reise: Malakka und Thailand Aus der Zeit der Schiffsexpeditionen existieren historische Docks in Nanjing, die heute zu einem Museumspark umgestaltet wurden, in dem man die Zeit der Hochseeschifffahrt Chinas in einem kleinen Museum nachvollziehen kann. Höhepunkt des Parks ist ein nachgebautes Schatzschiff, das allerdings einer Grundsanierung bedürfte. Das Massaker von Nanking Bei Nanjing denkt mancher als erstes an das Massaker. Das Gedenken daran legt einen deprimierenden Schatten über die Stadt. Manch einer möchte deswegen Nanjing lieber nicht besuchen. Ich hatte gemischte Gefühle, einen Ort zu sehen, an dem das Grauen wahrhaftig wurde. Der Eintritt in das Memorial ist frei, aber gegen eine Spende erhält man am Eingang eine weiße Chrysantheme, die man unterwegs an irgendeinem Ort des Rundgangs ablegen kann. Um es vorwegzunehmen, der Besuch des "Memorial Hall of the Victims in Nanjing Massacre by Japanese Invaders" war weniger erschütternd, als ich erwartet hatte. Das Massaker wird nicht in hochauflösenden Bildern gezeigt, denn nicht selten kommen Familien mit Kindern. Um ihnen traumtisierende Eindrücke zu ersparen, ist der Erinnerungsort so gestaltet, dass den Besuchern das Schlimmste erspart bleibt. Während des Zweiten Weltkriegs war China in den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg von 1937-1945 verwickelt. Die Ursache waren japanische kolonialistische Bestrebungen, die sich auf China ausdehnten. China, das durch den Bürgerkrieg geschwächt war, konnte sich nicht verteidigen. Auf chinesischem Territorium richteten die Japaner den Marionettenstaat Mandschuko ein, um von dort aus die besetzten Gebiete zu verwalten. Nachdem die Japaner Schanghai angegriffen und erobert hatten, zogen sie weiter nach Nanjing. Kaiser Hirohito erteilte den Befehl, sich nicht an das Haager Abkommen zu halten, keine Kriegsgefangenen zu nehmen, sondern alle sofort zu exekutieren. Auf dem Weg nach Nanjing hinterließen die Japaner eine Spur des Terrors. Als sie am 8. Dezember 1937 Nanjing erreichten schlossen sie die Stadt ein, am 13. Dezember besetzten sie die Stadt. Was dann begann, war sieben Wochen die reinste Hölle. Menschen wurden auf offener Straße geköpft, lebendig begraben, bestialisch gefoltert, Kranke in ihren Betten zerhackt, Babys auf Bajonette gespießt, an Wände genagelt, über offenem Feuer geröstet, Frauen vergewaltigt und danach getötet. Chinesische Zivilisten werden von japanischen Soldaten lebendig begraben. Die Opferzahlen sind unklar, sehr unterschiedliche Zahlen werden angegeben. In den japanischen Kriegsverbrecherprozessen ging man 200.000 Menschen aus. Wer war John Rabe? Der Hamburger John Rabe arbeitete während des Massakers bei der Siemens-Halske-Niederlassung in Nanjing. Während der Geschehnisse richtete er eine Sonderschutzzone ein, in der 250.000 Chinesen Schutz vor den Japanern fanden und vor dem Tod gerettet wurden. Das Wohnhaus von John Rabe ist heute eine Gedenkstätte. In China ist er berühmt und gilt als zweiter Oskar Schindler. Er wurde 2009 von 56 Mio. Chinesen bei einer Umfrage von Radio China International unter die Top Ten Friends of China der letzten hundert Jahre, die Ausländer sind, auf Platz 2 gewählt. Als Mitglied der NSDAP wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg vorerst nicht entnazifiziert, später doch wegen seines humanitären Einsatzes. Eine verantwortungsvolle Position bekam er trotzdem nicht mehr und starb 1950 verarmt in Berlin. Er ist in Deutschland so gut wie vergessen, in China lebt sein Andenken weiter. Vermutlich kennt fast jeder Chinese ihn.
