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  • Das Qingming-Fest

    Im April jedes Jahres besuchen die Chinesen die Gräber ihrer Vorfahren. Man geht davon aus, dass an diesem Tag die Toten als Geister auf die Erde zurückkehren. Deshalb bringt man ihnen ihr Lieblingsessen und verbrennt Papiergeld am Grab, sogenanntes Totengeld, damit die Verstorbenen in der jenseitigen Welt alles haben, was sie brauchen. Die Gräber werden sauber gemacht, mit Blumen geschmückt und beim Abbrennen von Räucherstäbchen essen die Geister von den mitgebrachten Speisen. Es werden am Qingming Tag nur kalte Speisen verzehrt. Chinesen gehen nur einmal pro Jahr zu den Toten. Den Rest des Jahres lässt man sie in Frieden schlafen und stört sie nicht. Eine Grabpflege wie bei uns, wo man nach eigenem Bedürfnis zum Grab geht, gibt es nicht. Traditionell werden Chinesen immer neben ihren Eltern beerdigt als Zeichen der Verehrung. Daraus resultiert auch der Gedanke, dass ein Chinese im Alter immer an den Ort zurückkehrt, woher er kommt, dass das Blatt dort vom Baum auf die Erde fällt, in der der Baum wurzelt. Traditionelle Bestattungen Beerdigungen laufen in den verschiedenen Teilen Chinas unterschiedlich ab, denoch gibt es einige Rituale, die vergleichbar sind. Nach dem Tod wird die Familie benachrichtigt, die zusammenkommt und drei Tage bei dem Toten bleibt. In dieser Zeit beauftragt man einen buddhistischen oder daoistischen Mönch, der nach dem Mondkalender den besten Tag der Beerdigung bestimmt. Die Mönche sprechen Gebete und begleiten die Familie. Bei dem Weg zum Begräbnisort gilt es, böse Geister, die in Ecken lauern und den Weg des Trauerzuges behindern könnten, zu besänftigen oder zu vertreiben, entweder, indem man Totengeld verbrennt, um sie zu bestechen oder indem man Feuerwerk anzündet, um sie zu vertreiben. Tote werden traditionell in Särgen bestattet. Der Begräbnisort wird nach Feng Shui bestimmt. Es soll ein schöner Ort sein, an dem der Tote sich wohlfühlt, vielleicht in der Nähe eines Flusslaufs. Moderne Bestattungen Heutzutage hat sich vieles geändert. Die Gesellschaft ist in einem starken Wandel und Traditionen, die uralt anmuten, aber noch bis vor wenigen Jahrzehnten üblich waren, verschwinden. Das Verbrennen von Geld wird aus Umweltschutzgründen nicht mehr praktiziert, der Platz für Beerdigungen ist bei der Bevölkerungsdichte knapp. Ein Grab in Shanghai ist unbezahlbar, weshalb manche sich in den Provinzen ihrer Vorfahren beerdigen lassen wollen, auch wenn sie ihr ganzes Leben in Shanghai zugebracht haben. Viele lassen sich verbrennen und ihre Asche unter Bäumen beisetzen, ähnlich wie in unseren Friedwäldern. Auch Seebestattungen kommen vor. Die ungewöhnlichste Art der Bestattung findet man bei den Tibetern, die den Leichnam im Gebirge den Vögeln überlassen. Dies ist eine der hochrangigsten Beisetzungen in Tibet. Man glaubt, dass dadurch die Seelen der Toten von den Vögeln in den Himmel gebracht werden. Das Qingming-Fest fällt immer auf den 15. Tag nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche, also auf den 4. oder 5. April. Es wird seit 2500 Jahren begangen. Seit 2006 ist es auf der Liste des nationalen immateriellen Kulturerbes und seit 2008 ein gesetzlicher Feiertag. Im Kalender der chinesischen Feiertage wird es als religiöses, buddhistisches Fest erwähnt. Die Qingming-Rolle Was hat dieser Tag mit der Qingming-Rolle zu tun, einem der berühmtesten Kunstwerke der chinesischen Kultur überhaupt. Es ist eine ca. fünf Meter lange Papierrolle, ca. 25 Zentimeter hoch, gemalt von dem Künstler Zhang Zeduan im 11. Jahrhhundert. Heute kann man sie im Palastmuseum von Peking besichtigen. Ursprünglich befand sie sich in der Verbotenen Stadt. Viel chinesische Kunst gelangte nach Taiwan oder wurde von Kolonialmächten gestohlen. Die Qingming-Rolle blieb in China, weil der letzte Kaiser Puyi sie nach Mandschuko mitgenommen hatte, wohin er während des Bürgerkriegs zwischen Nationalisten und Kommunisten ins Exil ging. Auf dieser Rolle sieht man nichts von Totenverehrung, sondern eine sehr lebendige Stadt in der es von Menschen nur so wimmelt, vielleicht vergleichbar mit Bildern von Pieter Bruegel. Was hat das miteinander zu tun? Qingming fällt ins Frühjar, eine Zeit, in der die Natur voll erwacht ist, in der es warm ist, in der man wieder leichte Kleidung tragen kann. Es ist vergleichbar mit unserem Osterfest. Nach einem mittlerweile vergessenen Brauch trug man an diesem Tag Weidenzweige im Haar. Vielerorts werden Drachen steigen gelassen, aber nicht nur tagsüber, sondern auch abends. Dann werden kleine Laternen an die Drachen gebunden. Heute wird am Qingming-Tag neben der Verehrung der Toten auch der Frühling gefeiert, indem man in die Natur geht. Dieses wiedererwachte Leben nach dem Winter wird auf der Qingming Rolle dargestellt. Am Qingming-Tag in China verbindet sich die Trauer um die Toten mit der Freude über den Frühlingsbeginn.