- Das Changde Apartment
Im Stil des Neuen Bauens wurde das Apartmenthaus errichtet, in dem eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der modernen chinesischen Literatur wohnte, Zhang Ailing oder auf Englisch: Eileen Chang. Das Haus wird wohl für immer mit ihr assoziiert werden, sogar dessen ursprünglicher Name Eddington House wurde umgeändert zu Changde Apartment. Eileen Chang lebte zweimal in diesem Gebäude, zunächst 1939 als ganz junge Frau mit ihrer Mutter und ihrer Tante und später, nach ihrem Studium in Hong Kong in den Jahren von 1942 bis 1947 im Apartment No. 60. Während dieser Zeit erlebte sie ihre produktivste und kreativste Schaffensphase, in der sie einige ihrer wichtigsten Werke schrieb, z.B. Red Rose, White Rose (红玫瑰与白玫瑰) von 1944, Love in a fallen City (倾城之恋) von 1943, Das Goldene Joch (金锁记) von 1943 oder die Kurzgeschichte Sealed Off (封锁). In Deutschland ist sie hauptsächlich bekannt durch Ang Lees Film "Gefahr und Begierde", erzählt nach einer ca. 40 Seiten umfassenden Kurzgeschichte, die Eileen Chang 1979 schrieb, als sie bereits in den USA lebte. Szenenfoto aus Ang Lees Film "Gefahr und Begierde" Das Gebäude wurde 1936 im Stil des Neuen Bauens errichtet, einer Architekturrichtung, die das Schanghai der 20er bis 40er Jahre prägte und Architekturliebhaber in dieser Stadt voll auf ihre Kosten kommen lässt. Auffällig sind an diesem Haus vor allem die abgerundeten Balkone, die an aerodynamische Formen moderner Transportmittel wie Autos oder Schiffe erinnern. Die deutschen Architekten des Neuen Bauens Erich Mendelsohn und Emil Fahrenkamp lassen grüßen. Speziell sind auch die in Schanghai als europäische Fenster bezeichneten gusseisernen Fenster mit ihren schmalen Sprossen, die nicht nur bei diesem Gebäude die Architektur Schanghais markant prägen. An Art Deco erinnern die Symmetrie sowie die horizontalen und vertikalen Linien, die sich als Simse oder schlanke Pilaster über die gesamte Höhe des Gebäudes erstrecken und ihm eine markante Erscheinung geben. Moderne Architektur, in der die moderne, emanzipierte Schriftstellerin lebte, arbeitete und das Geschehen der Großstadt genoss. In dem Artikel "Notes of Delight in the Living of Changde Apartment" beschreibt Eileen Chang ihr Leben in ihrer Wohnung: "Ich höre gern dem Klang der Stadt zu. Menschen, die poetischer sind als ich, liegen auf ihren Kissen und lauschen dem Rauschen des Windes in den Kiefern des Waldes oder dem Rauschen der tosenden Wellen des Meeres. Ich hingegen muss zum Einschlafen das Klingeln der Straßenbahn hören. Eine Wohnung ist ein idealer Rückzugsort von der Außenwelt. Menschen, die des Großstadtlebens überdrüssig sind, sehnen sich nach dem Tag, an dem sie sich in ihr altes Landhaus zurückziehen, Bienen halten, ein paar Feldfrüchte anbauen und eine wohlverdiente Ruhe genießen können. Sie wissen aber nicht, dass auf dem Land schon der Kauf von einem halben Pfund geräuchertem Fleisch einen Sturm von Klatsch und Tratsch auslöst, während man sich in einer Wohnung im obersten Stockwerk direkt vor dem Fenster umziehen kann, ohne dass irgendjemand Anstoß daran nehmen würde." Eileen Changs Schreibstil ist eine Mischung aus Eleganz, Emotionalität und intellektueller Schärfe. Besonders geschickt ist sie darin, innere Konflikte und Emotionen ihrer Charaktere zu erkunden. Sie zeichnet komplexe Porträts von Menschen, die mit Liebe, Verlust, Einsamkeit und Identitätssuche konfrontiert sind. Sie kritisiert subtil die Geschlechterrollen, soziale Hierarchien und politische Umstände ihrer Zeit. Chang erschafft dichte und sinnliche Atmosphären, die den Leser in die Welt ihrer Geschichten eintauchen lassen. Ihre Beschreibungen von Orten, Kleidung, Geräuschen und Gerüchen tragen zur Atmosphäre ihrer Erzählungen bei. Obwohl ihre Werke oft ernste Themen behandeln, verwendet Chang auch Ironie und subtilen Humor, um die Absurdität des menschlichen Verhaltens und der sozialen Normen zu beleuchten. Als das Changde Apartment noch als Eddington Apartment bekannt war, befand sich in der unteren Etage ein Café. Jeden Nachmittag ging Eileen Chang dorthin, um sich zu entspannen. Das aktuelle Changde Apartment soll von einem Fan von ihr gekauft worden sein und darf daher nicht ohne Erlaubnis betreten werden. Allerdings wurde im Erdgeschoss eine Buchhandlung im Eileen-Chang-Stil mit dem Namen Eddington Literary House (Qian Mai Shu Fang) eröffnet, die im Stil der damaligen Zeit eingerichtet wurde und Scharen von Eileen-Chang-Fans anzieht. Wenn man die Berühmtheiten Schanghais aufzählen würde, wäre Eileen Chang ganz oben dabei. Ihre Spuren lassen sich in der ehemaligen Französischen und der Internationalen Konzession verfolgen. Dort lag ihr Umfeld, dort waren ihre literarischen Räume, die eng mit der modernen Architektur und dem modernen Leben Schanghais verbunden waren.
- Qipao - der Shanghai-Style und die Frauenmode der 20er Jahre
Der Qipao ist ein eng anliegendes, taille- und figurbetonendes, seitlich geschlitztes Kleid mit Stehkragen und kurzen Ärmeln, das durch eine Knopfleiste an der Seite geschlossen wird. Die Ärmellänge und die Höhe des Kragens können variieren, ebenso die Länge des Kleides, das bis zu den Knien oder den Knöcheln reichen kann oder sogar über den Boden beim Gehen streift. Der Qipao gilt bei westlichen Menschen als Symbol für weibliche chinesische Kleidungskultur schlechthin. Die Stoffe reichen von Krepp, Seide, Satin, Tweed und Baumwolle, Popelin, Polyesterseide bis zu vielen anderen Materialien. Die Muster sind entweder gewebt oder gedruckt und variieren von Blumen über Tiere, Streifen, geometrische Ornamente, Federn usw. Entwickelt wurde diese Form in Schanghai. Bis zur Entwicklung des Qipao war die traditionelle Kleidung der Chinesinnen zweiteilig, bestehend aus einer Hose und einer Jacke. Der Qipao entstand durch die Kombination von westlichen Einflüssen und der traditionellen Kleidung der Mandschu-Frauen. Die Kombination zwischen östlicher und westlicher Kultur ist das Hauptmerkmal dieses Kleides. Dass es in Schanghai entstand, verwundert nicht, denn die Stadt war damals ein europäisches Zentrum in China und unzählige Europäer lebten in Schanghais Konzessionen. Seit 2007 gehört der Qipao zum immateriellen Kulturerbe der Stadt. Der Charme und die Schönheit des Schanghai-Qipaos haben eine ganze Generation chinesischer Frauen bei der Kleiderwahl stark beeinflusst. Den modischen Höhepunkt erreichte das Kleidungsstück in den 30er Jahren. Als die Kommunisten die Volksrepublik ausriefen, verließen viele Schneider Schanghai und gingen nach Hongkong, wo der Qipao noch bis in die 50er/60er Jahre sehr populär blieb. Der Qipao heute Bei der alljährlichen Show des chinesischen Staatsfernsehens zum Neujahrsfest wurde 2020 eine Choreographie gezeigt, die den Stil der Qipao tragenden Schanghai-Frau in den 20er und 30er Jahren aufgreift. Die Nummer mit diesen träumerischen, ätherischen, fast schwebenden Frauengestalten ist beeindruckend. Um sie zu sehen, klicke auf den folgenden Link Choreographie in Qipao-Kleidern bei der Neujahrsshow 2020 Im Film "In the Mood for Love" von Wong Kar Wei trägt die Schauspielerin Maggie Cheung in jeder Szene einen Qipao. Der melancholische Film, der zwei Goldene Palmen in Cannes gewann und von einer platonischen, unerfüllten Liebe im Hongkong der 60er Jahre handelt, hat den Qipao wieder sehr populär gemacht. Ebensolches bewirkte die Darstellung von Tang Wei in Ang Lees grandios ausgestattetem, aber tragischem Film "Gefahr und Begierde", der im Schanghai der 40er Jahre unter japanischer Besatzung spielt. Wie man merkt, kann ich eine Liebe für das chinesische Kino nicht leugnen. Um den Trailer zu "Gefahr und Begierde" zu sehen, klicke auf den folgenden Link Trailer zum Film "Gefahr und Begierde Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking wurde der Qipao zur Kleidung der Hostessen, womit dieses Kleidungsstückes weltweit Aufmerksamkeit erregte. In Schanghai kaufen Frauen heute ihren Qipao in der Changle Road und der Maoming Road, wenn sie ein ganz besonderes Stück haben möchten, da dort die besten Schneider und die größte Auswahl an Stoffen und Materialien zu finden sind. Die Maoming Road ist lang. Besonders gute und zugleich sehr teure Schneider befinden sich zwischen Changle Road und Huaihai Road zwischen dem Garden Hotel und dem Jin Jiang Hotel, zwei besonders schöne historische Bauten aus der Zeit der Konzessionen. In der Changle Road ist der Abschnitt zwischen Maoming Road und Shanxi Road hervorzuheben, wo ein Qipao-Geschäft neben dem anderen liegt. Ich habe selten eine Stadt gesehen, in der sich so viel um die Schönheit von Frauen dreht wie in Schanghai. Ich glaube, es ist nicht zu viel gesagt, wenn man Schanghai auf gleiche Ebene wie Paris stellt.