  • Shanghai-Flaneurs II

    Shanghai hat eine Poesie, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Poesie? In einer Stadt mit der hypermodernen Skyline des Finanzdistrikts in Pudong? Einer Stadt, mit der man nur Wirtschaftskraft und Business assoziiert? Shanghai hat viele Gesichter. Einer meiner Lieblingsbezirke zum Herumschlendern ist die ehemalige French Concession, ein großes Areal mit den Ausmaßen einer Kleinstadt. Man kann unentwegt Neues entdecken, Straßen ablaufen, die man noch nicht zuvor gesehen hat, und selbst wenn sich die Wege wiederholen, macht es Spaß, die Schaufenster genauer anzusehen, in den kleinen Geschäften etwas zu kaufen oder sich in ein Café zu setzen und zu lesen oder Leute zu beobachten. Der Stadtteil ist voll mit jungen, schönen Menschen, Modeboutiquen und Anklängen an den ehemaligen Kosmopolitismus der 20er und 30er Jahre, dessen Glamour bis in die heutige Zeit strahlt und an dessen Mythos die Stadt anknüpft. Man wandelt zwischen Architektur von Art Deco bis klassischer Moderne oder sitzt im Teegarten unter Palmen und Bananenstauden, das Improvisierte, Unrenovierte wird zur Historie mit Patina und irgendwann stören die wirren Verkabelungen über den Straßen oder die Rohrleitungen und Klimaanlagen, die überall an den Hauswänden hängen, genauso wenig wie die alten, morschen, ungeputzten Fenster. Das alles strahlt den Charme süditalienischer Lässigkeit aus, die anscheinend von der chinesischen Mentalität nicht ganz fern ist. Man kann am Wukang Mansion, dem bekannten Bügeleisenhaus, eine Erkundungstour auf der Wukang Road und Anfu Road beginnen (um dorthin zu kommen: Metrostation "Jiaotong Universität", Exit 3 oder 4, dann Huaihai Road Richtung Osten gehen). Auf diesen beiden Straßen gibt es unzählige Cafés, Teeräume mit schönen, kleinen Gärten, Restaurants und Hinterhöfe, wie zum Beispiel in der Ferguson Line, die von der Wukang Road abgeht. Schicke Getränke werden am Stand verkauft und junge Leute verwirklichen ihre kreativen Ideen. Es wirkt künstlerisch, man läuft durch verschiedene Architekturstile vom Landhaus bis zur klassischen Moderne und überall erklingt Vogelgezwitscher aus den Gärten der schönen Villen.

  • Coffee Shop Walking Tour in Schanghai

    Schanghai hat 7000 Cafés, wobei internationale Ketten nicht mitgezählt sind. Allein Starbucks eröffnete bisher 900 Filialen in der Stadt und hat damit hier die größte Dichte seiner Kaffeeläden weltweit. Mit China assoziiert man Tee, aber die Schanghaier haben den Kaffee entdeckt und sind begeistert. Es macht Spaß, die kleinen Cafés zu entdecken und aus dem Staunen nicht herauszukommen. Von bohèmeartigen kleinen, ja winzigen, liebevoll gestalteten Oasen bis zu minimalistischen Räumen, die als Setting für hippe Selfies dienen, findet man unzählige Variationen zwischen French Concession und Bund, in denen nicht nur der Kaffeegenuss, sondern auch das Entdecken dieser kleinen Welten in den Gassen und Seitenstraßen ein ganz besonderes Erlebnis sind. Meine Tour begann am Fuxing Park. Die App "MapsMe" war dabei besonders hilfreich, denn auf der Karte sind Cafés deutlich markiert. Eigentlich hatte ich ein festes Ziel, aber durch die App wurde ich zu interessanten Umwegen und Abstechern angeregt. Alle Cafés auf den folgenden Fotos habe ich in nur einem Carrée gefunden, in den Straßen Xiangshan Rd., Nachang Rd. und Sinan Rd. Café Chez W, Xiangshan Rd. Schanghai hat eine lange Kaffeegeschichte. Die ersten Schiffsladungen mit Kaffeebohnen kamen vor 170 Jahren in die Stadt. Laut Sun Ying, einem in Schanghai ansässigen Literaturforscher, der die Coffee Map of Modern Shanghai and Coffee Literature veröffentlichte, wurden die Worte „fünf Packungen Jiafei-Bohnen, 70 Jin (35.000 g) pro Packung“ in einer auf den 18. Mai 1844 datierten Liste importierter Waren gefunden. Im Jahr 1851 eröffnete ein kantonesischer Geschäftsmann das erste Café in Schanghai, das Shenjang-Café, das 1883 in die Fuzhou Rd. umzog und in Xinghualou umbenannt wurde. Es existiert bis heute und ist inzwischen ein mehrstöckiges Restaurant geworden. Man merkt ihm die Nostalgie nicht an, aber immerhin ist dieses Geschäft Zeuge der gesamten Entwicklung des modernen Schanghais geworden. Cain Coffee, Nachgang Rd. Un Cono, Nachang Rd. Metal Hands, Nachang Rd. Antique Garden Shanghai, Sinan Rd. Antique Garden Shanghai, Sinan Rd.

  • Abendspaziergänge durch Schanghai

    Endlich wandele ich wieder durch die schönen Viertel Schanghais. Die Stadt wirkt so samtweich, dass man dahingleitet auf Farben, Lichtern und liebevoll verspielten Details. Es ist manchmal wie eine Traumwelt, wie ein französischer Film. Weihnachtszeit in Schanghai Echte Weihnachtsbäume werden angeliefert. Hier kommen sie nicht aus dem Sauerland, sondern aus Sibirien. Aber Chinesen haben keinen Weihnachtsbaum und feiern auch kein Weihnachten. Diese Bäume sind für Expads.