- Huang Shan, die Gelben Berge
Vielleicht hast du schon einmal eine typisch chinesische Landschaftsmalerei gesehen: Ein Gebirge, dessen kegelartige Berge aus einem Nebelmeer herausragen, auf deren Gipfeln sich vereinzelte knorrig-bizarre Kiefern an die Felsen krallen und dort Wind und Wetter trotzen. Vorbild dafür sind die Gelben Berge, eines der schönsten Gebirge Chinas. Es gehört wegen seiner landschaftlichen Einzigartigkeit zum Unesco-Weltnatur- und Kulturerbe und ist Partnergebirge des Yosemite-Nationalparks und des Jungfraumassivs. Ganz nebenbei inspirierten diese Berge James Cameron zum Setting für seinen Film Avatar, auch wenn der National Forest Park Zhangjiajie aus Promotion-Gründen für sich proklamiert, das Vorbild für Pandora zu sein. Jede Jahreszeit in Huang Shan ist schön. Der Winter bezaubert durch Nebel und Wolken, in denen sich die Konturen der Bäume und Felsen im diffusen Nebel wie grau-weiße Grafiken auflösen. Manchmal kann es dort auch schneien. Für die spektakulären Sonnenauf- und -untergänge braucht man schon ein bisschen Glück und vor allem muss man dafür in einem der Hotels in den Bergen übernachten. Unzählige chinesische Landschaftsmaler befassten sich seit dem 8. Jahrhundert mit den Gelben Bergen und erlernten dort die chinesische Landschafts-Tuschemalerei. Tusche aus Anhui, der Provinz, in der die Gelben Berge liegen, wurde mittlerweile zum immateriellen Kulturerbe Chinas. Sie wird hergestellt aus Lampenruß, der mit Bindemittel zu Stangen geformt wird. Diese Stäbchen werden auf einem Mahlstein mit Wasser gerieben, bis die Tusche die gewünschte Konsistenz erhält. Links ein Tuschestein In der Mitte ein Reibestein, auf dem der Tuschestein so lange mit Wasser gerieben wird, bis man eine schwarze Tusche mit gewünschter Konsistenz und Pigmentdichte hat. Als wir die Gelben Berge besuchten, brachte uns eine Seilbahn nach oben. Insgesamt gibt es drei Bahnen (Yungu, Taiping und Telpher und Yuping). Alternativ kann man auch zu Fuß gehen, aber es ist anstrengend, dauert mehrere Stunden und von der Bergstation der Seilbahn geht es ohnehin noch ein ordentliches Stück zu Fuß weiter. Wir saßen in der Seilbahnkabine, die nach einigen hundert Metern in dichtem Nebel verschwand, so dass wir kaum noch das Seil sehen konnten, an dem wir hingen. Lautlos schwebten wir durch das Weiß, das uns umgab, und hatten keine Ahnung, wie hoch wir waren, ob wir über Abgründe fuhren oder wie steil die Berge um uns herum waren. Die Stille und Orientierungslosigkeit waren unheimlich, schließlich zerrte der Wind an unserer Kabine und pfeifende Geräusche ließen ahnen, dass wir sehr hoch sein mussten. Der Betrieb dieser Seilbahn wird bei stärkerem Wind eingestellt, also gingen wir davon aus, dass alles seine Richtigkeit hat, denn die Bahn fuhr ja an diesem Tag. Trotzdem stellte sich eine gewisse Erleichterung ein, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Die Wege, die man als Besucher gehen kann, sind vollständig mit geraden Platten und Pflasterung ausgelegt und es gibt unzählige Treppen. Wegweiser leiten die Besucher zu besonders schönen Aussichtspunkten, man sollte aber vor allem zur Hauptreisezeit möglichst einsamere Gegenden aufsuchen, denn es wird voll. Wie überall ballen sich die Massen an bestimmten Hotspots, aber wenn man weitergeht, kann man Ruhe finden. Oder man besucht Huang Shan im Winter an einem Wochentag - so wie wir. Wir übernachteten in einem Hotel weit oben in den Bergen. Bei unserer Wanderung wurde es spät und begann allmählich zu dämmern. Unruhig beschäftigte uns die Frage, ob wir das Hotel noch vor Einbruch der Nacht erreichen. Schließlich, es war schon fast dunkel, tauchte es wie eine rettende Herberge vor uns auf. In der Hotellobby saßen einige erschöpfte Wanderer, die kurz vor uns eingetroffen waren. Erschöpfung und das wohlige Gefühl von Sicherheit mischten sich. Zur Begrüßung brachte man uns heißen Tee. Später, nach einer Dusche, die wir nach dem anstrengenden Weg durch die Berge brauchten, kamen wir wunderbar zur Ruhe, es gab ein reichhaltiges Abendbüffet und danach eine stille Nacht in der klaren, frischen Luft in der Abgeschiedenheit der Berge. Huang Shan ist ca. 5 Stunden mit dem Auto von Shanghai entfernt. Mit dem Zug erreicht man die Gegend in ca. 3 Stunden. Der Bahnhof liegt ziemlich im nirgendwo, was in China nicht unüblich ist, da das Eisenbahnnetz erst in den letzten Jahrzehnten ausgebaut wurde und Hochgeschwindigkeitszüge nicht in die Städte hineinfahren, sondern außerhalb halten. Vom Bahnhof geht es mit dem Bus weiter in die Stadt Tangkou zum Zhaixi-Bus-Transfer. Von dort bringen einen Shuttlebusse zu den Ticketschaltern Ciguangge oder Yungusi. Das Zurechtkommen in China ist immer mit viel Orientierungslosigkeit und Suchen verbunden, was vor allem am Sprachproblem liegt. Es ist anstrengend und man braucht Zeit. Mit ein wenig Mühe wird man trotzdem irgendwann zum Ziel kommen. Es ist ratsam, im Vorfeld Fotos oder Screenshots mit den chinesischen Namen der Orte zu machen, die man erreichen will.
- Quanzhou - wo sich Weltkulturen mischten
Quanzhou, eine 8-Millionen-Einwohner-Stadt in der Provinz Fujian, gegenüber von Taiwan an der Meeresstraße Taiwan Strait gelegen, war während der Song- und Yuan-Dynastie vom 10. -14. Jahrhhundert eine prosperierende Handelsstadt. Sie lag an der maritimen Seidenstraße, war das wichtigste Tor Chinas für wirtschaftlichen und kulturellen Austausch mit anderen Ländern und in jener Zeit der bedeutendste Hafen der Welt. Marco Polo bezeichnete Quanzhou als Alexandria Asiens. Quanzhous damaliger Name Zaytun blieb im Wort "Satin" erhalten, das Wort "Tee" in europäischen Sprachen entstammt dem örtlichen Dialekt (tä). Die Stadt zog unzählige Händler aus der arabischen, persischen, indischen und europäischen Welt an, die ihre Kulturen und Religionen mitbrachten, vor Ort ihre Gebetshäuser errichteten, in einem friedlichen Nebeneinander lebten und sich teilweise durchmischten. Bis heute sind nicht nur historische Spuren der Händler erhalten, sondern deren Nachfahren setzen die Kultur mit lebendigem Brauchtum und gepflegten religiösen Stätten fort. In Quanzhou leben heute 60 - 70.000 Nachfahren der Perser und Araber. Die beeindruckende Infrastruktur, die den Handel mit der Welt ermöglichte, umfasste ein Verkehrsnetz von Brücken, Hafenanlagen, Verwaltungsgebäuden und religiösen Stätten. Dieses historische Erbe führte dazu, dass die Stadt 2021 den UNESCO-Welterbetitel "Quanzhou: Emporium der Welt in der chinesischen Song- und Yuan-Dynastie" verliehen bekam. Insgesamt gibt es in der Stadt 22 Orte, die zum dem Welterbe der Stadt gehören. Tuman Straße - die Reihe der religiösen Kultstätten Ich starte meine Erkundungstour an der Tumen Street, wo man die Kultorte verschiedener Religionen auf kurzer Strecke nebeneinander findet. Die Qingjing-Moschee Die Qingjing-Moschee ist ein markantes Gebäude und unterscheidet sich von daoistischen, konfuzianischen und buddhistischen Tempeln. Sie steuere ich als erstes an. 1009 erbaut, ließ Ahmad Bin Muhammad Quds, ein berühmter Pilger aus Shiraz in Persien, sie 1310 restaurieren. Das Haupttor und der Fengtian Altar zeigen charakteristische Merkmale persisch-iranischer Moscheen. Die Araber und Perser errichteten seinerzeit sechs bis sieben Moscheen, von denen diese eine übrig geblieben ist. Der Eingangsturm zur Qingjing-Moschee. Deutlich sind architektonische Grundformen Persiens erkennbar, die man z.B. auch in Isfahan findet. Nicht alle Teile der Moschee sind erhalten, vom alten Gebäude stehen nur noch die Grundmauern. Lebendig ist die islamische Gemeinschaft bis heute. Zum Freitagsgebet kommt eine größere Gruppe Männer zusammen, die in der Moschee beten. Der daoistische Tonghuai Guanyue-Tempel Nur wenige Meter weiter liegt der daoistische Tonghuai-Tempel. Auf dem Weg dahin häufen sich die Geschäfte mit Zubehör für Pilger und Gläubige: Räucherstäbchen in allen Größen, Papiergeld zum Verbrennen, Ananas, Äpfel, Orangen, die die Geschäfte wie einen Obstladen erscheinen lassen, hier aber als Opfergaben verkauft werden, um sie vor die Götter in den Tempel zu legen. Auch Blumen werden hier zu über 80 Prozent als Geschenke für die Götter gekauft, nicht um damit sein Zuhause zu verschönern. Nicht der Tonghuai-Tempel, sondern ein kleiner daoistischer Hausaltar in einem der Devotionalien- und Opfergabengeschäfte. Papiergeld, das man als Opfergabe verbrennt. Sehen aus wie Feuerwerkskörper, sind aber Räucherutensilien für den Tempelbesuch. Interessante Blüten treibt der Verehrungskult im Devotionalienladen: Neben daoistischen Göttern sitzt Buddha, hier in der Erscheinungsform der Lebensfreude, und auch die Büste eines kommunistischen Parteisekretärs gesellt sich in den Reigen der verehrungswürdigen Figuren. Auf dem Platz vor dem Tempel wimmelt es von betenden Menschen, Rauchschwaden füllen die Luft, es herrscht Gedränge. Kontemplative Stille zum Beten