  • Entlang der Seidenstraße

    Flug nach Dunhuang in der Provinz Gansu Anflug auf Dunhuang, im Hintergrund die Dünen der Wüste Gobi Souvenirs am Flughafen von Dunhuang, jetzt geht's in die Welt der Kamele und der ehemaligen Karawanen. Die Wüste ruft, irgendwo in den Sanddünen liegen der Halbmond-See und die Mingsha-Dünen Der Halbmond-See in der Wüste Gobi, dieser See gilt als Naturwunder. Seit Jahrtausenden existiert er und die Sanddünen reichen direkt an ihn heran. Es ist bis heute ein Rätsel, warum er nie vom Sand verschüttet wurde oder austrocknete. Hier kreuzen sich Straßen und Kamelwege. Abends in Dunhuang auf dem Shazhou Nachtmarkt - eine grandiose Atmosphäre und ein kulinarisches Erlebnis. Die Küchen Westchinas in allen Varianten - es schmeckt teilweise schon türkisch. Kein Wunder, gehören doch die zentralasiatischen Völker Uiguren, Kirgisen, Tadschiken zu den Turkvölkern. Ein Zauber von 1001 Nacht liegt über allem. Lammspieße nach uigurischer Art Köstliche Leckerei, getrocknete Dattel mit Yakmilch umhüllt. Tibetische und zentralasiatische Kultur treffen aufeinander. 590 Kilometer oder sieben Stunden Fahrt durch die Wüste bringen mich von Dunhuang zur nächsten Sehenswürdigkeit Gansus, dem Zhangye National Geopark. Unterwegs an einer Raststätte, die hier in Westchina ganz anders anders aussehen als an der Ostküste. Die Flaggen wurden zum 1. Oktober, dem Nationalfeiertag gehisst. Kamelmilch zum Probieren. Sie schmeckt tatsächlich gut. Der Ofen wird mit Holz befeuert. Das Hotel am Zhangye National Geopark besteht aus Jurten. Nachts wird es kalt, aber die Jurte ist beheizbar mit einem Radiator. Energetisch ist das nicht, aber das stört hier in China noch niemanden, obwohl der Klimawandel hier von niemandem geleugnet wird und die Politik China bis 2050 CO2-frei haben will. Mein Ausblick, wenn ich aus der Jurte trete. Das Hotel liegt direkt am Rand des Nationalparks. Im Zelt gibt es nur eine Waschschüssel. Alles weitere findet in Gemeinschaftsduschen statt. Dort laufen alle nackt rum. Muskelprotze wie auf dem Hinweisschild, die wie die Nachfahren Dschingis Khans aussehen, habe ich allerdings nicht gesehen. Nachts werden die Berge in wechselnden Farben beleuchtet. Was hier kitschig wirkt, war tatsächlich wunderschön. Sonnenaufgang über den Regenbogenbergen Wunderbare Eindrücke - es ist zwar voll mit Touristen, aber trotzdem bekommt man solche Ansichten geboten. Weiter geht es mit dem Zug, der schon eine beträchtliche Strecke hinter sich hat, als ich in Dunhuang einsteige. Er kommt aus Wulumuqi im äußersten Westen Chinas und fährt nach Schanghai an der Ostküste, Gesamtstrecke ca. 4500 Kilometer. Diesmal kein Hochgeschwindigkeitszug, sondern eine langsame, aber preisgünstige Verbindung. Zugfahren soll für alle Bevölkerungschichten erschwinglich bleiben, deswegen wird die Bahn subventioniert, um solche bezahlbaren Reisemöglichkeiten anzubieten. Allerdings ist man für die lange Reise mehrere Tage unterwegs. Deshalb gibt es Schlafwagen. Gemütlich eingerichtet lässt sich die tagelange Fahrt gut aushalten. Lesen, Kartenspielen, die Landschaft angucken. Reisen mit dem Zug ist immer noch die Variante, bei der man das Reisen am unmittelbarsten erlebt. Meine Fahrt dauert allerdings nur zwei Stunden, in Zhangye stieg ich schon wieder aus. Der Blick auf die Ebene mit den dahinterliegenden, majestätischen Qilian-Bergen, die Süd- und Nordchina trennen, davor weidende Yaks. Ca. 60 Kilometer von Zhangye befinden sich die Matisi-Grotten. Tibetischer Buddhismus Matisi Tempel, sie kleben an der Felswand wie Schwalbennester. Mit etwas Abstand von den Tempeln ein Friedhof für Mönche, deren Grabmale in die Felswand gehauen wurden. Herrlicher Herbsttag - gelbgrünes Laub in der späten Herbstsonne, im Hintergrund die majestätischen Qilian Berge Tibetische Pagode Kloster Kumbum Champa Ling in Xining Junger tibetischer Vater Alle wollen ein Foto mit dem Lao Wei, dem Ausländer - hier mit den Kindern eines Tibeters, der unbedingt wollte, dass wir ein Gruppenfoto machen. ein tibetischer Mönch Jiayuguan, das westliche Ende der Chinesischen Mauer. Dieser Punkt war das Tor zum Reich der Mitte, wenn man vom Westen kam. Die Seidenstraße war keine einfache Strecke, sondern bestand aus einem Geflecht von Handelsrouten. Die Magao Grotten - Weltkulturerbe und ein unfassbarer kunstgeschichtlicher Schatz, der Aufschluss über die Entwicklung der buddhisitschen Malerei über Jahrtausende gibt. Neben den Magao Grotten eine weitere Nekropole für buddhistische Mönche. Am Qinghai See, einem großen Süßwassersee auf über 3000 Metern Höhe Chaka Yan See, ein Salzsee, aus dem das Salz für weite Teile Chinas gewonnen wurde. Am Wulam Pass - der Winter bricht schon ein, obwohl es erst Anfang Oktober ist. Reiten auf einem Yak Wulam Pass, 3817 Meter Höhe - über 1000 Meter höher als das Stilfserjoch, der mit 2757 Metern höchste Pass der Alpen.

  • Reisterrassen - ohne geht's nicht in China

    Fuzhi Mountain in Zhejiang Reisterrassen gehören zu China wie Tee, Seide oder Porzellan. In Schanghai gibt es sie natürlich nicht, hier fehlen die Berge. Also auf in die Nachbarprovinz Zhejiang, wo es gebirgig wird und wo man die Großstadt richtig vergessen kann. Nah ist es nicht, man fährt circa 2,5-3 Stunden, wird dann aber voll und ganz entschädigt. Im Frühjahr wächst auf den Terrassen noch Raps, später werden die Felder für den Reisanbau unter Wasser gesetzt, und noch später erscheinen sie in frischem Grün. An den Hängen am Rand der Reisterrassen liegen kleine malerische Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die Menschen leben dort auf die gleiche Weise wie seit Jahrzehnten, vielleicht seit Jahrhunderten und betreiben Landwirtschaft wie ihre Vorfahren. Es ist ruhig, friedlich, kein Zivilisationslärm stört die Stille, ab und zu laufen ein paar Hühner über den Weg oder eine gelangweilte Katze verschläft den ganzen Tag an einem schattigen Plätzchen.