ist hier kaum zu finden. Der Konfuzius-Tempel Der Konfuzius-Tempel liegt in entgegengesetzter Richtung . Ich gehe wieder an der Moschee vorbei und gelange zu einem Park mit großem Tempelvorplatz. Der Tempel hat deutlich weniger Besucher als der daoistische, es ist angenehm ruhig. Ein paar Besucher kommen hierher, um für gute Studienabschlüsse und Examina zu beten. Konfuzius steht für Weisheit, Philosophie und Gelehrsamkeit. Seine Lehren wurden früher in konfuzianischen Schulen weitergegeben, deren Absolvierung zu hohen Beamtenlaufbahnen im Kaiserreich führten. Das Viertel der Antiquitätenhändler Hinter den religiösen Stätten, die an der Tumen Straße nebeneinander aufgereiht liegen wie Perlen auf einer Schnur, verläuft parallel die Houcheng Straße, eine gemütlich-beschauliche Gegend mit vielen Antiquitätenläden, Geschäften mit hochwertigem Zubehör für Kalligraphie und Kunst sowie einige historische Hofhäuser, die das Leben ehemaliger wohlhabender Bewohner erahnen lassen. Heute sind dort Kunstausstellungen oder Teestuben eingezogen. Die Türen sind weit geöffnet, die Ladenbesitzer stehen vor ihren Geschäften und halten einen Plausch mit den Nachbarn oder sie sitzen entspannt auf antik-chinesischen Stühlen und spielen gelassen, auf Kundschaft wartend, am Handy. Nichts scheint hier jemanden aus der Ruhe zu bringen. Die ganze Umgebung eignet sich hervorragend zum Stöbern, direkt hinter der Moschee gibt es ein Café. Auch hier sitzen alle Gäste draußen, die Fenster sind geöffnet, die Temperaturen frühlingshaft. Im Café sehe ich ein altes Mahjong-Spiel, das als Deko dient und leider unverkäuflich ist. Das Spielprinzip entspricht in etwa unserem Rommee-Spiel. Es geht ums Sortieren von Zeichen, die man sammelt, bis man sie offenlegt. Die Faszination, die davon ausgeht, liegt für mich im charakteristischen Klacken der Spielsteine, wenn sie beim ständigen Neu-Sortieren hin- und her und zu Gruppen zusammengeschoben werden. Solche ein Spiel wäre das perfekte Mitbringsel aus China. Ich finde es sehr charakteristisch für dieses Land. Das Spiel aus dem Laden sieht zwar sehr schön aus, aber fürs Spielen braucht man etliche Steine mehr. Das tröstet darüber hinweg, dass es unverkäuflich ist. Aber immerhin bin ich der Gegend der Antiquitätenläden. Vielleicht hat irgendein Händler solch ein Spiel. Es ist nicht notwendig, jeden einzelnen Laden aufzusuchen und zu erklären, was man möchte. Wenn ein Händler bei sich nichts findet, geht die Kommunikation über die Straße los. In kürzester Zeit wissen alle von meiner Suche und es findet sich tatsächlich ein altes Spiel, das aber so speckig ist, dass ich es für den Preis von 1000 Yuan (140 Euro) nicht kaufen möchte. Der Händler ist offensichtlich nicht bereit zu handeln, aber bei dieser Ausgangssumme wären wir uns auch durch Handeln nicht näher gekommen. Statt dessen ziehe ich weiter und finde in einem anderen Geschäft einen kleinen kugelbäuchigen Buddha. Nachdem ich mit dem Händler über den Kauf einig geworden bin, bittet er mich, Platz zu nehmen und bei einem Tee miteinander zu plaudern. In Asien wird ein abgeschlossenes Geschäft traditionell mit einem gemeinsamen Tee beendet, bei dem man irgendwie ein bisschen miteinander vertraut wird. Mein Weg geht weiter. In der Nähe des daoistischen Tempels wird am Straßenrand aus der Hand gelesen und die Zukunft wahrgesagt. Spezialitäten Quanzhous An der Tamen Straße, zwischen der Moschee und dem Konfuziustempel kündigt schon von weitem eine besonders lange Schlange den angesagtesten Laden der Stadt für Ingwerenten an - die Spezialität Quanzhous. In zig schweren, gusseisernen Töpfen werden Enten auf offenem Feuer gebraten. Die Einrichtung der Essensräume ist spartanisch und ähneln eher einer Spanferkelbraterei mit Imbissbude. Einer dieser gusseisernen Töpfe wird an meinen Tisch gebracht. Der Kellner trägt schwere, dicke Handschuhe, die vor der Hitze schützen. Deckel ab und die Ente kocht im Topf noch ordentlich weiter. Das Essen soll vorzüglich sein, mir persönlich geht das Abnagen des heißen Fleischs vom Knochen ein bisschen auf die Nerven, dauernd verbrenne ich mir die Lippen, ich nage am Hals und am Kopf, aber alle um mich herum haben echten Spaß. Der Entenkopf fehlt natürlich nicht. Mit Kind und Kegel zum Entenessen. Mich verblüfft immer wieder, mit welcher Begeisterung die Kleinen genau das essen, was auch die Erwachsenen bekommen. Jedes Kind kriegt eine Entenkeule in die Hand gedrückt und dann wird abgenagt. Eine andere Spezialität Quanzhous sind Austern. Die werden in dieser Gegend mit Rührei, Frühlingszwiebeln und allerhand Gewürzen durch die Pfanne geschwenkt und gehören zu den Klassikern der regionalen Küche. Die Qingyuan-Berge Weiter geht die Tour auf den Spuren der religiösen Multikulti-Orte. Mein Weg führt mich stadtauswärts zu den Qingyuan Bergen, eine Natur- und Kulturstätte, die schon seit der Qin-Dynastie vor circa 1800 Jahren genutzt wurde. Der Berg birgt eine Menge historischer und spiritueller Orte wie z.B. neun gut erhaltene, aus Felsen gemeißelte Statuen, die dem Buddhismus und Daoismus zugerechnet werden. Außerdem gibt es über 600 Inschriften mit Versen und Weisheiten, die in Felswände gemeißelt wurden. Die bekannteste Skulptur ist der Laozi, eine Figur des Begründers des Daoismus, die aus einem großen Felsbrocken herausgehauen wurde. Er ist eines der Wahrzeichen Quanzhous. Die Steinstatue von Laotse wurde aus einem ganzen Granitfelsen herausgearbeitet. Es ist die früheste und größte Daoismus-Steinskulptur von Laotse in China. Buddha-Statuen im tibetischen Stil, ein heiliges, islamisches Grab liegen an den Wegen, die am Berg entlang führen. Auffällig ist auch hier, dass alle Religionen diese Umgebung für sich nutzen und ein Nebeneinander möglich ist, wie wir es uns bei den monotheistischen Religionen nur selten vorstellen können. Kaiyuan-Tempel - wo Buddhismus und Hinduismus verschmelzen Wieder in der Stadt angelangt, führt mich mein Weg zum Kaiyuan-Tempel, der der Richtung des esoterischen Buddhismus angehört. Zugleich ist er einer der wenigen erhaltenen hinduistischen Tempel in China. Hinter der Mahavira-Halle, der Haupthalle eines buddhistischen Tempels, findet man Säulen die aus einem hinduistischen Tempel stammen, der 1283 von der tamilischen Handelsgemeinschaft Ainnurruvar Valanjiyar in Quanzhou erbaut wurde. Auf der hinteren Veranda der Mahavira Halle im Kaiyuan Tempel gibt es 16 steinerne Pfeiler mit Reliefs klassischer Hindumythen. Diese Reliefe stellen Figuren der Inkarnation des Vishnus dar, einer der wichtigsten Formen des Göttlichen im Hinduismus, die sich hier mit der traditionellen chinesischen Formensprache mischen. Vishnu, hier in der Erscheinungsform eines Löwen, erkennbar an der Mähne, der einen bösen Dämonen austreibt. Er gehört zum Hinduismus. Shiva, eine der drei Hauptgottheiten des Hinduismus, die in verschiedenen Erscheinungsformen dargestellt wird. Hier in der Haltung der Buße. Der übrige Teil des Tempels wurde bereits 685 während der Tang-Dynastie errichtet in einem Maulbeerbaumgarten, dessen Besitzer im Traum ein bettelnder Mönch erschienen war, der darum bat, in diesem Garten den Tempel zu errichten. Ein Maulbeerbaum steht immer noch dort. Die Renshou-Pagode wurde 917 in Stein gebaut und wurde weder durch Erdbeben noch durch Kulturrevolution zerstört. Die zweite Pagode war zunächst aus Holz, wurde dann 1238 ebenfalls aus Stein gebaut. Sie waren früher Landmarken, an denen sich die Seefahrer orientierten. Das Maritime Museum Woher kam die kosmopolitische Ausrichtung der Stadt? Dass es eine Hafen- und Handelsstadt war, ist bekannt. Deswegen gibt es in Quanzhou das Maritime Museum, das die chinesische Seefahrt und den dadurch möglichen Handel beleuchtet. In der Abteilung mit