  • Rooftop-Bars in Schanghai - chillen mit atemberaubenden Aussichten

    Wenn man in Schanghai die Ansicht der Skyline genießen möchte, ohne ständig auf der Promenade abzuhängen, gibt es etliche Rooftop-Bars, auf denen man den Tag mit grandiosen Ausblicken ausklingen lassen kann. Roosevelt Sky Restaurant Einige Bars befinden sich direkt am Bund. So zum Beispiel das Roosevelt Sky Restaurant auf der Dachterrasse des House of Roosevelt. Heute gehört das Gebäude der gleichnamigen amerikanischen Familie, früher war darin die Niederlassung der britischen Handelsfirma und Opiumverkäufer Jardine Matheson, also ein Haus mit zweifelhafter Vergangenheit. Nach den Briten kamen die Japaner, die darin ihre Navy Intelligence untergebracht hatten, ihnen folgte die Shanghai Foreign Trade Commission. Die Roosevelts haben mittlerweile daraus den größten Weinkeller Schanghais gemacht. Im dritten Stock befindet sich der superelitäre Roosevelt Club und das Restaurant oben ist hochpreisig und konservativ. Ein nostalgischer Fahrstuhl bringt Gäste auf die Dachterasse, von der man einen guten Blick über den Bund, Huangpu-Fluss und die Skyline von Pudong hat. So altehrwürdig das Gebäude daher kommt, so teuer isst und trinkt man auf seiner Dachterrasse. The Captain Nicht direkt am Bund, aber dafür preiswerter und gemütlich ist "The Captain", 37 Fuzhou Lu, in der Nähe der Sichuan Zhong Lu. Man findet die Restaurantbar, wenn man sich von der Promenade bzw. der East Zhong Shan Road nähert. Der Eingang ist unscheinbar. Zuerst geht es durch ein Café zum Fahrstuhl, dann in den 5. Stock, von dort noch eine Etage höher über die Treppe. Die Bar ist nicht wirklich hoch gelegen, aber die Aussichten und das Ambiente mit nautischer Dekoration überzeugen voll. Sommers wie winters ist die Dachterrasse geöffnet. Wenn es kalt ist, werden draußen die Heizpilze eingeschaltet, wer trotzdem im kurzen Schanghai-Winter friert, kann auch von innen die Aussicht genießen, sofern man einen Platz am Fenster bekommt. Edition Wer höher hinauf will, sollte das "Edition" in der 199 Nanjing Dong Lu (East Nanjing Road) besuchen. Es ist in der Nähe der Metrostation East Nanjing Road, Linie 2, Exit 2 oder Linie 10, Exit 7. Auch hier ist wieder ein bisschen Suchen angesagt. Die Bars sind halt ziemlich dem Gesichtsfeld entrückt. Der Fahrstuhl bringt die Gäste in den 29. Stock. Oben angekommen, verschlägt einem der Ausblick die Sprache. Aus dieser Höhe kann man sogar sehen, wie sich der Huangpu-Fluss um Lujiazui windet. Preiswert ist es nicht, aber dafür atemberaubend. Radisson Blu Ohne Dachterasse, aber unbedingt empfehlenswert ist das Radisson Blu, ein drehbares Restaurant, das von außen an ein Ufo auf einem Hochhaus erinnert. Es gehört zu den markanten Gebäuden von Schanghais Skyline. Der Eingang liegt an der Nanjing Road, direkt gegenüber vom People's Park, Metrostation People's Park, Ausgang 8. Das Restaurant befindet sich im 45. Stock. Von 14:30 - 17 Uhr kann man Kaffee und Kuchen bekommen, die Küche öffnet ab 18 Uhr. Eine Umdrehung dauert zwei Stunden und die Aussichten sind definitiv spektakulär. Schanghai sieht nachts fast noch besser aus als tagsüber. Billig ist der Spaß nicht, aber dafür schwebt man über der Stadt, die ganz allmählich an einem vorbeizieht: die East Nanjing Road, das International Plaza, die Hochhäuser an der West Nanjing Road, der People's Park, der ehemalige Race Horse Club, das Gebäude Tomorrow Square, der Oriental Pearl Tower usw. Namen, mit denen man nichts anfangen kann, hinter denen sich aber charakteristische und schöne Wolkenkratzer verbergen. Ein besonderes Abendprogramm. Was will man mehr.

  • Filmpark Shanghai

    Als Cineast lasse ich mir ungern Settings von Filmen entgehen, zumal ich chinesische Filme liebe. Also auf in den Shanghai Chedun Film Park. Am besten fährt man mit der Metro bis Shanghai South Railway Station und von dort mit der Jinshan Railway bis zum Bahnhof Chedun. Ab da geht es noch ein Stückchen weiter mit dem Taxi. Man kann natürlich auch von Shanghai Zentrum mit dem Taxi fahren, das wird allerdings um einiges teurer. Hier der Name des Parks für Taxifahrer: 上海影視樂園 und die Adresse: 车墩镇北松公路4915号 邮政编码: 201611 Der Park begeistert Film-Fans, man sollte eine Kamera dabei haben, das Handy tut's auch, denn ein Fotomotiv jagt das nächste und wer Spaß hat an inszenierter Fotografie findet hier massenweise Hintergründe, Gebäude, Inneneinrichtungen, Straßenszenen und vieles mehr. Verschiedene Settings sind dauerhaft aufgebaut, so zum Beispiel das alte Schanghai mit der Nanjing Road, aber auch ein Film-Set für Szenen und Filme, die in Europa spielen, Hafenanlagen mit historischer Schiffswands, eine alte Dampf-Eisenbahn mit Bahnhof, eine alte Straßenbahn und etliches mehr. Man kann viel Zeit dort verbringen und es ist nicht ausgeschlossen, dass man einen Filmdreh miterlebt. Das Café, in dem Gefahr und Begierde gedreht wurde, ist heute ein echtes Café, in dem man eine Pause einlegen kann, zwischendurch gibt es Paraden mit Oldtimern und kostümierten Komparsen. Unter anderem wurden hier "Gefahr und Begierde" mit Tony Cheung von Ang Lee gedreht, "John Rabe" mit Ulrich Tukur von Florian Gallenberger, "Im Reich der Sonne" von Steven Spielberg, "Der bunte Schleier" mit Naomi Watts und John Curran, "Shanghai Serenade" mit Gong Li, "Mission Impossible III", "The White Countess" von James Ivory, "Rote Laterne" von Zhang Yimou mit Gong Li, "Lebe wohl, meine Konkubine" von Regisseur Chen Kaige, "Der Fluch der goldenen Blume" von Regisseur Zhang Yimou, "Hero" auch von Regisseur Zhang Yimou und viele andere Filme, etliche davon, die nur auf dem chinesischen Markt bekannt sind. Etliche aber auch, die internationale Filmpreise wie Oscars und Goldene Palmen abgeräumt haben.

  • Der Bund

    Wenn man an Schanghai denkt, hat man meistens die Skyline von Pudong vor Augen. Nicht weniger interessant ist der West-Bund auf der gegenüberliegenden Flussseite mit seinen Bauten aus der Zeit der britischen Konzession. Die Franzosen besaßen auch ein Stück am Bund, aber sie haben nicht mit monumentalen Bauten geklotzt. Die Amerikaner hatten sich auch ein Stück Schanghai einverleibt, um auf Kosten Chinas reich zu werden, aber ihre Bereich wurde später mit dem britischen Sektor zur sogenannten "Internationalen Konzession" zusammengelegt. Auch auf amerikanischer Seite stehen einige imposante Gebäude, wovon das Broadway Mansions Hotel sicher das beeindruckendste ist. Die imposantesten Gebäude am britischen Abschnitt des Bunds können mit Whitehall in London konkurrieren. Stärker noch erinnern sie aber an Liverpool, das man auf dem Foto unten sieht. Pier Side in Liverpool - erinnert an Schanghai (©: CC BY-SA 3.0) Schanghais Bund-Architektur könnte auch Batman-Filmen entlehnt sein. Gotham-City, Monumentalarchitektur aus Backstein mit Art-Deko-Einflüssen, die etwas Molochhaftes ausstrahlt. Das fasziniert und begegnet einem überall im Viertel hinter dem Bund. Es ist alles voller Herrschaftsarchitektur, die mit ihren Kolossalordnungen und ihrer Wuchtigkeit etwas Absolutes ausstrahlt . Kolossalordnung vor dem Bank of Taiwan-Building (rechts) und dem Russo-Chinese-Bank-Building (links davon) Zur genaueren Orientierung hier noch einmal die Karten mit den Konzessionen. Rot: die französische Konzession, darüber in Ocker die britische, und nordöstlich von dem geschlängelten Fluss Suzhou, der von Westen kommt, die amerikanische. Der grüne Streifen am Flussufer ist der Uferabschnitt der britischen Konzession, also der Teil des Bunds, den heute die historische Skyline Schanghais prägt. Die Grenze zwischen der französischen und britischen Uferzone sieht man deutlich auf folgender historischer Abbildung. Es ist die Tordurchfahrt mit dem schlanken Turm daneben. Das Tor ist mittlerweile verschwunden, aber der sogenannte Gutzlaff-Signal-Tower gehört zur denkmalgeschützten Architektur. Er wurde 1865 errichtet und diente als Wetterstation. Heute ist darin im Sockelgeschoss ein kleines Bund-Museum untergebracht. Blick auf den Bund von der französischen Seite Die Straße ist noch erhalten, aber mittlerweile gibt es dort, wo auf der historischen Abbildung die Schiffe liegen, eine Uferpromenade, auf der allabendlich unzählige Besucher flanieren, um die gegenüberliegende Skyline in Pudong zu betrachten und zu fotografieren; natürlich auch, um sich die Bund-Architektur anzusehen. Der Gutzlaff-Signal-Tower Die Häuser am Bund sind monumental, aber wenn man sie von der Aussichtsetage eines der Gebäude von der gegenüberliegenden Pudong-Seite betrachtet, erscheinen sie lediglich stecknadelkopfgroß. Vielleicht spiegelt sich in dieser Architektur auf beiden Seiten des Flusses die Bedeutung Europas und Chinas von einst und jetzt wider. Peter Scholl-Latour beschrieb es ähnlich: Die Trutzburgen des ehemaligen europäischen Kapitalismus wirken wie winziges Spielzeug, wenn man sie aus der Höhe der monströsen Wolkenkratzer auf der Pudong-Seite betrachtet. Das grüne pyramidenartige Dach auf dem obigen Foto gehört zum Peace Hotel, einem der traditionsreichsten Häuser Schanghais. Die Geschichte zu diesem Luxushotels und Fotos vom Interieur dieses Gebäudes findest du im Post "Art-Deco in Shanghai". Auf der Straßenseite gegenüber von den alten Gebäuden gibt es einen Eingang zum Tunnel, der unter dem Huangpu-Fluss hindurchführt. Man kann nicht zu Fuß gehen, aber es gibt eine kleine Bahn, die einen durch den Tunnel fährt. Lichteffekte machen die Fahrt interessant für Kinder und es vor allem ist es bequem, um zum gegenüberliegenden Flussufer zu gelangen. Wem diese Fahrt für 50 Yuan, umgerechnet ca. sieben Euro, zu teuer ist, kann für nur 2 Yuan (30 Cent) mit einer Fähre übersetzen, deren Landungsbrücke am Gutzlaff Signal Tower zu finden ist. Man erreicht die Anlegestelle nicht von der Promenade, sondern muss ein paar Treppenstufen zur Straße hinuntergehen. Dort befindet sich die Kasse und gleich daneben der Zugang zur Fähre. Die Fähren erkennt man an ihrem gelben Streifen. Sie sind nicht für Touristen gemacht, daher gibt es wenige Plätze mit Aussicht an der frischen Luft, dafür aber einen Raum für die vielen Scooter, die auch von einer der einen Flussseite zur anderen wollen. Es ist ein Alltagstransportmittel wie die U-Bahn. Wenn man den Bund mit den historischen Gebäuden bis zum Ende geht, erreicht man die Waibaidu-Brücke, die man auf dem Foto unten sieht, dort endete der britische Abschnitt des Bunds. Die Brücke überspannt den Fluss Suzhou, der unmittelbar danach in den Huangpu-Fluss mündet. Auf der anderen Seite liegt der ehemalige amerikanische Teil Schanghais. Zur Zeit der japanischen Besatzung Schanghais, war diese Brücke die Grenze zwischen dem japanisch besetzten Teil der Stadt und dem nicht besetzten Teil der. Auf der Brücke gab es scharfe, demütigende Kontrollen durch die japanischen Streitkräfte. Jeder Chinese musste den Soldaten beim Passieren Respekt erweisen, sich verbeugen oder sogar bis zur Taille entkleiden, um Demütigungen und Bestrafungen durch die Japaner zu entgehen. Die Brücke hat einen festen Platz im kollektiven Bewusstsein der Schanghaier, sie ist eine der berühmtesten Brücken der Welt und in zahlreichen Filmen zu sehen, z.B. in Ang Lee's "Gefahr und Begierde".