Grabsteinen und anderen Artefakten, findet man reichlich Belege für die Multikulturalität und den Schmelztiegel der Kulturen. Exotische Religionen wie das Christentum verschmolzen hier mit einheimischen Formen der Spiritualität. Z.B. zeigt der Grabstein unten eine Mischung aus Hinduismus, Buddhismus und Christentum. Im Zentrum sitzt ein vierflügeliger Engel, ein christliches Symbol, der auf dem Kopf eine dreizackige Krone trägt, die dem Buddhismus zuzurechnen ist. In der Hand hält er eine Lotusblüte, aus der ein christliches Kreuz erwächst. Die Wolken, die das gesamte Relief umgeben, entstammen der daoistischen Kulturtradition Neben den Artefakten, die Quanzhous Geschichte als Schmelztiegel widerspiegeln, gibt es auch die politische Geschichte, in der Taiwan eine Rolle spielt. Taiwan, das früher Formosa hieß, war eine niederländische Eroberung, die von den Chinesen im Jahr 1661 unter Zhen Chenggong, auch bekannt als Koxinga aus Shijing, zurück gewonnen wurde. Taiwan, das 38 Jahre von den Niederländern besetzt war, hatte er mithilfe seiner 25.000 Mann starken Armee, die mit 4000 Schiffen übersetzte, zurückerobert. Zhen Chenggong, der Eroberer Formosas Die obige Abbildung zeigt ein sogenanntes Schatzschiff. Diese Schiffe waren die größten, die jemals aus Holz gebaut wurden. Mit ihnen unternahmen chinesische Seeleute Expeditionen, die sie durch ganz Fernost und an die Küsten Ostafrikas und Arabiens brachten. Diese Expeditionen unter Admiral Zheng He wurden allerdings nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Die Chinesen fanden nichts außerhalb ihres Landes, das ihnen Innovation gebracht hätte. Hier liegt ein deutlicher Unterschied zu den europäischen Seefahrern, die nicht selbstgenügsam in die Heimat zurücksegelten, sondern Kapital aus den eroberten Gebieten schlugen. Vielleicht fing an diesem Punkt eine verhängnisvolle Entwicklung in der chinesischen Geschichte an, die Mitte des 19. Jahrhunderts zu Chinas Untergang führte, als es zur endgültigen Konfrontation mit den Europäern kam. (Willst du Näheres dazu wissen? Klick hier.) Infrastruktur für eine prosperierende Hafenstadt - die Luoyang-Brücke Die Luoyang-Brücke wurde während der Song-Dynastie in den Jahren 1053 bis 1059 erbaut. Sie überquert den Fluss Luoyang und bot damals den Händlern eine Direktverbindung von dem Hafen von Quanzhou zu den nördlich gelegenen Städten. Ohne diese Brücke wären Umwege durch die westlich gelegenen Berge notwendig gewesen. Das Projekt diente der Erschließung des gesamten Wirtschaftsraums. Zusammen mit den Docks, weiteren Brücken wie der Anping-Brücke, der Shunji-Brücke, so wie der Maritimen Handelskammer, die heute noch, teilweise allerdings nur noch als Ruinen zu besichtigen sind, ist die Brücke ein Zeugnis für die wirtschaftliche Bedeutung der Hafenstadt vor 700- 1000 Jahren. Heute ist sie nur noch von Fußgängern zu nutzen und ein beliebtes Ausflugsziel. Sie gehört zu den bedeutendsten historischen Top-4-Brücken Chinas. Die anderen drei sind die Zhaozhou, Guangji und Lugou-Brücke. Der Erbauer der Brücke: Cai Xiang Drei Männer in typischer Kleidung der Song-Dynastie beim Sonntagsausflug auf der Brücke Wudianshi Nicht auslassen sollte man bei einer Reise nach Quanzhou das Wudianshi-Viertel. Diese Sehenswürdigkeit befindet sich in Qingyan, der Altstadt von Jinjiang City, einem Stadtteil von Quanzhou. Das Wudianshi-Viertel ist voller historischer Gebäude, die aus Backstein im Stil Süd-Fujians gebaut wurden, d.h. die Backsteine weisen eine rot, schwarze Marmorierung auf, die den Fassaden eine gewisse Lebendigkeit geben. Das Viertel ist heute für Besucher und Touristen erschlossen, es gibt unzählige gastronomische Angebote, Bühnen für Künstler, Opern und Musikaufführungen und jede Menge schöne Interieurs, in denen Teestuben und Geschenk- und Antiquitätenläden und Kunsthandwerker eingezogen sind.