  • U-Bahn-Fahren in Schanghai

    Die U-Bahn in Schanghai ist ultramodern, hocheffizient, sauber, mit viel Personal. Derzeit hat das Netz 18 Linien, umfasst ca. 800 Kilometer, die genaue Zahl der Stationen ist im Internet nicht herauszufinden, da die Informationen ständig veralten. Das Netz soll in den nächsten Jahren auf 1000 Kilometer ausgebaut werden. Es ist jetzt schon streckenmäßig das größte der Welt, obwohl es erst vor 30 Jahren begonnen wurde. Zum Vergleich der U-Bahn-Ausbau in Berlin: Die Ergänzung der U 5 vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz mit einer Strecke von zwei Kilometern und drei Bahnhöfen wurde 2010 begonnen und 2021 abgeschlossen. Elf Jahre Bauzeit für zwei Kilometer in Berlin. Wenn man einen U-Bahnhof betritt, muss man seine Taschen durch einen Röntgenscanner laufen lassen. Keine Angst, das geht schnell. Die Bahnsteige und Gleiskörper sind durch Glasscheiben voneinander getrennt, damit niemand auf die Gleise fällt, die Türen der Glastrennwände öffnen sich gleichzeitig mit den Türen der haltenden Züge. U-Bahnen haben in vielen Städten ein interessantes Erscheinungsbild, sie sind wie eine eigene kleine Welt, eine Bühne für Kreative, für Spinner und Normalos, ein Panoptikum der Menschen einer Stadt und nicht selten sind U-Bahnen Schauplätze in Filmen, vor allem französischen, weil sie einen cineastischen Wert haben. Nicht so in Schanghai. Die Schanghaier U-Bahn hat wenig Atmosphäre. Sie ist rein funktional und die Farben Weiß, Schwarz, Grau und Silber bestimmen das Bild ebenso wie die Materialien Granit, Edelstahl und Glas. Alle Stationen sehen irgendwie total gleich aus. Es gibt kein Saxophon, das durch die Gänge hallt, keine nostalgische Architektur mit facettierten Kacheln, keine gefliesten Jugendstilschilder wie in vielen alten europäischen U-Bahnen, keine jungen Leute, die mit Bier oder ClubMate in der Hand zum Feiern in die einschlägigen Bezirke fahren. Dafür gibt es in Schanghai aber auch keinen Siff oder Schmierereien, es ist absolut sauber. Wer aber U-Bahnen eben wegen ihrer ganz speziellen, inspirierenden Atmosphäre mag, wird in Schanghai nicht auf seine Kosten kommen. Nicht einmal den typischen U-Bahn-Geruch gibt es, von irgendwelchen Bremsklötzen oder Stromabnehmern, von dem manche sagen, dass es irgendwie nach Gummi und Elektrizität riecht. Wie benutzt man die Schanghais Metro? Man könnte befürchten, dass man in Schanghai in gigantischen, labyrinthartigen U-Bahn-Stationen mit chinesischen Schriftzeichen untergeht. Da ist was dran. Aber in der U-Bahn wird alles auch mit lateinischen Buchstaben ausgeschildert, die Durchsagen in den Zügen erfolgen auf Chinesisch und Englisch und überhaupt funktioniert die Metro wie überall auf der Welt - eigentlich. Nur "eigentlich", weil es trotzdem schwierig ist: Die Stationen ähneln unterirdischen Labyrinthen mit endlosen Gängen, teilweise muss man sehr weite Wege zurücklegen, um von einer U-Bahn zur nächsten zu kommen und die minutenlange Tippelei nervt. Endlose Gänge unter der Erde, typisch für die Schanghaier Metro Die Stationen sind durch ihre Größe und Umsteigemöglichkeiten ziemlich unübersichtlich. Hinweisschilder weisen den Weg, aber man muss sie suchen, manchmal schwierig, weil man mit Informationen und Wegweisern überhäuft wird. Es fühlt sich an wie in einem Playstation-Spiel, wo man als Figur minutenlang den Weg sucht. Die U-Bahn-Stationen ähneln sich wie ein Ei dem anderen. Daher kann man sich kaum Wege merken, selbst wenn man an dieser Station schon einmal war. Die Sucherei bleibt das Dauerthema. Wenn man endlich den Bahnsteig erreicht hat, muss man die richtige Seite wählen. Fährt die gewünschte Bahn links oder rechts? Um das zu klären, guckt man idealerweise vor dem Betreten des Bahnsteigs auf die Schilder mit den Endstationen der Linie. Diese Schilder hängen über dem Ende der Rolltreppe. Wenn man sie übersehen hat, geht die Sucherei auf dem Bahnsteig los. Über den Türen in den Glaswänden zwischen Gleis und Bahnsteig stehen irgendwo die Endstationen, aber sehr klein gedruckt. Man wird es finden, aber man muss suchen. Die drei Namen über der Tür sind die gegenwärtige Station sowie die letzte und die nächste. Uhren über dem Bahnsteig informieren, wie viele Minuten es dauert , bis die nächste Bahn kommt, aber diese Uhren sind klein und es gibt davon so wenige, dass man sie meistens nicht erkennen kann. Die Uhr unten zeigt an, dass der nächste Zug in 1:20 Minuten kommt. Hat man es schließlich in den richtigen U-Bahn-Zug geschafft, ist der Stress nicht vorbei. Es ist laut. Aus dem Lautsprecher wird man ununterbrochen mit Informationen zugetextet. Will man aus dem Zug herausschauen, etwa weil man gerade in eine Station einfährt und sich für den Stationennamen interessiert, folgt das nächste Stresserlebnis. Die Scheiben der Züge sind getönt, die Scheiben, der gläsernen Sicherheitsabtrennung zwischen Bahnsteig und Gleisen auch. Doppelt getönt ist besser - ganz toll, denn man sieht wenig. Aber das macht nichts, die Lautsprecherdurchsagen hören nicht auf zu reden und sie nennen auch die Stationennamen. In allen U-Bahnen, die ich kenne, gibt es Schilder mit den Stationennamen auch an der Wand, die dem Bahnsteig gegenüber liegt. Das ist sehr sinnvoll, denn in der Bahn schaut die Hälfte der Leute von ihren Sitzen auf genau diese Wand. Es wäre hilfreich, wenn man dort den Namen der Stationen lesen kann und genau weiß, wo man gerade ist. In Schanghai gibt es das nicht. Kleine zusätzliche Schwierigkeit für Ausländer: Die Stationennamen sind schwer zu merken: Ohnehin ist Pin Yin, also die lateinische Schreibweise chinesischer Wörter, eine spezielle Herausforderung, aber besonders speziell bei Namen wie z.B.: Changping Road oder Changqing Road, Changshu Road oder Changshou Road, beide übrigens auf Linie 7. Oder wie sieht es aus mit Changzhong Road? Zhongshan Park oder Zhongtan Road oder North Zhongshan Road? Usw. Eine weitere Schwierigkeit bereiten die unzähligen Ausgänge aus der Metrostation. Welchen soll man nehmen? 5-9 oder 3,4 oder 13? Dazu kommen teilweise bizarre Erklärtafeln, die nur wenige richtig verstehen. Wenn man aus Versehen den falschen Ausgang gewählt hat, gelangt man in einer völlig anderen Ecke an die Oberfläche. Die Ausgänge liegen aber teilweise so weit auseinander, weil man ja unterirdisch minutenlang gelaufen ist, dass man überhaupt nicht mehr weiß, wo man ist. Und da auch oben auf der Straße alles ziemlich gleich aussieht und man eigentlich nie Orientierung hat, kann man verzweifeln. Meistens helfen Apps. Ohne Apps läuft in China nicht viel. Apps wie MAPS.ME zeigen sogar die Ausgänge auf der Straßenkarte an. Das ist eine große Hilfe. Wie kommt man an ein Ticket? Die Tickets bekommt man am Automaten, an dem man per Touchscreen zwischen Chinesisch und Englisch wählen kann, und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch einen Info-Schalter, wo sogar mit etwas Glück jemand steht, der Geld wechselt und Englisch spricht. Man kann also auch noch mit Münzen oder Scheinen bezahlen und braucht nicht unbedingt Bezahl-Apps. Die Hauptschwierigkeit für Nicht-Chinesen liegt darin, dass man sich die Namen der Stationen nicht merken kann, auch wenn sie in Pin Yin, also lateinischer Schrift, geschrieben sind. 1. So sieht der Ticketautomat aus, wenn man sich ihm nähert. 2. Man wählt die Sprache Englisch. 3. Dann sollte man wissen, auf welcher Linie die Station liegt, zu der man fahren möchte. Wenn man es nicht weiß, kann man bei der Information nachfragen oder eine Metro App benutzen (z.B. Metro Man. Danach wählt man am unteren Bildrand die Linie aus, auf der die gewünschte Station liegt. Alle 18 Linien sind dort aufgeführt. In meinem Beispiel brauche ich ein Ticket zur Station Linyi Xincun; die liegt auf der Linie 6, also wähle ich diese Linie durch Tippen. 4. Danach erscheint auf dem Bildschirm nur noch die gewünschte Linie ohne das gesamte Metronetz. In meinem Fall ist es die Linie 6. 5. Man wählt die gewünschte Station. Ich wähle die Station Linyi Xincun, tippe darauf und der Fahrpreis wird mitgeteilt. Bezahlt wird mit Münzen, Scheinen oder den Apps Alipay oder WeChat. Und los geht's. Masken waren in Zeiten der Pandemie Pflicht. Übrigens sind die Züge herrlich klimatisiert. Bei 32 Grad Außentemperatur ist man echt froh, wenn man in die Bahn kommt, .

  • Vorläufiger Abschied von Schanghai

    Der Lockdown nahm kein Ende. Das wäre zwar auszuhalten gewesen, allerdings kamen bei mir gesundheitliche Probleme hinzu, die sich nicht von selbst lösten. Letztendlich entschied ich mich, nach Hause zu fliegen. Nachdem diese Entscheidung gefallen war, beriefen meine Kollegen noch am späten Freitagabend eine Online-Sitzung mit der Schulleitung, der Parteisekretärin, der Fachbereichsleiterin und einigen anderen ein. Solche Sitzungen finden spontan statt - egal, ob es Freitagabend ist oder nicht. Mir war sichtlich peinlich, dass wegen mir eine Freitagsabendssitzung einberufen wurde, aber in China nimmt man das weniger schwer als bei uns. Sie sagen, es müsse eine Lösung gefunden werden - und zwar schnell. Es dauerte keine zwei Stunden und ein Flug war gebucht und ich musste mich um nichts kümmern. Wenn in China eine Entscheidung gefallen ist, laufen die Prozesse so schnell ab, dass man als Deutscher kaum Luft holen kann. An einem Freitagabend würde in Deutschland ein Anliegen definitiv bis zum kommenden Montag Zeit haben. Dann würde man einen Termin mit den betreffenden Kollegen koordinieren, was in der Regel schon schwierig genug ist, und dann würde die Sitzung vermutlich Ende der Woche stattfinden. Mit chinesischer Organisation landete ich bereits am Montagmorgen um sechs Uhr in Deutschland und hatte in dieser Zeitspanne auch noch 12 Stunden Flug hinter mir. Zwischen meiner Entscheidung und dem Eintreffen in Deutschland waren 60 Stunden vergangen. Das ist rekordverdächtig. Wenn man als Deutscher in China lebt, hat man irgendwann das Gefühl, dass Deutschland ein extrem langsames Land ist. Hier ein letztes Foto von meinen beiden lieben Kollegen Thomas und Emma mit mir. Ein Fahrzeug wurde extra für mich angefordert, der Fahrer bekam die schriftliche Genehmigung der Schulleitung und der Verwaltung, dass er mich durch die Stadt fahren durfte, für den Fall, dass wir an einer Kontrollstelle angehalten werden. Nach Umarmung und Verabschiedung von meinen Kollegen ging es im Schutzanzug durch die fast menschenleere Stadt auf leeren zehnspurigen Autobahnen zum Flughafen. Die Fahrt durch Schanghai Richtung Flughafen Pudong kam mir vor wie ein Traum oder wie ein Film - alles so fremd, so irreal. Der Flughafen war still, das Gebäude war leer. An diesem Tag gab es nur einen einzigen Flug - von Schanghai nach Frankfurt. Kein Geschäft war geöffnet, kein Snack, kein Getränk konnte gekauft werden. Meine Kollegen nahmen die gesamte Zeit Anteil an meiner Abreise, verfolgten online, ob alles glatt lief und keine Schwierigkeiten entstanden, bis ich im Flugzeug saß. Dahinter stehen Anteilnahme und Interesse. Chinesen wären in Europa sicher tief enttäuscht, wenn man sich nicht um sie kümmern würde und sie würden es für Kälte und Gleichgültigkeit halten. Für sie ist das Kümmern um den anderen eine Selbstverständlichkeit. Wir Europäer sind meistens auf uns selbst gestellt und empfinden es vielleicht sogar als Kontrolle, wenn andere zu sehr Anteil an einem Geschehen nehmen. Vielleicht ist es in China eine Mischung aus Anteilnehmen und Kontrolle. Wenn bei meiner Ausreise in Coronazeiten, in die viele Leute involviert waren, etwas schief gegangen wäre, hätte sich der Verantwortliche, dem die Abwicklung meiner Ausreise anvertraut wurde, rechtfertigen müssen, also hat er lieber die ganze Zeit im Blick, wofür man ihm die Verantwortung übertragen hat. In China ist jeder bestrebt, eine Aufgabe, die ihm gegeben wurde, erfolgreich und so gut wie möglich abzuschließen. Eines meiner Ziele im Ausland war, Standpunkte zu relativieren und die Dinge aus anderer Perspektive zu sehen. Während dieser Erfahrung habe sicher am stärksten gemerkt, was unterschiedliche Standpunkte sind. Eindrücke von einem der größten Flughäfen der Welt während des Lockdowns Wir starteten auf die Sekunde pünktlich am Ostermontag um 00:05. Das Flugzeug war fast leer. Ca. zwei Drittel der Plätze waren nicht belegt. Trotzdem saßen fast alle Passagiere in nur einem Teil des Flugzeugs relativ dicht beieinander, während der gesamte mittlere Teil leer blieb. Die Flugroute ging zunächst nach Norden über Sibirien und ich sah stundenlang einen Streifen heller Dämmerung am Horizont, da wir uns dem Polarkreis näherten und damit dem Polartag auf der Nordhalbkugel. Schließlich ging es wieder Richtung Süden, wir ließen die Dämmerung hinter uns und tauchten wieder in die Nacht ein. Als wir uns Frankfurt näherten, war es noch stockfinster. Ich wurde in China sehr gut behandelt und habe wirkliche Gastfreundschaft erlebt, Interesse aneinander und Unterstützung in allen Belangen. Würde man z.B. in Deutschland für chinesische Kollegen das chinesische Neujahrsfest so organisieren und feiern, wie Weihnachten für uns europäische Kollegen gefeiert wurde? Ich frage mich, wann ich zurück komme. Es gibt kaum Flüge nach China und wenn, dann sind es Charterflüge von der Deutschen Außenhandelskammer, die unfassbar teuer sind. Jetzt werde ich meinen Unterricht von Deutschland online fortsetzen, was ich die letzten Wochen ohnehin schon gemacht hatte wegen des Lockdowns.

  • Begegnung Europas und Chinas am Beginn der Neuzeit

    Chinas Flotte unter Kaiser Zhu Di Die ersten Westeuropäer, die die Welt mit ihren Schiffen befuhren, waren die Portugiesen, gefolgt von den Spaniern, dann den Briten und den Niederländer - Seefahrernationen, die direkten Zugang zum Meer hatten. Zeitgleich mit Portugal hatte auch das hochentwickelte China eine Flotte, die an Größe jeder europäischen überlegen war. Entsprechend machten sich die Chinesen auch auf den Weg, um die Welt jenseits der Meere zu erforschen. Im Jahr 1403 nach unserer Zeit bauten sie ihre Schiffsarmada unter dem Ming-Kaiser Zhu Di. Die Flotte bestand aus 300 Schiffen, darunter 60 Schatzschiffe, die größten Holzschiffe, die jemals in See stachen, mit einer Länge von 80 Metern und neun Masten, in anderen Quellen ist von 135 Metern Länge und 50 Metern Breite die Rede. Eines der Schatzschiffe von Zheng He im Vergleich mit dem Schiff von Columbus Lars Plougmann / CC BY-SA 2.0 20.000 Leute sollen an Bord der Flotte gewesen sein. In der Zeit von 1404 bis 1433 war der Eunuch Admiral Zheng He im Dienste des Kaisers mehrfach aufgebrochen und gelangte bis Afrika. Das Projekt wurde nur wenige Jahrzehnte fortgesetzt, dann beendete China seine Expeditionen und kehrte zur Selbstgenügsamkeit zurück. Vielleicht war das ein Fehler, der sich ca. 300 Jahre später rächen sollte, als Europa, vor allem die Briten technologisch so aufgeholt hatten, dass sie schwer bewaffnet an Chinas Tür klopften. Chinas Reichtum hatte Begehrlichkeiten geweckt. Es folgten der Opiumkrieg, die Ungleichen Verträgen und das Jahrhhundert der Demütigung, Erfahrungen, die bis heute tief in der chinesischen Seele sitzen. Wie auch immer. Auffällig ist an Chinas Beendigung seines Schifffahrtsprojekts vor allem eins: Keine konkurrierende Macht hatte die Flotte bezwungen, sondern sie wurde aus freien Stücken aufgegeben. Das ist insofern ungewöhnlich, da alle anderen Seemächte immer in die Knie gezwungen wurden von Nationen, die mächtiger geworden waren. Portugiesen von Spaniern, Spanier von Briten usw. Die Chinesen aber wurden von niemandem besiegt. Sie hatten einfach befunden, dass ihre Expeditionen zu keinem Erkenntnisgewinn geführt hatten, also wurden die Schiffe aufgegeben. In Nanjing kann man heutzutage den Nachbau eines solchen Schatzschiffes besichtigen. Begegnungen zwischen Europa und China Bildnis von Xu Guangxi, Minister der Ming-Dynastie, Shanghai Histroy Museum Bevor die Briten in kriegerischer Absicht kamen, waren schon italienische Missionare nach China gekommen, die aber mit ihren Missionabsichten wenig erreicht hatten - das Christentum spielt in China eine marginale Rolle - statt dessen kam es aber zu intensivem kulturellen Austausch. Der Ming-Dynastie-Minister Xu Guangxi, geboren 1562, war ein hoher Beamter im Mandarinat, der ursprünglich aus ärmlichen Verhältnissen stammte, aber durch eine gute Schulbildung die schwierigen Beamtenprüfungen ablegen konnte, die ihn in höchste Ämter aufsteigen ließen. Er steht für die Anfänge der sino-europäischen Begegnungen, da er durch den italienischen Jesuitenpater Mattheo Ricci zum katholischen Glauben konvertierte, was aber keinen Effekt auf die Etablierung des Christentums in China hatte. Mattheo Ricci, Jesuitenpriester in China, Shanghai History Museum Der italienische Jesuitenpater und Missionar Mattheo Ricci war ein kultureller Vermittler zwischen beiden gegensätzlichen Kulturen. Er missionierte nicht mit Gewalt, sondern mit dem, was die Chinesen am meisten überzeugte, mit seiner Gelehrtheit. Er hatte eine profunde naturwissenschaftliche Ausbildung, die die Chinesen beeindruckte, und bewirkte durch seine Bildung mehr als durch seine Predigten. Außerdem erlernte er die chinesische Sprache und kleidete sich wie ein buddhistischer Mönch, so dass die Chinesen ihn nach seinem Sinisierungsprozess für einen der ihren hielten. Ihm sind die Grundlagen der Transkription der chinesischen Sprache in lateinische Schrift zu verdanken, das sogenannte Pinyin, das in veränderter Form bis heute verwendet wird. Alle chinesischen Wörter, die wir Nicht-Chinesen lesen können, sind Transkriptionen der chinesischen Zeichen in lateinische Buchstaben. Mattheo Ricci baute enge und langanhaltende Freundschaften zu hochrangigen chinesischen Beamten auf, unter anderem zu Xu Guangxi, durch die er tiefgehende Kenntnisse des Konfuzianismus erwarb. Dies alles ereignete sich zur Zeit der späten Ming-Dynastie, zeitlich etwa parallel zum europäischen Barock. Im Spätbarock und der Aufklärung schauten europäische Gelehrte mit Bewunderung nach China. Die chinesische Form des Regierens beeindruckte die europäischen Philosophen der Aufklärung: Ein Kaiser, dessen Funktion darin bestand, die Harmonie zwischen Himmel und Erde zu wahren, der das Mandat hatte, die Dinge im Gleichgewicht zu halten, der nicht einer Dynastie entstammen musste, sondern gegebenenfalls aus dem Volk kommen konnte, der auch gestürzt werden konnte. Das alles kannte man in Europa nicht. Der europäische Adel, der die Politik bestimmte und das höchste Ansehen genoss, war letztendlich eine Kaste von Kriegsherren und deren Nachfahren. Im Gegensatz dazu hatte ein Soldat in China eine der niedrigsten Stellungen in der Gesellschaft, während das Mandarinat, also die Verwaltung, aus Eliten bestand, die als Philosophen und Schriftgelehrte durch Examina über den Konfuzianismus in ihre hohen Positionen gelangt waren. Bis heute haben Gelehrsamkeit und Bildung in China den höchsten gesellschaftlichen Status. Die Missionierung Chinas hatte nicht funktioniert. Uralte Traditionen, Überlieferungen und kulturelle Festigkeit, die tief wurzeln und die chinesische Identität ausmachen, waren resistent. Die europäische Kultur ist von ihrem Wertekanon tief überzeugt, aber China setzte dem Westen mit seinen Wertvorstellungen etwas entgegen, von dem die Chinesen zu recht sagen, dass es den europäischen Werten zumindest ebenbürtig ist.

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